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Songkran

Songkran

Titel: Songkran
Autoren: Erik Matti
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Erwerb für die Nacht zu besteigen.
    Es erfüllte ihn mit Genugtuung und Stolz, dass er den Preis für einen longtime von 3000 Baht auf 2000 Baht herunter handeln konnte. 2000 Baht entsprachen 40 Euro und waren seine finanzielle Obergrenze für eine Nacht, die sein volles und individuelles Programm beinhaltete.
    Manfred fasste in seine Hosentasche und ertastete das Päckchen mit den Viagratabletten, die er rezeptfrei in einer Bangkoker Apotheke  erstanden hatte. In den folgenden Stunden wollte er kein Risiko eingehen und nicht vorzeitig, nach der obligatorischen Blowjob-Eröffnung , schlapp machen.
    Was die 2000 Baht anbelangte, ging es ihm nicht ums Geld sondern ums Prinzip. Keine Thailänderin war mehr als 2000 Baht wert. Seine deutschen Kumpels aus Naklua, einem Stadtteil von Pattaya, bestätigten ihn in seiner Haltung. Das Preisniveau in Bangkok war höher als das in der Sexhochburg im Golf von Siam. Als erfahrener Sextourist wusste er das natürlich, wobei er sich eher als Landeskenner wahrnahm. Er wusste wie die Thais tickten und speziell deren Frauen. Seine Kenntnisse der thailändischen Sprache beschränkten sich auf ein geringes Vulgärvokabular, das ihm die Aufmerksamkeit der Barmädchen sicher stellte. Auf sein mai mi ban ha mi dan ha , was frei übersetzt bedeutet: kein Problem , ich kann immer , war Manfred besonders stolz. Die Pension als Oberstudienrat floss pünktlich und seit dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst überlegte er ernsthaft, sich als Pensionär am Golf von Siam nieder zu lassen.
    Leicht durchnässt überquerten die beiden die Soi 4, an deren Bordsteinrand Regenwasser überschwappte. Besitzergreifend packte die junge Frau die Hand des Deutschen. Zielgerichtet führte sie ihn über den Hof des Nana-Hotels in Richtung Eingang. Manfred schaute nach links zur Fensterscheibe des Restaurants. Die Prostituierten waren verschwunden, die dort gewöhnlich in einer Reihe standen und Ausschau hielten. Gern hätte er der kleinen Molligen zugezwinkert, die ihn letzte Nacht scharf gemacht hatte. Ihr hautenges, schwarzes Kostüm mit dem tiefen Ausschnitt schwebte vor seinen Augen. Ihretwegen hatte er seine Must-Fuck-Liste erweitert. Aber wie so oft bei seinen nächtlichen Streifzügen, war er zuvor mit einer anderen Nutte handelseinig geworden.
    Hätte er für einen kurzen Moment dem Ziehen seiner Partnerin widerstanden und nach rechts gesehen, wäre ihm eine hektische Betriebsamkeit zwischen den geparkten Autos aufgefallen. Ein halbes Dutzend Polizeibeamte und Männer in Zivilkleidung bildeten eine Traube vor dem geöffneten Kofferraum eines Toyotas. Vielleicht wäre Manfred in der Lage gewesen, den Einsatz der Polizisten auf dem Parkplatz mit den verschwundenen Prostituierten in Verbindung zu bringen. Vielleicht hätte er den Nieselregen ignoriert, sich der Gruppe von Männern genähert, ihnen kumpelhaft auf die Schulter geklopft. In dieser Nacht fühlte er seine Unbesiegbarkeit.
     
    Dagegen spürte Inspektor Gun seine menschliche Fehlbarkeit, während er fieberhaft die roten Leuchtdioden der digitalen Zeitanzeige anstarrte. Die Ziffern kamen nicht zur Ruhe. Dreiundvierzig Minuten blieben, um die Bombenladung unschädlich zu machen.
    Superintendent Chaiyon, sein direkter Vorgesetzter, hatte beim zuständigen Sprengkommando um Unterstützung angefragt. Der verantwortliche Polizeimajor erklärte, dass sein Spezialteam es vielleicht nicht pünktlich schaffen wird in die Nana Plaza. Als Entschuldigung erwähnte er den chronischen Personalmangel in seiner Dienststelle und die Verkehrsbelastung Bangkoks an neuralgischen Kreuzungspunkten. Dann legten beide Seiten die Telefonhörer auf. Inspektor Guns Handy klingelte.
    „Wie sieht´s aus, Gun?“, hechelte der Superintendent in die Ohrmuschel. Gun befürchtete, dass sein Boss die Nerven verlor.
    „Leider hat der Regen aufgehört“, antwortete Gun und schaute zur Straße hinüber. „Jetzt sind viel mehr Leute da. Wir haben schon Zuschauer, Sir. Soll ich den Parkplatz komplett räumen lassen? Was ist mit den Bars? Die vielen Menschen?“
    „Schaffen Sie die Nutten weg vom Parkplatz! Aber so, dass es kein Aufsehen gibt.“
    „Schon erledigt, Sir. Was ist mit den Hotelgästen?“
    „Lassen Sie die ganz normal rein.“
    „Und die Bars?“
    „Nicht räumen! Ist das klar! Thanee war da ganz eindeutig. Sie kennen ihn ja. Wir müssen die Sache vom Tisch kriegen, ohne dass jemand was mitkriegt.“
    „Und wenn die Sprengstoffexperten zu spät kommen. Was dann,

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