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Septimus Heap - Fyre

Titel: Septimus Heap - Fyre
Autoren: Angie Sage
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zusammen sehen sie draußen zu, wie sich die Hieroglyphenwand rumpelnd wieder schließt.
    Bedächtig folgen sie dem sandigen Pfad, der zu einem verborgenen Ausgang am Rand der Insel führt. Dort zieht Hotep-Ra den Drachenring ab. Zum Erstaunen der Königin wirft er ihn auf den sandigen Boden, als ob er ihm nichts bedeuten würde. Sowie der Ring am Boden liegt, erlischt sein Licht.
    »Aber das ist doch Ihr Ring«, flüstert die Königin bestürzt.
    Hotep-Ra lächelt matt. »Nicht mehr«, sagt er.
     
    Die Königin und der Außergewöhnliche Zauberer sind in die Burg zurückgekehrt. Aber Hotep-Ra reist nicht sogleich ab, obwohl er weiß, dass er dadurch die Aufmerksamkeit seiner Feinde auf all das lenken könnte, was ihm lieb und teuer ist. Doch er möchte noch einige Vorkehrungen treffen, um die Burg und ihre Königin, so gut er kann, abzusichern.
    Er legt geschützte Zauberwege an, die der Königin den gefahrlosen Besuch des Drachenboots und anderer Orte, die ihr viel bedeuten, gestatten. Er versieht den Zaubererturm mit allen magischen Kräften, die er entbehren kann, und richtet für die klügsten und besten Außergewöhnlichen Lehrlinge eine Queste ein. Auf diese Weise, so hofft er, wird er regelmäßig Neuigkeiten aus der Burg erfahren und helfen können, wenn sein Rat benötigt wird. Er bittet die Königin, an jedem Mittsommertag sein geliebtes Drachenboot zu besuchen, und baut tief im Innern der Burgmauern ein Drachenhaus, in dem es Ruhe finden wird, wenn es eines Tages gefahrlos in die Burg kommen kann.
    Aber Hotep-Ra ist zu lange in der Burg geblieben.
    Neunundvierzig Stunden nachdem er das Nahen seiner Feinde erlauscht hat, steht er auf dem Landungssteg des Palastes und nimmt Abschied von der Königin. Es ist ein gewittriger Tag, und der grau verhangene Himmel spiegelt die Traurigkeit der Königin wider.
    Das Boot, das Hotep-Ra nach Port bringen soll, wo ein Schiff auf ihn wartet, ist zum Ablegen bereit. Gerade will er an Bord gehen, als ein lauter Donner ertönt, und die Königin schreit auf. Aber sie schreit nicht wegen des Donners, sie schreit, weil sie aus der dunklen Wolke über ihnen etwas auftauchen sieht – die Zaubererkrieger Schamandrigger Saarn und Dramindonnor Naarn, zwei Meister der schwarzen Künste. Die Mäntel ausgebreitet wie Rabenschwingen, sodass die blaugrün schillernden Rüstungen darunter sichtbar sind, und einen dunklen Schweif hinter sich herziehend, stoßen sie vom Himmel herab wie zwei riesige Raubvögel, die stechenden grünen Augen auf die Beute am Boden gerichtet.
    Die Feinde haben Hotep-Ra gefunden.
    Beim letzten Mal, als sie ihn aufgespürt hatten, war Hotep-Ra von dem Drachenboot gerettet worden, doch diesmal, das weiß er, muss er ihnen allein entgegentreten. Aber die Königin hat anderes im Sinn. Sie zieht eine kleine Armbrust aus dem Gürtel und lädt sie. Und dann, gerade als Schamandrigger Saarn und Dramindonnor Naarn zum entscheidenden Stoß ausholen wollten, schießt sie den Pfeil ab.
    Er bohrt sich unterhalb der vierten Rippe in Dramindonnors linke Brustseite. Der Getroffene stürzt zu Boden, und der Landungssteg erzittert unter der Wucht des Aufpralls. Aber der Schwarzkünstler zuckt nur kurz, und als Blut aus der Wunde spritzt, versiegelt er sein Herz mit einem Zauber. Unterdessen hat die Königin die Armbrust wieder gespannt und legt einen zweiten Pfeil ein. Große Furcht ergreift Hotep-Ra: Die Königin weiß nicht, mit wem sie sich anlegt. Rasch umgibt er sie – sehr zu ihrem Unwillen – mit einem Schutzschild. Doch es ist zu spät. Schon hat sie auch Schamandrigger ins Herz geschossen. Der Zaubererkrieger fällt, doch auch er versiegelt seine Wunde gerade noch rechtzeitig.
    Zum Entsetzen der Königin stehen die Zauberer wieder auf. Sie sind riesengroß – über drei Meter – und greifen zu ihren berüchtigten Explosiven Zauberstäben, von denen ihr Hotep-Ra erzählt hat. Im Gleichschritt – eins-zwei, eins-zwei – rückensie gegen den Schutzschild vor. Sie sprechen abwechselnd:
    »Dafür …«
    »… werden wir dich …«
    »… und deine Nachkommen …«
    »… töten.«
    »Niemals …«
    »… werden wir …«
    »… das vergessen.«
    Unter dem Angriff der Zauberstäbe gerät der Schutzschild der Königin ins Wanken. Hotep-Ra zückt seinen Flug-Charm und schnellt hoch in die Luft, denn er weiß, dass ihm die Zauberer folgen werden.
    Und das tun sie auch.
    In jenen alten Tagen ist die Kunst des Fliegens noch nicht in Vergessenheit geraten. Gleichwohl ist

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