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Soljanka (German Edition)

Soljanka (German Edition)

Titel: Soljanka (German Edition)
Autoren: Niklas Frost
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doch jeder Banause, er wäre
Weinkenner, nur weil er mal im Burgund einen Weinkeller von innen gesehen hat.
Die merken gar nicht, dass der Winzer sie verarscht und sie seine
minderwertigste Plörre probieren lässt. Der lacht sich schlapp, wenn er ihnen
dann noch eine ganze Wagenladung von der Pferdepisse zu einem Mondpreis
andrehen kann. Nicht dass das hier billig wäre …« Er machte eine ausladende Armbewegung
zur Flaschenwand hin. »Aber es ist jeden Cent wert. Keine dieser Flaschen hat
weniger als fünfundachtzig Parker-Punkte. Die meisten liegen über neunzig. Wenn
wir gleich noch Zeit haben, zeige ich Ihnen mal meine edelsten Tröpfchen. Aber
jetzt wartet das Geschäft.« Er legte Stamm den Arm um die Schulter und lotste
ihn zum Stehtisch, als ob dieser sonst den Weg nicht gefunden hätte.
    »So, liebe Frau Metzger, meine Herren, bevor wir anfangen, sollten
wir uns über einen Punkt einig werden«, begann Keilmeier. »Ich halte es für
zwingend notwendig, dass unser kleines Gespräch hier absolut vertraulich
bleibt. Kann ich mich darauf verlassen?« Er sah abwechselnd Corinna Metzger und
Stamm an.
    »Solange das, was ich zu hören bekomme, nicht gegen allzu viele
Gesetze verstößt …«, sagte Stamm lächelnd und zündete sich eine Zigarette an.
    Corinna Metzger blieb ernst. »Ich nehme nicht an, dass sich die
Vertraulichkeit auch auf Herrn Kostedde ausdehnt. Ansonsten müsste ich mich
nämlich ausklinken.«
    »Natürlich nicht«, schaltete sich Wanja ein, »ohne unseren
geschätzten Herrn Oberbürgermeister ist an eine Realisierung unseres Projektes
doch nicht zu denken. Wir hätten ihn ja auch gern dabei gehabt, aber er hat
leider wichtigere Termine. Es sei ihm verziehen, er konnte ja nicht ahnen, was
für ein städtebauliches Juwel wir ihm vorschlagen wollen. Aber wir hoffen
natürlich auf deine Fürsprache.«
    Corinna Metzger nickte, und Keilmeier übernahm wieder die
Gesprächsführung. »Im Grunde ist die Sache ganz einfach. Wir verfügen in einer
guten Lage über ein hübsches Grundstück und würden darauf gern ein Häuschen
bauen. Das heißt, Häuschen trifft es nicht ganz, wir denken eher an ein
repräsentatives Gebäude, das der Stadt Düsseldorf bestens zu Gesicht stehen
würde. Herr Professor Waleska hier hat schon ein paar Rohentwürfe erstellt, die
einem alten Bauhasen wie mir das Herz höher schlagen lassen. Die Stadt bekäme
ein architektonisches Highlight, das dem Stadttor und den Gehry-Bauten in
nichts nachstünde. Und Herr Faller brennt darauf, das Projekt zu finanzieren.«
Er zwinkerte dem Banker zu.
    »Nun ja«, sagte Faller und räusperte sich nach einem Zug von seiner
Zigarre, »wir sind interessiert, sofern die Rahmenbedingungen so gestaltet
werden können, wie es im Augenblick den Anschein hat.«
    Weil Keilmeier nicht fortfuhr, sondern Corinna Metzger
erwartungsvoll ansah, sagte sie nach einer kurzen Pause: »Grundsätzlich ist
Herr Kostedde immer an interessanten Bauprojekten interessiert. Das dürfte
Ihnen allen bekannt sein. Es kommt auf die Details an.«
    »Das Ganze läuft unter dem Arbeitstitel ›Handelszentrum‹«, übernahm
Wanja. »Den Begriff ›World Trade Center‹ vermeiden wir aus nachvollziehbaren
Gründen. Andererseits wissen wir, dass Kostedde vor dem 11. September
großes Interesse hatte, Düsseldorf zum WTC -Standort
zu machen. Wir würden diesen Traum gern verwirklichen, müssen aber einen Weg
finden, wie wir ihn sensibel kommunizieren. Dies ist einer der Gründe, warum
ich einen Kommunikationsprofi wie Herrn Stamm zu unserem unverbindlichen
Hintergrundgespräch gebeten habe. Er kann uns sicher ein paar Hinweise geben,
wie wir das Projekt positiv verkaufen können. Bevor wir uns allerdings diesem
Problem widmen, müssen wir natürlich die Realisierung absichern. Herr Keilmeier
hat es schon gesagt, das Grundstück ist da, Investoren stehen bereit, es
bestehen auch schon vielversprechende Kontakte zu einem Kreis potenzieller
Mieter. Was wir aber unbedingt brauchen, ist die Unterstützung der Stadt.«
    »Inwiefern?«, fragte Corinna Metzger.
    »In zweierlei Hinsicht. Zum einen müsste man uns stadtplanerisch
entgegenkommen. Um das Kind beim Namen zu nennen: Das derzeitige Planungsrecht
ermöglicht den Bau nicht, es müsste angepasst werden, was aus unserer Sicht
aber kein Problem darstellen sollte. Wir meinen, dass das Projekt absolut im
Einklang mit den übergeordneten Planungszielen der Stadt steht. Der zweite
Punkt betrifft deinen Bereich. Eine

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