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Skulduggery Pleasent -2- Das Groteskerium kehrt zurück

Skulduggery Pleasent -2- Das Groteskerium kehrt zurück

Titel: Skulduggery Pleasent -2- Das Groteskerium kehrt zurück
Autoren: Derek Landy
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ABHÄNGEN
    Walküre Unruh taumelte gegen die Brüstung, verlor das Gleichgewicht und war mit einem entsetzten Keuchen von der Bildfläche verschwunden.
    Der Kirchturm ragte hoch und stolz in den Himmel über der Innenstadt von Dublin. Die nächtliche Brise war ziemlich frisch, und sie trug lachende Stimmen von unten herauf. Es war ein weiter Weg bis hinunter zur Straße.
    Ein Mann in einem zerknitterten Mantel trat an die Brüstung und schaute darüber. Er grinste.
    „Das ist eine Beleidigung“, sagte er. „Wissen die denn nicht, wie gefährlich ich bin? Ich bin nämlich sehr, sehr gefährlich. Ich bin ein Killer. Ich bin eine Killermaschine. Und dann schicken sie dich. Ein Kind .“
    Walküre spürte, dass sie sich nicht mehr lange an dem Sims festklammern konnte. Sie ignorierte die spöttischen Bemerkungen des Mannes, der über ihr stand, und schaute sich nach einer anderen Möglichkeit zum Festhalten um. Ihr Blick wanderte überall hin, nur nicht nach unten. Unten war die Straße, und unten war der plötzliche Aufprall nach dem langen Fall. Sie wollte nicht nach unten sehen. Im Moment wollte sie mit unten nichts zu tun haben.
    „Wie alt bist du?“, fragte der Mann. „Dreizehn? Welcher verantwortungsbewusste Erwachsene schickt ein dreizehnjähriges Mädchen los, um mich aufzuhalten? Was denken sich die Leute bloß dabei?“
    Walküre schwang sacht zum Turm hin und stellte ihre Füße auf einen kleinen Strebepfeiler. Die Angst breitete sich in ihr aus, und sie merkte, wie sie sich verkrampfte. Sie schloss die Augen und versuchte, das lähmende Gefühl niederzukämpfen.
    Bei dem Mann handelte es sich um Vaurien Scapegrace, der momentan in fünf Ländern des versuchten Mordes in mehreren Fällen angeklagt war. Er lehnte sich an die Brüstung und lächelte vergnügt.
    „Ich mache Mord zu einer ganz neuen Kunstform. Wenn ich - wenn ich töte, male ich im Grunde ein riesengroßes Bild mit Blut und ... Innereien. Du verstehst?“
    Unter Walküre funkelte die Stadt.
    „Ich bin Künstler“, fuhr Scapegrace fort. „Nicht alle Menschen sehen das so. Es gibt Menschen, die wahres Talent nicht erkennen, selbst wenn es vor ihnen steht. Das ist schon in Ordnung. Ich bin nicht verbittert. Meine Zeit wird kommen.“
    „Serpine hat versucht, die Gesichtslosen zurückzuholen“, brachte Walküre mit Mühe heraus. Ihre Finger und die Muskeln in ihren Beinen brannten wie Feuer. „Wir haben ihm Einhalt geboten. Wir werden auch dir Einhalt gebieten.“
    Er lachte. „Wie? Glaubst du etwa, ich will die alten Götter wieder auf der Erde herumspazieren sehen? Glaubst du das wirklich? Denkst du, ich arbeite für Nefarian Serpine? Ich bin keiner von diesen durchgeknallten Anhängern, merk dir das. Ich bin mein eigener Herr.“
    Walküre hatte eine einzige Chance, aber um sie nutzen zu können, musste sie ruhig werden. Ihre zugegebenermaßen noch begrenzten Kräfte wirkten auf die Elemente, das heißt, sie konnte Feuer, Wasser, Luft und Erde manipulieren. Doch beim derzeitigen Stand ihrer Ausbildung ging, solange sie in Panik war, gar nichts.
    „Wenn du nicht willst, dass die Gesichtslosen zurückkommen“, sagte sie, „was willst du dann? Warum machst du das hier?“
    Er schüttelte den Kopf. „Du verstehst das noch nicht. Das ist nur etwas für Erwachsene. Ich will ganz einfach, dass man mich anerkennt als der, der ich bin. Das ist doch wohl nicht zu viel verlangt, oder? Aber du kannst damit natürlich nichts anfangen. Du bist ja noch ein Kind.“ Er zuckte die Schultern. „Trotzdem ist es jetzt Zeit zu sterben.“
    Er beugte sich vor, um sie hinunterzustoßen.
    „Hast du schon mal jemanden umgebracht?“, fragte sie rasch.
    „Was? Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe? Dass ich Mord zu einer neuen Kunstform erhoben habe?“
    „Aber bis jetzt hast du noch niemanden wirklich umgebracht, oder? Ich habe deine Akte gelesen.“
    Er machte ein finsteres Gesicht. „Rein technisch gesehen magst du recht haben, ja, vielleicht, aber heute Abend ist es so weit. Mit dir fange ich an.“
    Sie machte sich bereit, zwang sich, tief und gleichmäßig zu atmen. „Finde die Stelle, an der alles aufeinandertrifft“, murmelte sie.
    Scapegrace runzelte die Stirn. „Wie?“
    Walküre schwang die Beine nach oben, löste die rechte Hand vom Sims und spürte die Luft an ihrer Handfläche. Sie drückte dagegen, wie sie es gelernt hatte, und die Luft glitzerte und traf Scapegrace mit solcher Wucht, dass es ihm den Boden unter den Füßen

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