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Songkran

Songkran

Titel: Songkran
Autoren: Erik Matti
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hübschen Bedienung, die vor den Tischen der Gäste entlang schlenderte und die Aschenbecher ausleerte. Hiroshi ordnete sie dem weiblichen Geschlecht zu, aber er war sich seiner Einschätzung nicht sicher. In Ladyboybars gehörten Fehleinschätzungen dieser Art zum Alltagsgeschäft.
    Hiroshis Aufmerksamkeit wurde auf den Eingangsbereich gelenkt. Lauthals verließen zwei angetrunkene Kanadier die Bar und taumelten auf den Gang der Galerie, die die Gogo-Bars der zweiten Etage miteinander verbindet. Sie stießen dort mit einem älteren, kahlköpfigen Europäer zusammen.
    „No problem“, erwiderte der Mann in starkem deutschen Akzent. Sein Name war Manfred und in seinem Schlepptau tippelte eine bildschöne Thailänderin, die auf rosafarbenen Highheels balancierte. Die Frau hing an seinem behaarten Arm, der nach hinten ausgestreckt war. Die helle Baumwolljeans der Zwanzigjährigen war ein Stück nach unten gerutscht und machte ihren rosafarbenen Stringtanga sichtbar. Ihr apfelrundes Gesäß, mit einer exotischen, leicht verblassten Tätowierung über dem Steißbein, erregte die Aufmerksamkeit vorbeigehender Männer.
    Die Blicke auf ihr halb entblößtes Hinterteil interessierten die junge Frau aus dem Isan nicht. Sie hoffte, dass sie für die Nacht ein profitables Geschäft abgeschlossen hatte. Die Vorarbeit in ihrer Gogo-Bar war anstrengend, aber erfolgreich gewesen. Eine Stunde hatte sie dem Gast aus Frankfurt auf dem Schoß gesessen. Immer wieder musste sie zum Tanz an der Chromstange auf die Bühne. Während dieser Tanzeinlagen ließ sie ihren potentiellen Kunden auf dem schwarzen Ledersessel nicht aus den Augen. Jederzeit konnte sie den Deutschen an eine Kollegin verlieren. Die Zeit an der Chromstange bedeutete Verlust von Einfluss und Kontrolle. Jedoch fühlte sich Manfred durch ihre Aufmerksamkeit geschmeichelt und dachte nicht daran, sein Spielzeug zu wechseln. Nachdem sie ihm wiederholt ihre Zunge in den Rachen geschoben hatte, bezahlte er die barfine in Höhe von 500 Baht.
    Dem Blumenmädchen begegneten die beiden an der Rolltreppe. In der vergangenen Stunde hatte sie nur eine Rose an den Freier mit Lady bringen können. Der angetrunkene Deutsche lehnte sich mit den Armen gegen das Geländer der Balustrade und starrte auf das Treiben in den verschiedenen Etagen. Sein glasiger Blick schweifte von der bunten Neonreklame der Lollipop- Bar im Parterre zu der grellen Beleuchtung der Fantasia-Bar im ersten Stock. Seine Thailänderin nutzte die Zeit und wechselte wenige Worte mit dem Blumenmädchen. Beide stammten aus der gleichen Gegend des Isans. Die Frau strich mit einer Hand sanft über die Haare des Kindes. Dann zog Manfred die Zwanzigjährige in Richtung Treppe weg.
    Im Untergeschoss angekommen, löste sich die junge Frau aus Manfreds Haltegriff und schritt anmutig zu dem Geisterhäuschen hinüber. Sie kaufte dort eine Girlande aus rotweißen Orchideenblüten und hängte diese andächtig an eine silberfarbene Stange, die vor dem Hindualtar aufgestellt war. Wenige Sekunden verharrte sie davor in meditativer Ruhe und entrichtete ihren Wai .
    In der Pharao-Bar, die zwei Meter von diesem Gebetsort entfernt lag, saß ein drei Zentner schwerer Amerikaner und beobachtete die betende Thailänderin.
    „I´d like to fuck that bitch. Why should I fuck an old lady? I can fuck an eighteen year old chick or even younger?“, grunzte der Mann aus New York und deutete auf die junge Frau.
    Der Fremde auf dem Barhocker, dem diese Worte galten, war seit einer halben Stunde genervt von dem dummen und überheblichen Geschwätz des Amerikaners. Jedes zweite Wort des dicken New Yorkers schien fuck zu sein. Der Fremde gab seine strategische Aussichtsposition am Tresen der Pharao-Bar auf.
    „Check bill, please!“, rief er zu der Bedienung und hielt den Becher mit den Rechnungen in die Luft. Nachdenklich folgten seine Augen der schönen Thailänderin, die sich von dem Gebetsort abgewendet hatte und auf Manfred zuging. Das Pärchen verschwand im Gedränge der Körper und Regenschirme, bis es auf der belebten Soi 4 wieder auftauchte.
    Der Regen rieselte nur noch auf die Schirme und Planen der Verkaufsstände. Vor dem mobilen Stand der Insektenverkäuferin betrachteten zwei Frauen die Auslage an gerösteten Käfern und Heuschrecken. Zwei Studenten aus Skandinavien suchten Schutz vor dem Niesel unter der Verandaüberdachung der Eckkneipe. Stimmgewaltig bestellten sie zwei Singha-Bier, während es Manfred kaum erwarten konnte, seinen

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