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Shadow Touch

Titel: Shadow Touch
Autoren: Marjorie M. Liu
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mich zwingen aufzuhören. Und mir andere Fälle zuteilen.«
    »Und? Wäre das so schlimm? Gefällt dir dieser Scheiß denn etwa? Du treibst dich ständig in den Köpfen von Mördern und Opfern herum, und jedes Mal zerreißt es dich fast, wenn du eine Vision hast. Stehst du so sehr da drauf?«
    »Nein«, gab Artur zu. »Aber ich brauche es. Genauso, wie du es brauchst. So wie Koni und die anderen diese Arbeit nötig haben.«
    Denn obwohl sie hässlich und entsetzlich war, gab diese Arbeit seinen Fähigkeiten doch einen Zweck, einen Grund für ihr e Existenz. Wenn ihm das genommen wurde, wenn er keinen Unterschied mehr sah, dann würden all diese Opfer, sein hässliches Leben, nichts mehr bedeuten. Gar nichts -wenn er nicht bis zu seinem letzten Seufzer darum kämpfte, dass sie den Schmerz lohnten.
    Es gibt schlimmere Arten zu leben, sagte er sich. Allerdings, viel schlimmere. Jetzt hatte er wenigstens Freunde. Und   stand nicht allein da. Er war nicht mehr gezwungen zu töten, um leben zu können. Jedenfalls nicht immer.
    Dean sah auf die Straße. »Du starrst mich an.«
    »Ja.« Ein Gefühl von Furcht beschlich Artur, als er die harten Linien um den Mund seines Freundes bemerkte.
    Dean riss seinen Blick vom Asphalt und sah Artur offen in die Augen. »Du bist vielleicht eine Nervensäge, weißt du das? Wahrscheinlich haben die Russen den Tag, an dem du das Land verlassen hast, zum offiziellen Feiertag ausgerufen.«
    »Wahrscheinlich.« Artur fragte sich, ob es zu voreilig war, sich erleichtert zu fühlen.
    »Wahrscheinlich? Scheiße, Mann! Du wirst verrückt, stirbst oder verlierst dauerhaft die Kontrolle über deine Blase, und zwar vermutlich genau in dieser Reihenfolge, und die Chancen stehen gut, dass ich auch noch dabei bin, wenn das passiert.«
    »Du willst doch lieber, dass ich als Letztes sterbe, Dean, nicht als Zweites. Stell dir den Spaß vor, den du haben wirst, wenn ich anfange, mir in der Öffentlichkeit in die Hose zu pinkeln.«
    »Bevor das passiert, würde ich dich erschießen.«
    »Du solltest allmählich Windelhosen für Erwachsene mitnehmen. Ich verspreche dir auch, dass ich sie ganz allein anziehen werde.«
    Dean zeigte ihm seinen langen, schlanken Mittelfinger. Artur lächelte und setzte sich bequemer zurecht.
    »Warum grinst du? Glaubst du jetzt, dass du gewonnen hast?«
    »Ich glaube, dass du mein Freund bist. Außerdem glaube ich, dass du meine Situation verstehst.«
    »Ich glaube, ich verstehe, dass du richtige Hilfe brauchst, und ich bin nicht derjenige, der sie dir geben kann.«
    »Ich ziehe es vor, meine Probleme selbst zu regeln«, erwiderte Artur etwas nachdrücklicher. »Außerdem wissen wir beide, dass es keine Lösung dafür gibt. Ich sehe es, Dean. Das ist alles. Man kann das nicht einfach abstellen.«
    »O doch«, widersprach Dean. »Du willst nur die Entscheidung nicht treffen.«
    »Was für eine Entscheidung? Meine Handschuhe nie mehr auszuziehen? Oder meine Wohnung nicht mehr zu verlassen? Was für eine Entscheidung wäre das?«
    »Eine bessere, als zu sterben.«
    »Dean!«
    Diesmal beachtete Dean den Wink, hielt den Mund und fuhr einfach Auto. Artur zog sein Handy heraus und tippte zögernd die Nummer ihres Bosses ein, Roland Dirk. Er wollte eigentlich nicht mit Roland sprechen, jedenfalls nicht, solange Dean neben ihm saß, der so unberechenbar war. Aber Zeit war der entscheidende Faktor.
    Roland beantwortete den Anr uf mit seinem gewohnten Charme: »Jesus Christus, Artur, du siehst vielleicht mies aus.«
    Artur zwang sich dazu, nicht die Stirn zu runzeln. Er sprach mit Roland nicht gern am Telefon. Der Mann war eines der psychologisch mächtigsten Individuen, denen er jemals begegnet war, ein Hellseher und Telepath. Roland benötigte dazu nur eine Verbindung, und aufgrund seiner Fähigkeit zur Weitsicht genügte auch ein Telefon. Artur verstand weder, wie das funktionierte, noch warum. Er kannte nur sein Unbehagen darüber, dass sein Boss ihn gerade sehen konnte.
    »Wir haben das Haus eben verlassen«, sagte Artur und drückte auf den Lautsprecherknopf, damit Dean das Gespräch mitverfolgen konnte. »Wir konnten dem Tatort nicht viel entnehmen, außer einer Beschreibung des Mörders und seines emotionalen Zustands.«
    »Er hat Probleme«, erklärte Dean. »Und zwar große.«
    »Tatsächlich? Wie verflucht nett von ihm. Ich habe auch Probleme. Agent Braun vom FBI hat heute angerufen. Sie hat Wind von unserer Ermittlung bekommen und meint, es würde sie nicht im Geringsten

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