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Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel

Titel: Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
Autoren: Alisha Bionda
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halten. Mir schwirrte der Kopf. „Doch wohin?“, ächzte ich. „Der Regents Park ist groß. Wo sollen wir hier unseren Mörder finden?“
    Holmes warf mir einen entnervten Blick über die Schulter zu.
    „Aber begreifen Sie denn nicht, Watson? Unser Mann sucht die Menge. Wir müssen dorthin, wo viele Menschen sind. Der Mörder ist im Botanischen Garten.“

    Wir hatten die Kreuzung zur Chester Road noch nicht erreicht, als uns der hohe Schrei einer Frau innehalten ließ. Er war aus Richtung der Botanischen Gärten gekommen. Schnell mischten sich weitere erregte Rufe darunter.
    „Wir sind zu spät“, bemerkte Holmes. Napoleons Stimme dürfte bei Belle-Alliance kaum verzweifelter geklungen haben. Mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf wankte er die letzten Meter bis zur Abbiegung. Wir standen noch unschlüssig an der Kreuzung, als der wohlvertraute Klang einer Polizeipfeife ertönte. Doch dann hörte ich ein seltsames Keuchen. Ein unheimliches rasselndes Schnaufen. Ich schaute mich um und entdeckte die gedrungene Gestalt eines Mannes, der sich mit wehendem schwarzem Cape seinen Weg durch die neugierig gaffenden Spaziergänger bahnte. Niemand der Umstehenden nahm jedoch Notiz von ihm.
    „Das ist unser Mann!“, rief Holmes. Jegliche Anzeichen von Mattheit und Schwermut schienen wie weggeblasen. In seinen Augen brannte erneut die Flamme des Jägers; so hell, als sei sie keinen Wimpernschlag lang erloschen. „Eilen Sie zu dem Opfer“, wies er mich an. „Vielleicht kann Ihre ärztliche Kunst noch ein Wunder wirken.
    Ich hefte mich an die Fersen des Verdächtigen.“ Seine letzten Worte drangen nur noch schwach an mein Ohr, da er die Verfolgung bereits aufgenommen hatte. Ich sah seine athletisch-hagere Gestalt zwischen den Menschen verschwinden und hastete dann meinerseits in die Gegenrichtung.
    Als ich den Botanischen Garten erreichte, musste ich nicht lange nach dem Ort des Verbrechens suchen. Eine dichte Traube von Schaulustigen hatte sich am Rande des kleinen Teichs versammelt.
    Nur durch mehrmalige energische Hinweise auf meine Profession gelangte ich schließlich durch die dichten Reihen.
    Für das Opfer kam allerdings jede Hilfe zu spät. Es handelte sich um eine junge Frau mit gelocktem braunem Haar. Wie bei den Bluttaten zuvor war auch sie mit einer langen Stichwaffe von hinten getötet worden. Meiner ersten flüchtigen Untersuchung zufolge war das Messer mit großer Kraft schräg aufwärts geführt worden und hatte direkt das Herz getroffen. Die Frau war auf der Stelle tot gewesen.
    Das Besondere an dieser und den anderen Taten zuvor war der Umstand, dass der tödliche Stich jeweils so schnell ausgeführt wurde, dass sich der Mörder unbemerkt entfernen konnte, bevor sein Opfer schließlich zusammenbrach.
    Für etwaige Rückfragen hinterließ ich einem verstörten Constable meine Personalien und begab mich dann auf den Rückweg. Ich hatte gerade den äußeren Zirkel des Parks erreicht, als ich eine mir vertraute Gestalt entdeckte, die müde an einem Laternenmast lehnte.
    Unser beider Körpersprache legte beredt Zeugnis ab von einem sehr unrühmlichen Kapitel der bislang so erfolgreichen gemeinsamen Unternehmungen.
    Holmes brach sein Schweigen erst, als wir bereits wieder in einer Kutsche zurück zur Baker Street saßen.
    „Schauen Sie mich genau an, Watson“, sagte er. „Wenn Sie wissen wollen, wie ein kompletter Narr aussieht, prägen Sie sich mein Gesicht genau ein!“
    „Na, na, na.“ Ich lächelte beschwichtigend und bot ihm eine meiner Bradley-Zigarren an. „Der Mann ist Ihnen entwischt, na und?
    Das kann schließlich jedem mal passieren.“
    „Er ist mir aber nicht entwischt“, entgegnete Holmes. „Der Kerl ist einfach verschwunden.“
    „Sie meinen, Sie haben ihn aus den Augen verloren?“ Holmes schüttelte langsam den Kopf. Erst jetzt fiel mir auf, wie grau sein ohnehin schon blasses Gesicht wirkte. „Keineswegs, Watson. Der Unbekannte verschwand direkt vor meinen Augen. In einem Moment sah ich ihn noch direkt vor mir, im nächsten war dort plötzlich nichts mehr. Nur unbeteiligte Passanten. Und es gab weit und breit keine Kanalöffnungen, Hauseingänge oder ähnliches. Er löste sich inmitten all der Menschen buchstäblich in Luft auf.“
    „Wheezy-Joe“, murmelte ich leise.
    „Ja, spotten Sie nur, Watson. Aber was habe ich auch anderes verdient. Da predige ich tagein tagaus von der Macht des Intellekts, von Wissenschaft und Logik und erzähle Ihnen hier eine waschechte

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