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Songkran

Songkran

Titel: Songkran
Autoren: Erik Matti
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Massageparlours in Bangkok außerhalb des Stadtteils Silom müssen am Freitag in vier Wochen unwiderruflich geschlossen werden.
     
    Erfüllen sie die genannten Forderungen zu unserer Zufriedenheit, werden wir Ihnen ein weiteres Schreiben im Hinblick auf das Monsterbordell Pattaya zukommen lassen.
     
    Unser Zugang zu Sprengstoff ist unbegrenzt. Kommen Sie unseren berechtigten Forderungen nicht nach, werden wir eine Bombe mit größerer Sprengkraft an einem unbekannten Ort zünden. Eine Bombendrohung findet nicht mehr statt. Für die toten Menschen tragen allein Sie die Verantwortung.
    Die Gruppe Phra Si An
     
    Inspektor Gun griff zum Telefon und wählte die Nummer des Superintendent Chaiyon. Sein Blick richtete sich auf das Familienfoto auf seinem Schreibtisch. Eine gutaussehende Ehefrau, sein zehnjähriger Sohn und ein glücklich lachender Gun blickten ihm entgegen. Das Bild war über zehn Jahre alt. Äußerlich hatte er sich kaum verändert. Sein 55 Jahre alter Körper zeigte wenig Spuren des mittleren Mannesalters. Menschen, die ihn nicht kannten, schätzten ihn auf Anfang vierzig. Er rauchte nicht und hatte in seinem ganzen Leben keinen Tropfen Alkohol getrunken; jedenfalls konnte er sich an ein solches Vergehen nicht mehr erinnern.
    „Sir, die Bombenleger haben sich gemeldet.“ Die Bezeichnung Terroristen kam ihm nicht über die Lippen.

Der Dienstweg
     
    Donnerstag
     
    In den Stunden, die der Zustellung des DIN A4 Umschlags folgten, wurde der Dienstweg innerhalb der Königlich-Thailändischen Polizei eingehalten. Polizeiinspektor Gun vom Lumphini Polizeirevier erreichte seinen direkten Vorgesetzten Superintendent Chaiyon in dessen Büro. Auch dieser hatte in der zurückliegenden Nacht kein Auge zugetan. Um Missverständnissen vorzubeugen, hatte Chaiyon Gun gebeten, den genauen Wortlaut der Erpressernachricht zu ihm ins Büro zu faxen.
    Nach dem Chaiyon sich mit dem Inhalt der Forderungen vertraut gemacht hatte, rief er seinen Vorgesetzten an, den Leiter der Metropolitan Police Division 5. Dieser war nur auf seinem Handy zu erreichen, weil er die Vormittagsstunden gewöhnlich nutzte, sein Handycap auf dem Golfplatz des Royal Thai Army Sports Club zu verbessern. Chaiyon konnte seinen Vorgesetzten überzeugen, die Golfübungen zu unterbrechen. Widerwillig fuhr dieser in sein Büro. Dort fand er die gefaxte Abschrift der Erpressernachricht vor. Umgehend setzte er den Polizeichef von Bangkok ins Bild.
    Allmächtig thronte Polizeichef Thanee über dem Polizeiapparat der Hauptstadt. Die intime Kameradschaft mit Suphot, dem amtierenden Polizeipräsidenten, immunisierte ihn gegen Kritik und Anfeindungen innerhalb der Polizeibehörde. Die beiden Staatsbeamten bildeten eine verschworene Gemeinschaft, seit sie im gleichen Jahr die Königlich-Thailändische Polizeiakademie beendet hatten. Der gemeinsame Abschlussjahrgang schweißte sie zusammen und schaffte eine Verbindung zum Premierminister, der im gleichen Jahr die Polizeiakademie verließ. Ihre Berufswege trennten sich, ohne dass der Kontakt einfror. Suphot und Thanee machten Karriere im höheren Dienst der Polizei, während der Premier in die freie Wirtschaft eintauchte, Millarden von Baht schäffelte und später in die Politik ging. Nach Amtsübernahme der Regierungsgeschäfte installierte er Vertrauensleute und Anverwandte in wichtigen Schlüsselfunktionen der Exekutive. Für Neubesetzungen an der Spitze der Polizeibehörde fiel seine erste Wahl auf Suphot und Thanee.
    Von Suphots Chefsekretärin erfuhr Thanee, dass sein Freund nicht im Büro war. Umgehend rief er ihn auf dessen Handy an. Nachdem die beiden die üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht hatten, kam Thanee zur Sache:
    „Suphot, gestern Nacht hatten wir eine Bombendrohung in Nana Plaza. Zum Glück konnten wir das Ding entschärfen. Aber die Terroristen haben heute Morgen eine Forderungsliste geschickt. Du solltest den Premierminister benachrichtigen.“
    So gern Suphot mit seinem alten Vertrauten Thanee plauderte, so unpassend war ihm der Anruf seines Weggefährten gekommen. Als höchster Polizist Thailands war er für Bombenleger und Terroristen zuständig. Jedoch setzte er im Moment andere Prioritäten.
    „Lieber Thanee, das passt mir gar nicht. Ich bin nicht in Bangkok die Tage.
    „So was ähnliches hat deine Sekretärin am Telefon erwähnt.“
    „Richtig! Ich bin in Phuket im Ferienhaus. Aber das darf niemand erfahren. Also Schnauze halten! Meine Frau besucht ihre Schwester in Hongkong

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