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Sex and the Office

Sex and the Office

Titel: Sex and the Office
Autoren: Eva Sternberg
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Prolog
    Ich bin eine von denen, mit denen ihr gewiss nicht tauschen wollt, dabei seid ihr einst selbst in meiner Lage gewesen. Heute seid ihr es, die jemanden wie mich Kaffee holen schickt, um nur eine der niederen Aufgaben zu nennen, die zu verrichten sind. Und ganz gleich, ob man euch bei den Gehaltserhöhungen wieder einmal übergangen hat oder euer Privatleben den Bach heruntergeht – an mir werdet ihr es auslassen, denn ich bin das schwächste Glied in der Bürohierarchie. Ich bin: die Praktikantin . Doch aufgepasst! Ich gehöre zu einer besonders wissbegierigen Gattung, die euch unentwegt mit lästigen Fragen löchert und deren Ehrgeiz euch rasch ein Dorn im Auge sein wird, weil ich euren gemütlichen Arbeitsrhythmus geradezu empfindlich stören werde. Denn im Gegensatz zu euch bin ich jung, dynamisch und noch voller Enthusiasmus. Ich bin der Inbegriff einer Powerfrau und weiß nur zu gut, wie ich alles und jeden mit meinen gottgegebenen weiblichen Reizen um den Finger wickle. Und: Ich habe es längst auf den Platz hinter eurem Schreibtisch abgesehen, wenn nicht sogar auf den Chefsessel. Dabei hätte ich euren miesen Job nicht einmal nötig. Glaubt mir, es ist ein Akt purer Verzweiflung und quälender Langeweile, die mich dazu treibt, meine achtunddreißig Paar sündhaft teure Schuhe zu rechtfertigen. Von den unzähligen Handtaschen ganz zu schweigen. Obwohl ich nur Praktikantin bin, parke ich meinen popeligen Fiat direkt neben dem Porsche eures Chefs. In der Kantine zahle ich, wenn überhaupt, nur den Preis, den ich für den Fraß für angemessen halte. Das Telefon auf meinem Schreibtisch nutze ich ausschließlich für Privatgespräche oder um gut aussehende Schauspieler abzuwimmeln, von denen ich mich hin und wieder zum Lunch ins Borchardt einladen lasse. Bloß um ihnen ein für alle Mal zu verklickern, dass sie keine Chance bei mir haben. Auf meinem Schreibtisch türmen sich so viele Einladungen zu den interessantesten Events und angesagtesten Partys der Stadt, dass ich nicht einmal dazukomme, sie alle zu lesen … – soweit die Theorie.
    Mit der Realität hat das leider herzlich wenig zu tun. Meine Realität sieht ehrlich gesagt sogar ziemlich beschissen aus. Unglücklicherweise gehöre ich zu jenen Frauen, die, als der liebe Gott das Pech verteilt hat, ganz laut »hier!« geschrien haben. Während meine beiden älteren Schwestern regelmäßig mit berühmten Schauspielerinnen verwechselt werden, würde ich nicht einmal für die Rolle der Lisa Plenske in Verliebt in Berlin taugen. Ich habe ebenso viele gescheiterte Diäten wie Beziehungen hinter mir. Kein Wunder, dass meine Trefferquote bei Männern ebenso hoch ist wie die, einen gut bezahlten Job zu finden, der obendrein noch Spaß macht. Und wo wir schon einmal dabei sind: In den meisten Fällen handelt es sich bei meinem vermeintlichen Schreibtisch höchstens um einen Katzentisch, der längst schon hätte entsorgt werden sollen und nur deshalb noch existiert, weil er für viele Mitarbeiter eine willkommene Ablage ist. Ein Friedhof für leere Kaffeebecher, kaputte Büroutensilien und all solche Sachen. Zwischen dem ganzen Abfall, den ich täglich entsorge, kommen dann oftmals noch endlos lange To-do-Listen zum Vorschein, die mir die lieben Kollegen auf den Tisch knallen, ehe sie überpünktlich in die Mittagspause verschwinden. Doch damit soll nun ein für alle Mal Schluss sein! Ich habe vor vier Tagen meinen fünfundzwanzigsten Geburtstag gefeiert und beschlossen, mein Leben zu ändern, als mir mein Mitbewohner Max Richter klargemacht hat, dass ich nun stark auf die dreißig zugehe. Zu allem Überfluss hatte sich wenige Tage zuvor auch noch mein Freund Andreas von mir getrennt – und zwar per SMS . Ich meine, geht’s noch stilloser? Immerhin waren Andy und ich seit acht Monaten zusammen. Zugegeben, seit meinem Umzug nach Berlin vor sechs Monaten hatten wir eine Fernbeziehung geführt. Aber war das gleich ein Grund gewesen, mich zu betrügen? Wohl kaum. Wie ich überhaupt davon erfahren habe? Andy war immer schon ein Geizhals gewesen, und als er Schluss gemacht hat, hatte ich ihn zunächst in Verdacht, er wolle sich bloß um mein Geburtstagsgeschenk drücken, erfuhr dann aber aus verlässlicher Quelle, dass er eine Affäre hatte. Ausgerechnet mit einer Kollegin. Im Grunde hätte ich es längst ahnen müssen. Andreas war in letzter Zeit immer seltener nach Berlin gekommen, angeblich weil er mit seinem neuen Job in der Kanzlei seines Vaters alle Hände

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