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Shadow Touch

Titel: Shadow Touch
Autoren: Marjorie M. Liu
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Stränge von gestohlenen Gedanken aus seiner
    Vision auftauchten. Es war ganz normal, dass die Erinnerungen eine Weile nach einer Sichtung neue Geheimnisse enthüllten, aber er hatte es nicht so schnell erwartet. Von dem intimsten Teil des Mörders hatte er sich vollkommen ausgeschlossen gefühlt, hatte weder einen Namen noch eine Geschichte erkennen können.
    »Er hat noch eine Aufgabe zu erledigen«, fuhr er dann leise fort. »Etwas Wichtiges, das er unbedingt tun muss. Danach will er verschwinden. Er glaubt, dass ihn niemals jemand erwischen wird.«
    »Sehr überheblich.«
    »Nein«, widersprach Artur. Die Worte kamen aus seinem Mund, als wäre er eine andere Person, vielleicht der Mörder, die lediglich Tatsachen wiederholte. »Er genießt Schutz. Jemand beschützt ihn.« Der Gedanke kam ungebeten, aufrichtig. Der Serienmörder glaubte es wirklich, hielt es für die Wahrheit.
    »Wer würde einen solchen Perversling schon beschützen?«
    »Das weiß ich nicht. Aber es ist jemand, der Macht besitzt.« Artur berührte seine Nase. Als er die Hand zurückzog, waren seine Finger rot.
    »Scheiße!«, stieß Dean hervor und griff nach der Schachtel mit Papiertaschentüchern, die auf dem Rücksitz lag. Er warf Artur eine Handvoll in den Schoß. »Das muss aufhören.«
    »Sicher«, stimmte er ihm gleichgültig zu. Er versuchte noch immer, diese unzusammenhängende, schauderhafte Erinnerung zu entwirren, und hielt sich ein Papiertaschentuch an die Nase. Das Blut interessierte ihn nicht. Seine Nase hatte in den letzten Monaten häufig geblutet. »Wir werden ihn finden.«
    »Das meinte ich nicht«, erklärte Dean. »Jedenfalls nicht direkt.«
    Er sprach nicht weiter. Artur wartete. Es war klar, dass er vor diesem Gespräch nicht länger weglaufen konnte, indem er einfach das Thema wechselte, wie er es den ganzen letzten Monat getan hatte. Also lauschte er dem leisen Brummen des Motors und dem Beat eines Rocksongs, der leise aus dem Autoradio drang. Er hörte Marilyn schreien ... und schmeckte Blut.
    Dean rutschte unbehaglich auf dem Fahrersitz herum, die Knöchel seiner Hände am Lenkrad traten weiß hervor. Artur hatte ihn noch nie so unbehaglich erlebt.
    »Also gut.« Dean stieß die Worte hart und schnell hervor. »Ich hätte dich das schon vor langer Zeit fragen sollen, aber es ist verdammt schwierig. Verstehst du das, Artur? Es fällt mir nicht leicht, dies zu sagen. Ich tu mich nicht gerade leicht mit diesem Scheiß, du weißt schon, diesem emotionalen Zeug.«
    »Hör auf, Dean.« Artur verkniff sich ein Lächeln. »Du weißt, dass wir beide nicht zusammen sein können. Unsere Liebe ist verboten.«
    »Fuck you!«, knurrte Dean. »Ich meine es ernst.«
    Artur lehnte sich auf dem Beifahrersitz zurück. »Also gut. Ernsthaft. Sag mir, was dich bedrückt.«
    Dean sah ihn scharf an. »Tu nicht so. Dein Scheiß ist verdammt am Kochen. Das hier wird zu viel für dich. Verflucht, das hier heute Nacht ist fast über meine Kräfte gegangen, dabei habe ich nur ein paar miese Stimmungen aufgefangen. Du dagegen hast die ganze Show abbekommen.«
    »Und? Worauf willst du hinaus?« Artur fühlte sich zu erschöpft für diese Unterhaltung. Er bekam ja immer die ganze Show zu sehen, und das würde sicher auch so bleiben, bis zu dem Tag, an dem er starb. Darüber zu reden änderte nichts, sondern bestätigte nur das Offensichtliche.
    Dean warf ihm einen finsteren Blick zu. »Ich will darauf hinaus, dass mir die letzten sechs Monate eine Scheißangst eingejagt haben. Als wir uns kennenlernten, hättest du dem durchgeknallten Charles Manson persönlich die Hand auflegen und dabei Pizza essen können. Jetzt, ich schwöre zu Gott, bekommst du ein Aneurysma, das so groß ist, dass es dir den Kopf wegblasen wird.«
    »Sehr herzerwärmend, wirklich.«
    »Reiß bloß keine Witze darüber. Deine Reaktionen werden immer schlimmer. Du brauchst eine Pause, Urlaub. Keine schlechten Berührungen mehr.«
    »Alle Berührungen sind schlecht für mich, Dean. Ich bin, wie man so sagt, ein schlimmer Bursche.«
    Das war die falsche Antwort. Auf Deans Gesicht zeichnete sich nun echter Ärger ab. Er gab Gas und fuhr los. »Wie du willst. Dann gehe ich damit eben zu Roland.«
    Artur starrte ihn erschreckt an. Dean meinte es wirklich ernst. Das war mal was Neues.
    »Nein«, widersprach er besorgt. »Du darfst das Roland nicht erzählen.«
    Deans Blick zuckte von der dunklen Straße zu seinem Gesicht hinüber. »Er wird dich schon nicht gleich feuern.«
    »Er wird

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