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Septimus Heap - Fyre

Titel: Septimus Heap - Fyre
Autoren: Angie Sage
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des Drachenboots geprägt war, sowie mit einer Buchspange und Eckbeschlägen aus reinem Gold – den ersten überhaupt, die dank Marcellus im alchimistischen Feuer hergestellt worden waren. Wolfsjunge, der sich jetzt Marwick nannte, war mit Tante Zelda gekommen und erst in letzter Sekunde eingetroffen. Tante Zelda war nach der Anreise durch den Königinnenweg in der Schranktür stecken geblieben und hatte überdies eine ziemlich große Sturmschwalbe mitgebracht, die ihr, wie sie Marwick erzählt hatte, auf der Heimreise im Drachenboot nachgeflogen sei. Froh, Jenna endlich zu sehen, drückte er ihr einen speckigen Lederbeutel in die Hand und grinste.
    »Oh, Kieselsteine!«, rief Jenna und öffnete den Beutel aufgeregt. Sie hatte inzwischen so viel Gold und so viele Edelsteine bekommen, dass sie sich über einen Beutel voller schöner runder Kieselsteine aufrichtig freute.
    »Ja. Aber das sind sie nicht immer«, sagte Marwick geheimnisvoll.
    Jenna nahm den größten Stein heraus und hielt ihn in der Hand. Er fühlte sich merkwürdig vertraut an.
    Plötzlich spürte Jenna, dass der Stein sich bewegte. Ein kleiner Kopf zeigte sich, dann vier Stummelbeine. »Petroc Trelawney!«, rief sie. Der Stein beachtete sie nicht. Er stellte sich auf seine kleinen Beine und ging ein paar Schritte zu einem Kuchenkrümel, der an Jennas Finger klebte.
    »Er hat Nachwuchs bekommen«, sagte Marwick. »Sie waren überall. Wir haben uns gewundert, warum wir ständig Kieselsteine in der Küche fanden, bis Zelda sie eines Morgens hereinspazieren sah.«
    »Dann hat sie sich an ihn erinnert?«, fragte Jenna.
    Marwick lächelte. »Ja. Sie wusste sofort, wer er war.«
    Jenna freute sich sehr, Petroc Trelawney wiederzuhaben, aber das Geschenk, das ihr am meisten bedeutete, war das von Beetle: ein kleines Herz, in das die Wahre Krone eingraviert war.
    »Ich habe es auf dem Samstagsmarkt entdeckt«, sagte er. »Es ist richtig alt. Ich glaube, es hat vor langer Zeit einer Königin gehört. Ich hoffe, es macht dir nichts aus. Dass es ein Herz ist, meine ich.«
    Jenna lächelte. »Ach Beetle, ganz und gar nicht.«

 
    * 49 *
    EIN AUSSERGEWÖHNLICHER ZAUBERER
     
     
     
    Nach der Krönung beschloss Hotep-Ra, ins Foryxhaus zurückzukehren. Und so standen Jenna, Beetle und Septimus an einem warmen Morgen Anfang Juli in aller Früh auf dem Landungssteg des Palastes neben dem Drachenboot, das in der Sonne golden und azurblau funkelte. Hotep-Ra hatte bereits den Platz an der Ruderpinne eingenommen.
    Er fühlte sich so lebhaft an jenen Tag vor langer, langer Zeit erinnert, an dem eine andere Königin traurig von ihm Abschied genommen hatte, dass er unwillkürlich zum Himmel blickte, um festzustellen, ob nicht zwei Dunkelzauberer herabstürzten. Hotep-Ra lächelte. Natürlich nicht. Die beiden bösen Wesen, die seine Frau und seine Kinder getötet und ihn selbst dreimal rund um die Welt gejagt hatten, waren jetzt endgültig tot.
    Versonnen betrachtete er Jenna. Mit ihrem in der Sonne glänzenden goldenen Diadem, ihren im Wind wehenden, langen dunklen Haaren und ihrem sorgenvollen Blick sah sie seiner lieben Königin von damals sehr ähnlich. Sie würde eine gute Königin werden, dachte er bei sich – keine von den verrückten, keine von den dummen und ganz bestimmt keine von den bösen, möglicherweise aber eine der forscheren.
    Jenna hielt die Königinnenregeln mit dem schönen neuen Einband in der Hand. »Danke«, sagte sie. »Danke für alles.«
    Hotep-Ra verbeugte sich. »Ich habe Ihnen nur gezeigt, wie der Einsperrzauber funktioniert. Sie hatten den Mut, ihn zu sprechen.«
    »Wiedersehen, Jenna, bis später«, sagte Septimus so beiläufig, als ginge er nur kurz die Straße hinunter.
    Jenna seufzte. Ihr war nicht wohl bei dem Gedanken, dass Septimus ins Foryxhaus zurückkehrte. »Wiedersehen, Sep. Komm bald wieder. Versprochen?«
    Septimus sprang an Bord und gesellte sich zu Hotep-Ra ans Ruder. »Versprochen, Jenna. Wiedersehen, Beetle. Bis dann.«
    »Guten Flug, Sep.«
    »Danke. Es wird Zeit. Wiedersehen.«
    Jenna und Beetle sahen zu, wie das Drachenboot in die Flussmitte hinaussegelte und dann in den Wind drehte. Septimus holte das Segel ein und baute den Mast ab. Dann hob das Drachenboot die grünen Flügel in die Höhe und drückte sie mit einem lauten Zischen nach unten, sodass kleine Wellen das Wasser kräuselten und gegen den Landungssteg plätscherten. Gleich darauf stieg es in den Himmel und flog, die Ackerlande überquerend, in Richtung Port

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