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Spiel unter Freunden

Spiel unter Freunden

Titel: Spiel unter Freunden
Autoren: PJ Tracy
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die Leichen, wählte
911, Ende der Geschichte.»
    «Nachbarn?»
    «Arbeiten wir
dran.»
    «Und was
hältst du von der Sache?» Es war keine müßige
Frage. Bonar mochte vielleicht aussehen und reden und sich benehmen
wie ein beliebiger Bauernbursche aus Wisconsin, aber sein Kopf
beherbergte ein paar beängstigende Sensoren. Er brauchte nur
einen kurzen Blick auf den Tatort zu werfen und konnte Details
wahrnehmen, die kein Kriminaltechniker der State Police mit all
seinen Hightech-Apparaten jemals herausfinden
würde.
    Halloran und Bonar
hatten gleich nach dem Abschluss der Polizeiakademie einen
einjährigen Einsatz in Milwaukee absolviert, bevor sie eilig
nach Hause zurückgekehrt waren, um in die Uniform der County
Police zu schlüpfen. Sie hatten in jener Stadt zu viel
gesehen, was sie noch immer zu vergessen suchten, aber sie hatten
auch eine ganze Menge gelernt.
    Bonar saugte eine Zeit
lang an der Innenseite seiner Wange, und seine dichten Augenbrauen
bewegten sich wie zwei Raupen. «Eigentlich sieht es aus wie
ein Auftragsmord, aber das ergibt ungefähr genauso viel Sinn
wie die These, dass es der Padre war. Ich weiß nicht. Mein
Bauch sagt mir, es war ein Irrer, aber dafür sieht es wiederum
zu sauber aus.» Er stieß die schwere Holztür auf.
      
    Lebenslange
Konditionierung sorgte dafür, dass Hallorans Hand zuckte, als
er an dem Weihwasserbecken vorüberging, aber es war nur noch
ein leichtes Zucken, eine letzte Erinnerung, die immer mehr
verblich.
    Father Newberry
saß auf einer der hinteren Bänke, bewegungslos, winzig,
alt. Halloran berührte seine Schulter, als er den Gang
hinaufging, und spürte als Antwort den sanften Druck trockener
Fingerspitzen auf seiner Hand.
    Zwei Deputies spannten
gelbes Band von Kirchenbank zu Kirchenbank, was wie eine gruselige
Parodie des weißen Seidenbandes wirkte, das bei Hochzeiten
gespannt wird. Die anderen Polizisten krochen auf allen vieren, um
mit Taschenlampen den Fußboden abzusuchen.
    Doc Hanson kauerte
seitlich in dem schmalen Spalt zwischen den Kleinfeldts und der
Bank vor ihnen. Seine Augen und Hände waren ganz mit den Toten
beschäftigt, die Lebenden kümmerten ihn nicht. Niemand
sprach. In der Kirche war es absolut still.
    Halloran umkreiste
langsam den Schauplatz des Verbrechens, ließ den Eindruck auf
sich wirken. Irgendetwas war falsch; irgendetwas stimmte nicht an
den Leichen. Die Antwort schwirrte am Rand seines Bewusstseins, nur
ein wenig außerhalb seiner Reichweite.
    «Anhand der
Leichenstarre ­ mehr oder weniger vier Stunden», sagte
Doc Hanson, ungefragt und ohne aufzusehen.
    «Ich werde die
Temperatur messen, sobald ich so weit bin, dass ich sie bewegen
kann. Harris, gib mir einen von deinen Beuteln, ich hab hier ein
Haar.» Weit weg , dachte Halloran und räumte
das Feld, ging den Kirchengang zurück in Richtung Father
Newberry. Wer immer das hier getan hatte, konnte inzwischen in New
York sein, aber auch in Kalifornien … oder direkt
nebenan.
    «Also, sie
wurden von allen gehasst?»
    «Das hab ich
nicht gesagt, Mikey.»
    «Father, seien
Sie mir nicht böse, aber würden Sie mich bitte nicht
Mikey nennen, wenn ich im Dienst bin.»
    «Tut mir Leid,
ist mir so rausgerutscht.» Father Newberry lächelte den
einzigen Mann auf dieser Welt an, von dem er wahrhaftig und ohne
Vorbehalte sagen konnte, dass er ihn auf höchst menschliche
Weise wie einen Sohn liebte. Michael Vincent Halloran war
breitschultrig und groß und wirkte beeindruckend mit der
Waffe an der Hüfte und dem Sheriffstern auf der Brust, aber
der Pfarrer sah immer noch Mikey, den Ministranten, vor sich,
dunkel und gefühlsbetont in diesem Land der Blonden und
Banalen, den Jungen, der ihm in jenen Jahren vor der Pubertät
gefolgt war, als sein Amt noch eine geradezu magnetische
Anziehungskraft ausgeübt hatte.
    «Okay, wer waren
dann ihre Freunde?» Der Pfarrer seufzte. «Sie hatten
keine Freunde.»
    «Sie sind nicht
sehr hilfreich, Father.»
    «Nein,
vermutlich nicht.» Father Newberry betrachtete stirnrunzelnd
das gelbe Plastikband um die Kirchenbänke vor ihm, in deren
Zentrum sich John und Mary Kleinfeldt befanden. Doc Hanson kramte
inzwischen in seinem Beutel, stieß dabei gegen John
Kleinfeldts Leiche und packte sie an der Schulter, als sie
umzukippen drohte. Father Newberry schloss die Augen.
    Halloran versuchte es
nochmal. «Sie sagten, die beiden versuchten, mehrere
Mitglieder aus der Kirchengemeinde ausschließen zu lassen,
weil sie meinten, es wären Homosexuelle. Ich

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