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SGK264 - Im Wartesaal der Leichen

SGK264 - Im Wartesaal der Leichen

Titel: SGK264 - Im Wartesaal der Leichen
Autoren: Larry Brent
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vollbrachte dabei wahre Höchstleistungen. So war es ihr
gelungen, diesen Citroën 2 CV, der allgemein als häßliche Ente im Sprachgebrauch war, in
einen wahren Flitzer umzugestalten. Äußerlich sah man dem Auto nicht an, was
unter der angerosteten Kühlerhaube steckte. Nämlich vollwertige hundertfünfzig
PS. Bei dieser Leistung schaffte Su Hang auf kerzengerader Strecke eine Dauergeschwindigkeit
von hundertachtzig Stundenkilometern.
    Stück für Stück hatte sie das Innenleben des Fahrzeuges so
ausgestattet, daß diese Leistung mit den anderen technischen Details und
Anlagen auch übereinstimmte.
    »Wo hast du denn das Geräusch vernommen ?« wollte Larry wissen und wandte den Kopf, um sich die sauber abgeschmierte Achse
näher anzusehen.
    »Hier - rechts ...«
    Su Hang stocherte gekonnt mit einem
Schraubenzieher an der betreffenden Stelle.
    »Gib mir mal einen Hammer«, sagte X-RAY-3 unvermittelt.
    »Wozu das ?« fragte die chinesische
Agentin überrascht.
    »Ich will was ausprobieren. Das ist alles .«
    Su Hang reichte Larry Brent das
Gewünschte. X-RAY-3 holte aus und versetzte der Achse an der beschriebenen
Stelle einen Schlag, daß die Agentin mit leisem Aufschrei zusammenfuhr.
    »Um Himmels willen, was machst du denn jetzt? Du demolierst mir ja
das ganze Fahrzeug .«
    »Wenn's irgendwo klappert, hilft es oft, wenn man einfach
dagegenklappert. Probier's mal! Vielleicht hat's was genützt .«
    Ehe Su Hang es verhindern konnte, schlug Larry ein zweites Mal dagegen,
legte den Hammer aus der Hand und kroch dann unter dem Fahrzeug hervor.
    Er klopfte sich die Kleidung ab und war Su Hang, die ebenfalls unter dem Citroën herauskam, behilflich, auf die Beine
zu kommen.
    »Ich habe da so meine Befürchtungen«, sagte die Chinesin
kleinlaut. »Er ist eine solch harte Behandlungsmethode nicht gewohnt.
Hoffentlich hat's ihm nicht geschadet .«
    X-RAY-3 kurbelte den Wagenheber herunter. Knirschend setzte das
Vehikel auf. In den Radkästen krachte es bedrohlich und angetrockneter Schmutz
spritzte ebenso weg wie dünne Rostblättchen, die sich darunter festgesetzt
hatten.
    Su Hang packte ihr Werkzeug zusammen.
»Wie wär's, wenn du die Probefahrt mitmachen würdest? Dann kannst du selbst
hören, wie scheußlich das Geräusch ist .«
    Sie klopfte den Straßenstaub von ihren Blue Jeans, zupfte ihre mit
einem großen Knoten über dem Nabel zusammengebundene Bluse zurecht und setzte sich dann hinter das Steuerrad.
    Beim ersten Startversuch sprang der Citroën 2 CV an.
    Ein Ruck ging durch den Wagen, als Su Gas gab.
    »Donnerwetter«, sagte Larry anerkennend. »Da muß man sich ja
festschnallen wie in einem Düsenjet .« Er ächzte.
»Diese Fliehkraft drückt einem den Brustkorb zusammen. Komme mir vor wie James
Bond in >Moonraker< !«
    Su Hang mußte lauthals lachen, als sie
Brents verzweifeltes, angespanntes Gesicht sah, als würde er sich auf einem
Raketensitz befinden und auf jedem Quadratzentimeter seiner Haut würden
Kilogewichte lasten.
    »Ich fahre vierzig, Larry«, konnte X-GIRL-G die Bemerkung nicht
unterlassen. »Es ist also nicht ganz so schlimm .«
    »Ach! Das muß einem ja gesagt werden .« Von nun an saß X-RAY-3 entspannt neben der Chinesin und lauschte mit ihr nach
dem vermeintlichen Geräusch, das sich nicht einstellte.
    »Aber - das gibt es doch nicht !« rief Su Hang überrascht aus. »Vor einer
Stunde, bevor ich mich unter den Wagen legte, hat sich's doch noch scheußlich
angehört .«
    Sie beschleunigte. Rasch kam der Wagen auf Touren. Auf einer
kurzen Strecke konnte sie den Citroën schnell fahren, bremste dann wieder ab und bog in eine holprige
Seitenstraße, wo die Gebäude so dicht standen, daß Larry befürchtete, das Auto
würde beiderseitig mit den Hauswänden Bekanntschaft machen.
    Quer über die Straße gespannt waren Leinen, an denen frisch
gewaschene Wäsche hing.
    Einige Wäschestücke waren noch so naß, daß schwere Tropfen auf das
Dach des Citroën trommelten.
    Es war eine düstere Gasse mit dunklen Häusern, schmalen Eingängen
und winzigen Fenstern. Selbst bei klarem Himmel verirrte sich hierher kein
Sonnenstrahl, weil er von den vorspringenden Dächern oder den aufgehängten
Wäschestücken abgehalten wurde.
    Das Leben spielte sich auf der Straße ab.
    Su Hang konnte nur im Schrittempo fahren.
    Kinder liefen lachend und jubelnd hinter und vor dem Citroën her. Mancher hatte sogar den Mut, den
Wagen anzufassen oder mit seinen kleinen Fäusten darauf zu trommeln.
    An den Hauseingängen

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