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Sternenstaub im Kirschbaum

Sternenstaub im Kirschbaum

Titel: Sternenstaub im Kirschbaum
Autoren: Thariot
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Es war einmal
    Gemächlich lehnte sich der alte Mann zurück und zwirbelte seinen Bart. »Wisst ihr , Kinder, diese Geschichte wollte ich euch schon lange erzählen.«
    »Wieder ein Märchen?«, fragte seine Enkeltochter misstrauisch und tippte eine Nachricht in ihr Smartphone. »Eigentlich sollte ich für die Uni lernen.«
    »Aber nein, ich würde euch doch keine Märchen erzählen«, fügte er augenzwinkernd hinzu .
    »Schon klar. Um was geht’s denn diesmal?«
    »Um einen Spruchwirker, und zudem um einen ziemlich berühmten seiner Zunft.«
    »Spruchwirker? Was soll das sein? Harry Potter für Arme oder was?«
    »Ein Spruchwirker ist doch kein Zauberer.« Er lächelte. »Der Vergleich ist mehr als unpassend.«
    »Was ist er denn?«
    »Jemand mit großer Verantwortung!« Es würde ihm eine Freude sein, über diese wunderbare Welt zu berichten.
    »Na gut ... dann lass mal hören.«
    »Es ist schon eine Weile her, da lebte in einem fernen Reich genau dieser besagte Spruchwirker, Musa Rübenkerbel war sein Name.«
    »Und was hat der Gute verbrochen?«
    »Verbrochen, ja so kann man es nennen. Geduld, ich werde keine seiner Missetaten auslassen. Aber in Musas Geschichte ging es um eine Frau, Cardamine Sapote von Schattengrün wurde sie gerufen, sie war eine Hexe, allerdings keine wie ihr sie vielleicht zu kennen glaubt«, begann er mit leuchtenden Augen zu erzählen.
    » Jetzt kommt's, sie war in Wirklichkeit eine gute Hexe!«, sagte seine Enkelin und blickte ihren Großvater augenrollend an.
    » Ähm ... ja und nein. Ich denke, da muss ich ein gutes Stück weiter ausholen.«
    » Dann besiegt halt der Zauberer die Hexe, rettet das Königreich und heiratet die Prinzessin«, stellte der ältere Bruder des Mädchens abwertend fest. Ohne seinen Großvater anzusehen, saß er neben seiner Schwester auf dem Boden und schaute gedankenverloren zum Fenster heraus. Draußen regnete es in Strömen. Die beiden Enkelkinder machten keinen Hehl daraus, nur auf Geheiß ihrer Eltern, den Großeltern einen kurzen Pflichtbesuch abstatten zu wollen.
    »Noch nicht einmal lauwarm, junger Mann . Aber ihr sollt alles erfahren. Bleibt einfach noch ein wenig und hört mir zu«, erklärte der alte Mann gut gelaunt und glücklich darüber, dass ihnen das schlechte Wetter so unverhofft zu mehr gemeinsamer Zeit verhalf.
     
    ***
     
     
     

Hexenfeuer
    Wisst ihr, diese Nacht hätte gut werden können, wirklich gut ! Endlich war es Cardamine gelungen alles zusammenzutragen, sogar den raren hyazinthischen Rauschpfeffer würde sie bekommen. Üblicherweise war das Zeug weder für Gold aus Metall, noch aus Worten zu haben, aber sie würde diese Kostbarkeit gleich in Händen halten. Noch in dieser Nacht sollte sich ihr Schicksal entscheiden. Darauf hatte sie ihr Leben lang gewartet.
     
    »Über Rauschpfeffer ist es hilfreich zu wissen, dass er nur bei Neumond durch die unbefleckten Hände einer Jungfrau gepflückt werden darf.«
    »Und wenn nicht?«, fragte seine Enkeltochter keck.
    »Andernfalls wäre er seiner besonderen Kräfte beraubt und taugte höchstens noch als Suppenkraut.«
     
    Cardamine schwelgte im Glück und schaute das junge Mädchen erwartungsvoll an. Das Kind wirkte so unschuldig: Wie ein wertvolles Kleinod pflückte der blonde Engel das kostbare Kraut und legte es mit nahezu grenzenloser Sorgfalt in ihre Hände. Wahrlich eine Gabe des Himmels, als hätte sie es von Mutter Natur persönlich in Empfang nehmen dürfen. Dass dieses kleine Luder die Goldmünzen danach mit geübtem Biss auf Echtheit prüfte, hätte Cardamine besser misstrauisch werden lassen sollen.
    Nur fühlte sie sich ihren lang gehegten Zielen so nah. Die Nacht entwickelte sich wie ein betörender Traum. Niemand sollte sie jetzt noch aufhalten können. Dessen war sie sich sicher.
    Mit dem wertvollen Gut in der Tasche eilte sie unverzüglich zu ihrem Turm zurück, die Diener wussten Bescheid, sie hatte ihnen zuvor alles Wichtige aufgetragen. Das Feuer brannte bereits und auch der polierte Kupferkessel stand schon neben dem Kamin parat. Cardamines Welt schien perfekt, in dieser Nacht sollte geschehen, was noch keiner Spruchwirkerin vor ihr gelungen war: Sie wollte die Essenz der Ewigkeit aus einer weißen Drachenträne gewinnen. Und das ganz ohne Drachen. Ein wahrhaftig alchemistisches Kunstwerk und ihr finales Meisterstück!
    Sie, Cardamine Sapote von Schattengrün, zweite Spruchwirkerin im Hause zu Schattengrün , war kurz davor die Welt zu beherrschen - oder zumindest

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