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Serafinas später Sieg

Serafinas später Sieg

Titel: Serafinas später Sieg
Autoren: Judith Lennox
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verzierte, bat sie ihre ehemalige Amme, sie in die Geheimnisse der Ehe einzuweihen.
    Sie erfuhr, daß sie erst heiraten würde, wenn sie zur Frau erblüht sei – und daß dies, da sie noch so kindlich sei, viele Jahre dauern könne. Sie lernte, wie Kinder gezeugt und geboren wurden. Die Vorstellung erfüllte sie mit Furcht, doch sie war sich der Tatsache bewußt, daß sie sich ihren Pflichten nicht würde entziehen können. Während Marthe sprach, stickte Serafina unbeirrt weiter – sie war entschlossen, sich keine Gefühlsregung anmerken zu lassen. Als Marthe geendet hatte, sagte Serafina: »Angelo behauptet, daß ich Michele Corsini lieben muß.«
    Marthe runzelte mißbilligend die Stirn. »Du solltest derartige Dinge nicht mit Monsieur Desmoines besprechen, Petite, es ziemt sich nicht. Natürlich wirst du Michele Corsini lieben, er wird dein Ehemann sein.«
    Serafina knüpfte einen Knoten und widerstand der Versuchung, den Faden abzubeißen. »Ich werde ihn heiraten und seine Kinder austragen, aber ich werde ihn nicht lieben. Er ist zu alt.«
    Marthe sah sie besorgt an. Taftraschelnd setzte sie sich in ihrem Sessel zurecht und sagte streng: »Du darfst keinen anderen Mann lieben, Serafina. Italienische Männer sind sehr eifersüchtig und verstehen keinen Spaß, wenn es um die Ehre ihrer Frauen geht – und um ihre eigene.«
    Serafina fühlte Ungeduld mit der geliebten Marthe in sich aufsteigen. Ihre Heirat mit dem alten Mann würde sich nicht nachteilig auf ihre wahre Liebe auswirken, im Gegenteil, sie würde ihr gestatten, sich richtig zu entfalten. »Ist das nicht wunderhübsch?« Sie hielt die blaue Seide hoch. Leise rauschend floß sie in schimmernden Bahnen zu Boden. »Wie der Nachthimmel, an dem die silbernen Sterne blitzen.«
    Eine alleinstehende Frau würde es schwer haben, sich in der Männerwelt zu behaupten, doch eine verheiratete Frau könnte es schaffen. Wenn sie es klug anstellte. Serafinas Heirat mit Michele Corsini wäre eine geschäftliche Transaktion, und als solche würde sie sie respektieren, und nutzen. Sie würde ihrem Mann die gewünschten Erben schenken, und im Gegenzug würde er die erforderliche männliche Galionsfigur an ihrem geliebten Schiff darstellen: dem Guardi-Tuchhandel.
    Das Geschäft, das Serafinas Großvater gegründet hatte, war von seinem Sohn in großem Umfang ausgebaut worden. Marseille hatte durch Venedigs jüngste Probleme erheblich profitiert. Sein Reichtum hatte Venedig verwundbar gemacht gegenüber den Türken und den Ragusan-Piraten, und es hatte den Neid anderer christlicher Länder auf sich gezogen. Obwohl die Küste der Provence immer noch von Berber-Galeeren heimgesucht wurde, verhinderten die Verträge zwischen dem türkischen Sultan und dem König von Frankreich, daß die Unterwanderung durch den Islam sich von einer Hautreizung zu einer Wunde ausweitete.
    All dies war Serafina bekannt. Sie begleitete Monsieur Jacques, wenn er an den Docks das Be- und Entladen der Schiffe überwachte, stand mit den Händen auf dem Rücken schweigend und aufmerksam neben den Büroangestellten, wenn sie ihre endlosen Zahlenkolonnen schrieben, und sah zu, wenn Angelo die verschiedenen Stoffe mit Preisen und Angabe der Ursprungsländer auszeichnete. Das Personal wußte, daß es bei dem einzigen Kind des Arbeitgebers Geduld walten lassen mußte.
    Die Guardis besaßen sowohl Galeeren als auch Rundschiffe. Letztere faßten mehr Ladung, waren jedoch langsamer und schwer zu manövrieren. Die Galeeren, deren Bug weiß und goldfarben glänzte, waren dagegen wendig und schnell wie Fische. Mit flatternden Fahnen schwebten sie aus dem Hafen in die offene See hinaus.
    Die Galeeren wurden von Sklaven und Sträflingen bewegt. Fünfundzwanzig Reihen von Ruderern, die an die Bänke gekettet waren, tauchten fünfundzwanzig Mal pro Minute die Ruder ein, bis sie ohnmächtig zusammenbrachen – oder tot. Serafina fiel der faulige Gestank, der von den Schiffen ausging, längst nicht mehr auf, doch ein Fremder roch ihn bereits lange, bevor er den herrlichen Anblick genießen konnte. Die Galeerensklaven hatten nackte Oberkörper und kahlgeschorene Köpfe. An Land waren sie in einem Barackenviertel untergebracht, das sogar eine Moschee mit einschloß. Die Guardis besaßen einen heidnischen Koch namens Ibrahim. Fünfmal am Tag fiel er, gleichgültig, wo er sich gerade befand, auf die Knie und betete zu seinen Göttern.
    Die Guardis verfügten auch über eine fünfzig Mann starke Soldatentruppe. Es war

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