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Sternenfaust - 043 - Verschwörung auf Kridania

Sternenfaust - 043 - Verschwörung auf Kridania

Titel: Sternenfaust - 043 - Verschwörung auf Kridania
Autoren: Luc Bahl
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Alles war rasend schnell gegangen. Der Angreifer hatte sich längst wieder von der Wand abgestoßen und entfernte sich jetzt genauso rasch, wie er gekommen war. Hilflos an die Mauer geheftet, musste er mit ansehen, wie die Gestalt ins Dunkel zwischen den hohen Bäumen eintauchte. Er hörte nur noch das gedämpfte Geräusch, als sie auf dem laubbedeckten Boden landete. Mit einem kurzen Ruck löste sich das Tau. Ein dumpfer, metallischer Aufschlag und unmittelbar danach pflügte der Stahlhaken durch die vertrockneten Blätter, die die Erde bedeckten. Die rasch leiser werdenden Schritte nahm er schon gar nicht mehr wahr, da der Schmerz drohte, ihm das Bewusstsein zu rauben.
     
    *
     
    »Freuen Sie sich denn gar nicht, Sun-Tarin?«, fragte Dana Frost und versuchte den unbestimmt ins Leere gleitenden Blick des kridanischen Austauschsoffiziers auf der STERNENFAUST einzufangen. Es gelang ihr nicht.
    »Gerade wenn man hier nur zu Gast ist, sollte man Fragen des Captains nicht einfach ignorieren«, knurrte Robert Mutawesi so laut, dass er auf der ganzen Brücke zu hören war. Aber Sun-Tarin ließ nicht erkennen, dass er die Zurechtweisung des Waffenoffiziers registriert hatte. »Das traut sich noch nicht einmal jemand von uns!«, fuhr Mutawesi polternd fort. »Was ist das nur für ein Benehmen?«
    »Lassen Sie ihn, Lieutenant Commander«, sagte Dana beschwichtigend.
    »Mit Verlaub, warum, Captain …«
    Dana lachte kurz. »Sie sehen in Ihren Freistunden zu viele Mantel- und Degen-Filme, Mutawesi«, erwiderte sie, »Sie sprechen schon wieder wie ein Musketier.«
    »Was ist ein Musketier?«, fragte der Kridan mit seinem immer noch ungewohnten Akzent.
    »Ein Musketier …«, sagte Dana gedehnt, als müsse sie sich eine griffige Erklärung überlegen. »Warum sollte ich Ihre Frage beantworten, Sun-Tarin, wenn Sie mir auf meine auch keine Antwort gönnen?«
    »Weil meine Frage lediglich einem faktischen Verständnis dient, während Ihre sich mit etwas beschäftigt, das meine ureigenste Privatsache ist …«
    »Privatsache?« Dana klang irritiert. »Ich wollte doch nur wissen, ob Sie sich freuen …« Sie wurde bei den letzten Worten ihrer Erwiderung schrittweise leiser. »Tut mir leid«, fuhr sie lauter fort, »ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Natürlich weiß niemand von uns, wie nahe Sie dem Verkünder standen … Es war ungeschickt von mir, so was zu fragen.«
    Der Kridan scharrte kurz mit dem linken Fuß, was einem Achselzucken entsprach. »Der Tod des Verkünders ist mir, um es unmissverständlich zu sagen, ziemlich egal. Dass er ein Staatsbegräbnis erhält, ist Sache unserer derzeitigen Regierung. Es steht mir nicht zu, solche Entscheidungen zu kommentieren … Und was Ihre Frage anbelangt: Als Krieger würde ich mich immer dann freuen, in meine Heimat zurückzukehren, wenn eine Schlacht siegreich geschlagen und ein Feind vernichtet wurde!«
    »Sie betrachten uns immer noch als Feinde!«, stellte Mutawesi fest. Er war Anhänger von Pro Humanity und machte keinen Hehl daraus, dass ihm die Anwesenheit eines Nichtmenschen an Bord des Sondereinsatzkreuzers STERNENFAUST nicht passte.
    »Sie irren sich«, sagte Sun-Tarin an Mutawesi gewandt. Dem Kridan war immer noch keine Regung anzusehen. »Wir sind keine Feinde mehr, sonst wäre ich nicht hier …«
    »Aber es steht Ihnen nicht zu, diese Tatsache zu kommentieren …«, knurrte Mutawesi.
    »So ist es«, erwiderte der Verbindungsoffizier. Die Hautfältchen in den Schnabelwinkeln zuckten leicht.
    Er amüsiert sich über dieses Geplänkel , schoss es Dana durch den Kopf. Er sieht solche Reibereien als eine Art sportliche Herausforderung …
    »Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet, Captain … Was ist ein Musketier?«
    »Richtig«, erwiderte Dana und ein flüchtiges Grinsen huschte über ihr Gesicht. »Ich sehe gerade, dass die Schicht von Lieutenant Commander Mutawesi in zwanzig Minuten zu Ende ist. Er wird es Ihnen dann gerne erklären …« Sie sah den Waffenoffizier durchdringend an. »Zeigen Sie unserem Gast einen von Ihren Filmen. Ich bin mir sicher, das ist besser als tausend Worte grauer Theorie …«
    »Aye, Ma’am«, schnappte Mutawesi und fixierte den Kridan mit einem nachdenklichen Blick. »Es wird mir ein Vergnügen sein.« Jetzt verzogen sich auch seine Mundwinkel um den Bruchteil eines Millimeters nach oben.
    Kurz nachdem die beiden Offiziere gemeinsam die Brücke verlassen hatten, öffnete sich erneut das Schott und Botschafter Maunga kam herein. Er

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