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Star Trek - New Frontier 03 - Märtyrer

Star Trek - New Frontier 03 - Märtyrer

Titel: Star Trek - New Frontier 03 - Märtyrer
Autoren: Peter David
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Ontear spürte genau, woher der Wind wehte.
    Trotzdem schien ihm alles und gar nichts klar zu sein, als er auf Zondars Horizont blickte. Der Rauch, der über der fernen Stadt hing, trieb nach Norden. Das war nicht gerade seine Lieblingsrichtung, da dadurch der Gestank der Leichengruben herüberwehte.
    Er fragte sich, wie viele Tote es während des blutigen Bürgerkrieges auf seinem Planeten bereits gegeben hatte. Eine Million? Zwei? Er hatte längst die Übersicht über die Zahlen verloren. Sogar sein Interesse daran war letztendlich geschwunden, worin eine gewisse Ironie lag, wenn man bedachte, dass der Krieg in seinem Namen geführt wurde.
    Ontear fühlte sich alt … viel älter als je zuvor. Er hatte am Eingang seiner Höhle gesessen, doch nun erhob er sich und streckte die steif gewordenen Beine. Auf seinem Kopf wuchsen keine Haare – sein ganzer Körper war völlig unbehaart, wie es für sein Volk typisch war. Seine Haut wirkte ledrig und glänzend, was den Eindruck erweckte, als wäre die Haut der Zondarianer ständig feucht oder fettig. Seine Augen standen weit auseinander, und wenn er blinzelte, tat er es mit Augenlidern, die durchsichtig waren und jedes Mal ein leises Klicken verursachten. Seine Nasenflügel blähten sich, als der Gestank der Gruben an ihm vorbeiwehte. Er fragte sich, wie viele der Leichen, die dort verbrannten, Personen gewesen waren, die er kannte. Personen, die er nach ihrer Geburt gesegnet oder die er vermählt hatte. Wie viele von ihnen hatten ihn um Rat gefragt, hatten sich von der Weisheit des Propheten Ontear führen lassen? Ontear, der Prophet, der einegroße und ruhmreiche Zukunft für Zondar vorhergesehen hatte. Ontear, der alles sah, was kommen würde. Ontear, der sich des Gefühls nicht erwehren konnte, dass er ganz allein die Verantwortung für das Chaos trug, das um ihn herum ausgebrochen war.
    Schon seit Langem war er davon überzeugt, in engem Kontakt zu den Göttern zu stehen. Doch an diesem speziellen Tag glaubte er, dass die Götter direkt zu ihm sprechen würden, und zwar mit einem Donnerschlag. Ontear glaubte, dass heute der Tag war, an dem die Götter über ihn richten würden.
    Von unten hörte er scharrende Geräusche – Murren, Meinungsverschiedenheiten und Worte der Unentschlossenheit. Seine Jünger kamen zu ihm. Sie machten kein Geheimnis aus ihrer Anwesenheit, und was immer sie im Sinn haben mochten, war zweifellos mit einer gewissen Lautstärke verbunden. Für Ontear war es kein Anlass zu besonderer Besorgnis, denn im Grunde gab es kaum etwas, womit seine Jünger ihn wirklich überraschen konnten. Schließlich war es genau dieser Umstand, der aus einer gewöhnlichen Person einen Propheten machte.
    Sie waren zu dritt und wirkten erschöpft und zerzaust, als sie sich Ontear näherten. Es war keineswegs ein einfacher Aufstieg, da sich Ontears Höhle nahe dem Gipfel eines kleineren Berges befand. Es gab begehbare Pfade, die zum Plateau hinaufführten, wo sich Ontear derzeit aufhielt, aber sie erforderten dennoch eine gute Kondition. Mehrere Abschnitte des Weges bestanden aus dicken Geröllschichten, und wer Ontear besuchen wollte, musste stets damit rechnen, dass der Boden ins Rutschen geriet und man einige Meter nach unten gerissen wurde, bevor man wieder festen Halt fand, um sich erneut den steilen Weg hinaufzukämpfen.
    Angesichts dieses schwierigen Aufstiegs konnte sich niemand so recht erklären, wie es Ontear gelang, hier oben zu überleben. Auf dem Berg gab es kaum etwas Essbares, bestenfalls Wasser aus einer versteckten Quelle (obwohl auch dieser Punkt keineswegs gewiss war). Vielleicht verfügte Ontear über geheime Vorräte. Oder er hatteunbekannte Helfer. Manche spekulierten sogar, dass er in Wirklichkeit tot und lediglich eine sehr lebendige Leiche war.
    Als die drei immer näher kamen, erkannte Ontear den ersten als Suti-Lon-sondon, einen seiner ältesten und ergebensten Schüler. Er erinnerte sich noch gut daran, wie Suti zum ersten Mal zu ihm gekommen war, verwirrt, verzagt und verängstigt von der Aufgabe, die ihm auferlegt worden war: sich dem Propheten zu nähern und zu seinen Füßen zu sitzen, um zu lernen. Seit diesem Tag schien eine Ewigkeit vergangen zu sein.
    Es war nicht besonders schwierig gewesen, Suti von seinen Qualitäten als Prophet zu überzeugen – im Grunde nicht schwieriger als bei jedem anderen. Andere Propheten, falsche Propheten (von denen sich die Ehrgeizigeren bemühten, ihre Andeutungen in Reime zu fassen, als würde

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