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Silberband 043 - Spur zwischen den Sternen

Titel: Silberband 043 - Spur zwischen den Sternen
Autoren: Perry Rhodan
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    1.
    12. Februar 2437
    Ohne Jarq wären wir alle fünf gestorben.
    Unser Ende hätte gleichzeitig das Ende aller Experimente mit Plasmasymbionten bedeutet, denn niemand hätte gewagt, die Versuchsserie nach dem Tod von fünf Männern fortzusetzen.
    Aber eine solche Möglichkeit schienen die Wissenschaftler vorausgeahnt zu haben, denn sonst hätten sie uns Jarq nicht mit auf die Reise gegeben.
    Von allen Besatzungsmitgliedern an Bord der FRANCIS DRAKE war Jarq das ungewöhnlichste.
    Jarq war ein halbintelligenter Schlauchwurm von Ojtray; ein zwei Meter langes Riesenexemplar seiner Gattung mit drei gelben Sprungringen um den unteren Teil seines dreißig Zentimeter durchmessenden Körpers. Jarq hatte sich bereits an das faule Leben an Bord der FRANCIS DRAKE gewöhnt. Er lag in einer Ecke des Labors und schnarchte. Nur der Hunger ließ ihn ab und zu aufwachen. Dann richtete er sich auf und klopfte mit dem Kopf so lange gegen eine Wand, bis man ihm Nahrung brachte.
    Ich weiß nicht, wie die Wissenschaftler jemals dahintergekommen sind, daß ein Schlauchwurm von Ojtray, dem man die normale Körperflüssigkeit entzogen und durch den blutähnlichen und biophysikalisch behandelten Extrakt der Bra-Fettpflanze ersetzt hatte, empfindlicher reagierte als jedes andere Lebewesen, bei dem ein solcher Austausch möglich war.
    Bevor einer der fünf Paraplanten an Bord der FRANCIS DRAKE auch nur ahnte, daß es zu einer Krise kommen würde, zeigten sich bei Jarq bereits die ersten Anzeichen.
    An diesem Tag, als die FRANCIS DRAKE von der Südseite aus in die Kleine Magellansche Wolke einflog, um nach dem Verbleib von acht verschollenen Schiffen der terranischen Explorerflotte zu forschen, rief mich Jokay Homm ins Labor. Homm war Jarqs Betreuer; eine Aufgabe, die er verfluchte, weil, wie er sagte, Jarq nur zum Fressen und Saufen am Leben war und keinerlei Ambitionen zeigte, sein bißchen Intelligenz zu benutzen, um mit Homm irgendein Spielchen zu machen. Homm war ein leidenschaftlicher Spieler. Es war ihm gleichgültig, wie hoch der Einsatz bei einem Spiel war oder woraus dieser Einsatz bestand.
    »Kommen Sie ins Labor, Ontioch«, sagte Homm. »Ich muß Ihnen etwas zeigen.«
    Ich war sofort alarmiert, weil ich Homm immer mit Jarq in Verbindung brachte – und Jarq war so etwas wie unser Alarmsystem.
    »Was ist passiert?« fragte ich.
    »Sehen Sie sich die Sache an«, sagte Homm und unterbrach die Verbindung.
    Ich starrte auf das kleine Interkomgerät über meinem Bett. Sollte ich Hinshaw oder einen der drei anderen verständigen? Besser nicht. Homm würde sie rufen, wenn es nötig war.
    Ich schlüpfte in meine Pelzjacke. Einer der größten Vorteile an Bord der FRANCIS DRAKE ist, daß niemand eine Uniform zu tragen braucht. Jeder kann anziehen, was ihm gefällt. Ein terranischer Flottenoffizier nannte das einmal verächtlich ›ewigen Karneval‹.
    Als ich durch den Antigravschacht zu den oberen Decks hinaufschwebte, überlegte ich, was Homms Pflegekind zugestoßen sein konnte. Sicher war es nicht besonders schlimm, sonst hätte Homm die Ärzte alarmiert.
    Ich betrat das Labor durch den Seiteneingang, weil ich nicht durch den Hauptraum gehen und mich den Blicken der Wissenschaftler und Ärzte aussetzen wollte. Homm schien das geahnt zu haben, denn er stand hinter der Tür und packte mich sofort am Arm.
    »Kommen Sie!« sagte er ungeduldig.
    Homm kam von Pharrand. Er wirkte so dünn und zerbrechlich, daß ich Angst hatte, mich an seiner Seite heftig zu bewegen. Ich bin eineinhalb Meter groß und ebenso breit und wiege drei Zentner. Ich entspreche also durchaus dem epsalischen Ideal eines schönen Mannes.
    Homm dagegen war ein Scheusal. Seine hervorstehenden Augen verliehen seinem Gesicht eine unnatürliche Starre. Es war unangenehm, von seinen Spinnenfingern berührt zu werden. In mancher Hinsicht ähnelte er Jarq – und das war vielleicht der Grund, warum man ihn zum Pfleger des Schlauchwurms gemacht hatte.
    »Stimmt was nicht mit Jarq?« fragte ich beunruhigt.
    »Ich weiß nicht«, gab Homm zurück. »Ich bin mir nicht sicher.«
    Er stieß die Tür auf, die uns noch von Jarqs Behausung trennte. Unwillkürlich hielt ich den Atem an und wappnete mich gegen den Gestank, den einzuatmen ich jetzt nicht mehr vermeiden konnte. Wie alle Schlauchwürmer roch auch Jarq stark nach Kümmel, und wenn es einen Geruch gibt, den wir Epsaler nicht ausstehen können, dann ist es Kümmelduft.
    Jarq hatte sich zusammengerollt und lag bewegungslos am

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