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Spiel mit dem Tod

Spiel mit dem Tod

Titel: Spiel mit dem Tod
Autoren: E Spindler
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verwickelt worden war. Das war es, was seinem beruflichen Aufstieg im Weg stand, was es allen leicht gemacht hatte, sich den Anschuldigungen anzuschließen, was ihn fast seine Polizeilaufbahn gekostet hätte.
    Er versuchte sich zu konzentrieren. Der Fall hier war seiner. Er leitete die Untersuchung. Das würde er nicht in den Sand setzen. Spencer stieg in dem Moment aus, als Detective Tony Sciame vor dem Haus hielt. Bei der Polizei von New Orleans hatten die Beamten keine festen Partner, mit denen sie arbeiteten. Wenn ein Fall hereinkam, übernahm ihn derjenige, der gerade als Nächster an der Reihe war. Dieser Beamte wählte dann einen Kollegen als Assistenten, und die Kriterien für die Wahl waren Verfügbarkeit, Erfahrung und Freundschaft.
    Die meisten suchten sich jemanden, der ihnen sympathisch war, mit denen sie eine Art symbiotischer „Partnerschaft“ bildeten. Aus mehreren Gründen funktionierten er und Tony gut zusammen, ergänzten sich in ihren Stärken und Schwächen.
    Wobei Spencer eine ganze Menge mehr Schwächen hatte als Tony.
    Als Veteran mit fünfunddreißig Jahren Polizeidienst, davon fünfundzwanzig bei der Mordkommission, war Tony ein alter Hase. Glücklich verheiratet seit zweiunddreißig Jahren – für jedes Jahr ein Pfund Übergewicht – mit vier Kindern, einer Hypothek und einem Schmuddelhund namens Frodo.
    „Hallo Hübscher“, begrüßte ihn Tony.
    „Hallo Spaghettimann.“
    Spencer machte sich gern über Tonys Vorliebe für Pasta lustig; sein Partner revanchierte sich dafür, indem er ihn Hübscher, Junior oder Schnellschuss nannte. Auch wenn Spencer, mit seinen einunddreißig schon neun Jahre bei der Polizei, weder ein Neuling noch ein grüner Junge war, so zählte er bei der Mordkommission doch zu den Anfängern. Den Rang eines Detectives besaß er auch noch nicht sehr lange, was ihn im Kreis der Polizeidienststelle von New Orleans, der NOPD, zur Zielscheibe des Spotts machte.
    Tony lachte und tätschelte sich den Bauch. „Du bist ja nur neidisch.“
    „Wenn du meinst.“ Spencer deutete auf den Polizeitransporter. „Der Spurendienst ist vor uns angekommen.“
    „Blöde Streber.“ Tony blinzelte in den sternenlosen Himmel. „Ich werde zu alt für diesen Scheiß. Der Anruf kam gerade, als Betty und ich unsere Jüngste zusammenstauchten, weil sie zu spät nach Hause gekommen ist.“
    „Arme Carly.“
    „Von wegen. Dieses Mädchen ist eine echte Plage. Vier Kinder, und das letzte ein Satansbraten. Siehst du das hier?“ Er zeigte auf seine Halbglatze. „Dazu haben alle beigetragen, aber Carly … Wart’s nur ab, du wirst schon sehen.“
    Spencer lachte. „Ich bin mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Mir brauchst du nicht zu erzählen, wie die Kinder sind. Deshalb hab ich keine.“
    „Übrigens, wie heißt sie?“
    „Wer?“
    „Dein Date von heute Abend.“
    Um genau zu sein war er mit seinen Brüdern Percy und Patrick unterwegs gewesen. Sie hatten sich ein paar Biere und einen Burger in Shannon’s Tavern genehmigt. Seine größte Leistung war gewesen, die Achterkugel in das Eckloch zu versenken und damit Patrick, den Billardhelden der Familie, zu schlagen.
    Aber das interessierte Tony nicht. „Ich rede nicht über meine Eroberungen, Partner.“
    Sie kamen bei Connelly an. Spencer fing seinen Blick auf, und schon lief bei ihm wieder der ganze Film ab … Damals hatte er im fünften Bezirk gearbeitet und war für die Kasse mit dem Geld für Informanten verantwortlich gewesen. Fünfzehnhundert Dollar waren heutzutage nicht so viel. Aber genug, um zur Schnecke gemacht zu werden, wenn sie fehlten. Deswegen war er vom Dienst suspendiert und dann vor Gericht gestellt worden. Die Anklage wurde fallen gelassen, sein Name reingewaschen. Es stellte sich heraus, dass Lieutenant Moran, sein direkter Vorgesetzter, ihm die Geschichte hatte anhängen wollen. Hätte seine Familie nicht fest an seine Unschuld geglaubt, wäre der Mistkerl womöglich damit durchgekommen. Wenn Spencer für schuldig erklärt worden wäre, dann hätte man ihn nicht nur aus dem Polizeidienst entlassen, sondern ihn sogar ins Gefängnis gesteckt.
    So oder so hatte es ihn anderthalb Jahre seines Lebens gekostet.
    Wenn er daran dachte, wurde er immer noch fuchs teufelswild. Die Erinnerung daran, wie viele seiner Kumpel aus dem fünften Bezirk sich gegen ihn gestellt hatten – wie diese Schlange Connelly – machte ihn wütend. Bis zu diesem Zeitpunkt war die NOPD für ihn wie eine große Familie gewesen, seine

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