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Starcraft II - Flashpoint (German Edition)

Starcraft II - Flashpoint (German Edition)

Titel: Starcraft II - Flashpoint (German Edition)
Autoren: Christie Golden
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1. KAPITEL
    2504
    „Wir müssen alle unsere Entscheidungen treffen.“
    Das waren die letzten Worte, die Tychus Findlay – Krimineller, Ex-Marine und Verräter – jemals von seinem alten Freund James Raynor hören sollte.
    Tychus hatte seine Entscheidung zuerst getroffen – nämlich die, Jims Vertrauen und Freundschaft zu hintergehen, indem er versuchte, Sarah Kerrigan, die einstige Königin der Klingen, umzubringen, die jetzt bebend und verletzlich in einer rot-schwarzen Höhle unter der Oberfläche des Planeten Char lag.
    Jim hatte sich entschieden, ihn das nicht tun zu lassen.
    „Ich habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, Jimmy.“
    Und wegen dieses Paktes lag Sarah schlaff und zitternd, aber lebend da, und Tychus Findlay lag da und wurde steif in seiner Rüstung, die ihm erst zum Kerker und dann zum metallenen Sarg geworden war.
    Jim senkte seine Pistole. Noch immer stieg Rauch aus der Mündung auf und vermengte sich mit dem Dampf, der sich wogend um seine Füße wand. Die Kugel, die für Arcturus Mengsk bestimmt gewesen war, den Mann, den er mehr hasste als jeden anderen, hatte stattdessen das Leben des Mannes beendet, den Jim einst für seinen besten Freund gehalten hatte.
    Was habe ich getan?
    Jim kämpfte die Flutwelle von Gefühlen nieder, die ihn zu überwältigen drohte. Jetzt war keine Zeit, sich darüber zu freuen, dass das Artefakt, das Kerrigan retten sollte, funktioniert hatte, und auch nicht dafür, sich über sein mangelndes Urteilsvermögen Tychus betreffend zu ärgern oder zu trauern um diesen riesenhaften Mann, der mit seiner grollenden Stimme nie mehr Witze reißen oder Drohungen ausstoßen würde.
    Sie mussten raus aus dieser düsteren, höllenhaften Höhle und runter von dieser Welt, und zwar schleunigst.
    Mit Sarah Kerrigan.
    Seine Männer traten vor, als er, ihr Kommandant, seine Waffe wegsteckte. Sie wollten Tychus’ Leichnam mitnehmen. Jim blaffte scharf: „Lasst ihn hier!“
    „Sir?“, fragte Cam Fraser verdutzt. „Wir lassen niemanden zurück.“
    „ Ihn lassen wir zurück. Ich riskiere euer Leben nicht für die Leiche eines Verräters“, knurrte Jim. Das war ein stichhaltiges Argument. Aber noch während er die Worte aussprach, wusste Jim, dass dies nicht der einzige Grund für seine Entscheidung war.
    Er wollte Tychus zurücklassen. Findlay hatte eine Abmachung mit Arcturus Mengsk getroffen. Er hätte Kerrigans Leben gegen seine Freiheit eingetauscht. Nun war Sarah Kerrigan am Leben, und Tychus würde in seiner Rüstung verwesen. Das war auf eine brutale Weise gerecht, von der Jim fürchtete, dass sie seine Seele peinigen würde, wenn er zu viel darüber nachdachte. Vielleicht war es eine Gnade, dass zum Nachdenken keine Zeit blieb.
    Sie waren nach Char, auf die Stützpunktwelt der Zerg, gekommen, um etwas zu tun, das zweifellos blanker Wahnsinn zu sein schien: Sie wollten aus der Königin der Klingen wieder einen Menschen machen. Sie hatten sie tief im Innern des vulkanischen, aschigen Planeten gefunden. Sie schien die Fähigkeiten und die Erscheinung, die ihr die Zerg verliehen hatten, völlig abgestreift zu haben. Die knochigen Flügel und die Schuppenhaut, die einst ihren straffen Körper bedeckt hatte, waren verschwunden. Nur ihr Haar war noch …
    Es sah aus, als hätte es geklappt. Und dass es so aussah, genügte Raynor. Im Moment jedenfalls.
    „Wir brauchen einen Landefrachter, Matt“, gab Raynor über Funk Bescheid.
    Matt Horner, Captain des Schweren Kreuzers Hyperion , klang verblüfft. „Es … es hat geklappt? Dieses Ding, nach dem Valerian uns suchen ließ … das hat wirklich funktioniert?”
    Raynor ging in die Knie, schob seine Arme so sanft, wie es ihm in der riesigen Metallrüstung möglich war, unter Sarah und hob sie hoch. Sie wimmerte, einmal nur, doch es brach ihm das Herz.
    „Sieht so aus“, sagte er. Sein Blick wurde wieder von dem angezogen, was Sarahs Kopf krönte, aber Matt gegenüber behielt er seine Besorgnis für sich.
    Die langen, seidigen roten Haare, durch die Raynor früher seine Hände hatte gleiten lassen, gab es nach wie vor nur in seiner Erinnerung. Dieser Teil der Königin der Klingen hatte sich nicht verändert – anstatt mit weichem Haar war ihr Kopf nun mit Gebilden bedeckt, die aussahen wie eine schreckliche Kreuzung aus Tentakeln, gegliederten Insektenbeinen und Federkielen. Vielleicht war es nur ein rudimentäres Überbleibsel, das zurückgeblieben war, nachdem das Artefakt seine Zauberwirkung getan hatte, ähnlich

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