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Stolz und Leidenschaft: Roman (German Edition)

Stolz und Leidenschaft: Roman (German Edition)

Titel: Stolz und Leidenschaft: Roman (German Edition)
Autoren: Monica McCarty
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Auswahl von so vielen ›schmucken Burschen‹ einen finde, der mir zusagt – gerade so, als würde ich mir einen Bullen auf dem Markt auswählen.«
    Tatsächlich beunruhigte das Drängen ihres Vaters, Caitrina solle sich einen Ehemann suchen, sie mehr, als sie zugeben wollte. Es sah ihm gar nicht ähnlich, so stur zu sein. Das war Mors Spezialgebiet.
    Die jedoch mied wohlweislich das Thema Heirat und widmete sich wieder dem Kleid. »Der Mann hätte dir den Mond vom Himmel geholt, nur um deine Tränen zu trocknen. Da ist ein einzelnes Kleid vermutlich nicht das schlimmste Geschenk.« Ermahnend drohte sie ihr mit dem Zeigefinger.
»Aber eines Tages wird jemand daherkommen, den du nicht so einfach um deinen hübschen kleinen Finger wickeln kannst.«
    Caitrina lächelte verschmitzt. »Aber da gibt es doch schon jemanden.« Sie beugte sich vor und drückte der Amme einen Kuss auf die runzlige Wange. »Dich.«
    »Ha«, gluckste Mor. »Du unverbesserlicher Frechdachs.«
    Caitrina schlang die Arme um die alte Frau, schmiegte die Wange an die kratzige Wolle ihres arisaidh und genoss den warmen, vertrauten Duft nach Torf und Heidekraut – nach Heim und Herd. »Gefällt dir das Kleid denn wirklich nicht, Mor? Ich werde es nicht tragen, wenn es dir nicht gefällt.«
    Mor legte ihr die Hände auf die Schultern, schob sie ein wenig von sich und sah ihr in die Augen. »Hör nicht auf mich, Mädchen. Ich bin nur eine dumme alte Frau, die sich Sorgen macht, was die Wölfe meinem kleinen Lämmchen antun könnten.« Ihr Blick wurde weich. »Du bist so behütet aufgewachsen und hast keine Vorstellung von der Schlechtigkeit der Menschen.« Sanft strich sie Caitrina über die Wange. »Das Kleid erinnert mich einfach nur daran, dass du eine erwachsene Frau bist.« Überrascht bemerkte Caitrina, dass Tränen Mors besorgte Augen trübten. »Du siehst deiner Mutter so ähnlich. Sie war das schönste Mädchen in den Highlands, als sie mit deinem Vater durchbrannte.«
    Caitrinas Brust zog sich schmerzlich zusammen. Obwohl ihre Mutter nun bereits über zehn Jahre tot war, empfand sie den Verlust immer noch stark. Sie war elf gewesen, als ihre Mutter an einer verzehrenden Krankheit gestorben war, und die Erinnerung an die lachende, schöne Frau, die sie in den Armen gehalten hatte, wurde von Jahr zu Jahr verschwommener. Aber eine Leere in ihrem Herzen und das Bewusstsein, dass ein wichtiger Teil von ihr fehlte, würden für immer bleiben.
    »Erzähl es mir noch einmal, Mor.« Sie wurde es niemals
müde, die Geschichte zu hören, wie ihr Vater nur einen Blick auf die Tochter seines Feindes geworfen und sich auf der Stelle in sie verliebt hatte. Davon, wie ihre Eltern sich monatelang heimlich getroffen hatten, bis ihr Vater ihre Mutter schließlich überreden konnte, mit ihm fortzulaufen.
    Doch bevor Mor antworten konnte, platzte Caitrinas jüngerer Bruder aufgeregt ins Zimmer. »Caiti! Caiti Rose, komm schnell!«
    Ihr Herz sank wie ein Stein, als sie sofort das Schlimmste vermutete. Wer war verletzt, und wie schlimm? Sie packte Brian an den Schultern und mit einer Ruhe, die sie nicht empfand – aber bei drei Brüdern, um die sie sich kümmern musste, war sie unglücklicherweise daran gewöhnt –, fragte sie: »Was ist passiert?«
    Mit argwöhnischer Vorsicht musterte er sie. »Versprichst du mir, dass du nicht wütend sein wirst?«
    »Wie kann ich das versprechen, wenn ich nicht weiß, was los ist?«
    Mit seinen zwölf Jahren musste Brian erst noch lernen, wie man geschickt verhandelte, deshalb versuchte er es nun damit, sich herauszureden. »Es war nicht meine Schuld«, meinte er ausweichend. »Ich habe Una gesagt …«
    Als er den Namen des kleinen Mädchens erwähnte, konnte Caitrina sich schon denken, was geschehen war. »Oh, Brian! Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst diese schrecklichen Hunde von den Kätzchen fernhalten.«
    Beschämt starrte er auf seine Zehenspitzen hinunter. »Ich habe Una ja gesagt, dass ich die Jungs rauslasse, aber sie hat vergessen, die Tür zu den Ställen zu schließen, und dann, nun ja, es ging alles so schnell. Boru wollte nur spielen, aber die dumme Katze ist auf den Baum geklettert.«
    Caitrina stöhnte. »Auf welchen Baum?«
    Brian verzog das Gesicht. »Die alte Eiche. Caiti, bitte, du musst mir helfen, das Kätzchen wieder herunterzuholen, bevor
Una es herausfindet. Sie heult sonst wieder.« Verlegen scharrte er mit den Füßen auf dem Holzfußboden. »Und ich hasse es, wenn sie

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