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SMS - Sarah mag Sam

Titel: SMS - Sarah mag Sam
Autoren: Lotte Kinskofer
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habe. Sam ist öfter bei uns und er hatmich noch kein einziges Mal wirklich angesehen. Ich stell mich aber auch nicht dazu, wenn die Jungs im Garten sind oder wenn sie sich in der Küche eine Pizza in den Ofen schieben. Marc macht sich immer über mich lustig, und das ist echt schlimm, wenn man einen Jungen mag und der eigene Bruder stellt einen als dummes kleines Mädchen hin. Das ist mir einmal passiert, ein zweites Mal will ich mir das nicht antun. Also gehe ich weg, wenn Sam kommt.
    Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr wünsche ich mir, Jenny hätte bloß nicht auf mich gewartet.

    Doch es wird noch schlimmer. Jenny kommt vorbei, Marc sitzt vor dem Fernseher und guckt eine DVD. Er grüßt uns nicht einmal. Aber Jenny stellt sich vors Bild, er muss sie einfach wahrnehmen. Marc sagt nichts, er wirft mit einem Kissen, aber Jenny springt zur Seite. Marc richtet sich auf, mustert Jenny verärgert von oben bis unten. Ich finde Jenny in dem Moment ganz schön mutig, ich würde mich nicht mit Marc anlegen, wenn er vor dem Fernseher abhängt.
    »Was machst du da?«, fragt Jenny.
    Eine dumme Frage, weil man ja gut sehen kann, dass Marc fernsieht.
    »Nach was sieht’s denn aus?«, brummt Marc zurück.
    Jenny will sich noch einmal vor das Fernsehgerät stellen, doch da sieht sie, dass sich Marc einen seiner Schuhe greift und so tut, als wolle er damit nach ihr werfen.
    »Toll habt ihr gestern gespielt«, säuselt Jenny.
    Marc grinst. Das Kompliment scheint ihm zu gefallen. Vielleicht sollte ich es in Zukunft auch mal mit ein bisschenEinschleimen versuchen. Scheint ja zu klappen, das macht ihn netter.
    »Leider hab ich mir den Fuß ein bisschen verstaucht«, klagt Marc jetzt.
    »Du Armer!«, sagt Jenny und sieht gespielt betroffen auf Marcs große Füße. Mit einem Tritt könnte er ganze Ameisenkolonien auslöschen.
    Marc ist manchmal wehleidig. Deshalb freut er sich jetzt auch, dass mal jemand Mitleid mit ihm hat. Er deutet auf seinen Knöchel. »Da tut’s weh. Ich kann kaum gehen.«
    Jenny begutachtet aus einiger Distanz die Riesenfüße meines Bruders, näher hingehen will sie offenbar nicht. Vielleicht denkt sie, dass sie nicht ganz frisch gewaschen sind.
    Ich werde allmählich ungeduldig. Denn Jenny steht die ganze Zeit im Wohnzimmer und plaudert mit dem Neandertaler, der angeblich mit mir verwandt ist.
    »Bestimmt kommen dich deine Freunde besuchen, wenn du schon nicht gehen kannst.«
    Marc mustert sie amüsiert. Mich hätte er längst schon in der Luft zerrissen, wenn ich so neugierig gewesen wäre. Aber irgendwie hat Jenny bei ihm einen Bonus. Den »Sie-ist-nicht-meine-kleine-Schwester«-Bonus. Deshalb darf sie viel mehr sagen als ich.
    »Krankenbesuch? Das machen Mädchen vielleicht.«
    »Jungs nicht?«
    »Wie du siehst.«
    »Nicht mal dein bester Freund?«
    »Wer?«
    »Sam.«
    Marc mustert Jenny von oben bis unten, dann breitet sich ein großes Grinsen auf seinem Gesicht aus.
    »Hat es dich auch erwischt? Gratuliere, da bist du nicht allein. Gestern hatten wir mindestens zehn Mädchen mehr am Spielfeldrand stehen – und alle haben nur auf Sam geguckt. Du warst also auch wegen ihm da.«
    »Stimmt gar nicht.«
    »Ach was.«
    Okay, jetzt wird mir einiges klar: Es geht gar nicht um meinen Bruder. Jenny ist in Sam verknallt!
    Marc lacht laut und guckt dann wieder DVD. Jenny läuft rot an und zieht mich mit sich hinaus in den Garten. Sie redet gleich von etwas anderem, von der Schule, von den Zeugnissen, von Italien, von Portugal, von Cibel, von Lili. Nur nicht von Marc. Und auf keinen Fall von Sam.
    Aber ich habe kapiert. Jenny will, dass wir ihr alles erzählen. Doch sie erzählt ihr Geheimnis nicht. Dass sie in Sam verliebt ist. Ich könnte sie jetzt zur Rede stellen. Ausfragen. Aber das will ich nicht. Ich denke ja auch, dass es besser ist, wenn man nicht alles von sich erzählt. Blöd genug, wenn man verliebt ist und keine Chance hat – und in dem Fall sieht das verdammt so aus. Da will man nicht auch noch darüber reden.
    Zugleich wundere ich mich über mich selbst. Warum habe ich nicht gemerkt, dass Jenny eigentlich Sam will und nicht meinen Bruder? Marc hat nämlich wirklich recht: Alle Mädchen sind in Sam verliebt, in seine hellen Augen, in sein Lächeln. Nicht nur Jenny. Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin: Ich auch. Aber das würde ich niemals zugeben. Nie.

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