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Sternenflut

Sternenflut

Titel: Sternenflut
Autoren: David Brin
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Keepiru, wieso pfeifst du uns dann nicht ein bißchen Vanadium herbei?« oder »Ich glaube nicht, daß es Sinn hat, ein Menschenlied an ein Delphinpublikum zu verschwenden.«
    In seiner Phantasie waren solche Entgegnungen wirkungsvoll genug, aber Toshio wußte, daß er sie in Wirklichkeit nie herausbringen würde. Zunächst einmal waren es die Cetaceen, nicht die Anthropokfen, deren Vokalisationen in einem Viertel aller Raumhäfen in der Galaxis als gesetzliches Zahlungsmittel galten. Sicher, es waren die traurigen Balladen ihrer größeren Vettern, der Wale, mit denen sich ein echtes Vermögen machen ließ, aber auch Keepirus Sippschaft konnte sich durch bloße Lungenübungen auf einem Dutzend Welten mit Rauschmitteln versorgen. So oder so, es wäre ein schrecklicher Fehler gewesen, sich einem Besatzungsmitglied der Streaker gegenüber als Mensch aufspielen zu wollen. Der alte Hannes Suessi, einer der anderen sechs Menschen an Bord, hatte ihn gleich zu Beginn ihrer Reise davor gewarnt, kurz nachdem sie Neptun verlassen hatten.
    »Versuch’s, und du wirst sehen, was passiert«, hatte der Techniker gesagt. »Die werden sich kaputtlachen, und ich auch, wenn ich das Glück habe, dabeizusein, wenn du es probierst. Und es würde mich nicht wundern, wenn einer von ihnen dir gründlich eine verpaßt. Wenn es etwas gibt, was die Fins überhaupt nicht respektieren, dann ist es ein Mensch, der sich als Patron gebärdet, ohne das Recht dafür erworben zu haben.« »Aber die Protokolle...« hatte Toshio protestiert. »Die Protokolle kannst du dir sonstwohin schieben! Das sind Vorschriften, die aufgestellt wurden, damit Menschen und Schimps und Fins sich richtig benehmen, wenn Galactics in der Nähe sind. Wenn die Streaker von einer Soro-Patrouille gestoppt wird oder wenn wir einen PilaBibliothekar nach irgendwelchen Daten fragen müssen, dann könnte es sein, daß Dr. Metz oder Mr. Orley – oder vielleicht sogar du oder ich – so tun müßte, als führten wir das Kommando... denn keiner von diesen aufgeblasenen ETs würde sich auch nur eine Minute lang mit einer Rasse abgeben, die so jung ist wie die Fins. Aber ansonsten empfangen wir unsere Anweisungen von Captain Creideiki.
    Verdammt, das wäre schlimm genug – sich von einem Soro runterputzen zu lassen und dabei noch so zu tun, als hätte man’s gern, bloß weil der verfluchte ET so freundlich ist, zuzugeben, daß zumindest Menschen eine Stufe über den Obstfliegen stehen. Kannst du dir vorstellen, wie schwierig es wäre, wenn wir dieses Schiff tatsächlich steuern müßten? Was wäre denn, wenn wir versucht hätten, die Delphine zu einer lieben, wohlerzogenen, sklavischen Klientenrasse zu machen? Würde dir das gefallen?«
    Damals hatte Toshio heftig den Kopf geschüttelt. Die Vorstellung, mit den Fins umzuspringen, wie man in der Galaxis gemeinhin mit Klienten umzuspringen pflegte, war scheußlich. Akki, sein bester Freund, war ein Fin.
    Trotzdem gab es Augenblicke wie diesen, in denen Toshio sich wünschte, es gäbe einen Ausgleich für die Tatsache, daß er der einzige menschliche Junge in einem Raumschiff war, dessen Besatzung größenteils aus erwachsenen Delphinen bestand. In einem Raumschiff, das im Augenblick nirgendwo hinflog, erinnerte Toshio sich. Der akute Ärger über Keepirus Sticheleien wich der tieferen, hohlen Sorge, er könne womöglich nie wieder von dieser Wasserwelt Kithrup entrinnen und sein Zuhause wiedersehen.

    Fahre langsam – Schlittenknabe
    Erkundungsgruppe – sammelt sich hier
    Hikahi kommt – wir erwarten sie hier
    Toshio sah auf. Brookida, der alte Delphin-Metallurg, war von links herangeschwommen. Toshio pfiff eine Antwort auf Trinär.

    Hikahi kommt – mein Schlitten hält an
    Er drosselte das Schlittentriebwerk.
    Auf seinem Sonarschirm sah Toshio winzige Echos, die von vorn und von beiden Seiten konvergierten. Die Scouts kehrten zurück. Er blickte auf und sah, wie Hist-t und Keepiru an der Oberfläche spielten.
    Brookida redete auf Anglisch weiter. Er sprach zwar schrill und ein wenig stotternd, aber sein Anglisch war besser als Toshios Trinär. Schließlich hatte man die Delphine ja in generationenlangen gentechnischen Verfahren so modifiziert, daß sie sich den Menschen anpaßten, nicht umgekehrt.
    »Du hast keine Sp-puren der benötigten Substanzen gefunden, Toshio?« erkundigte sich Brookida.
    Toshio warf einen Blick auf das Molekularsieb. »Nein, Sir. Gar nichts bisher. Angesichts des vielen Metalls in der Planetenkruste ist

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