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Selig in Kleinöd: Kriminalroman (German Edition)

Selig in Kleinöd: Kriminalroman (German Edition)

Titel: Selig in Kleinöd: Kriminalroman (German Edition)
Autoren: Herbert Schröger , Katharina Gerwens
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Prolog
     
    Reflexartig hatte der Bademeister den Notrufknopf gedrückt und nach einem Arzt gerufen. Irgendetwas stimmte da nicht: Seine erste und einzige Privatschülerin lag rücklings und mit weit aufgerissenen Augen im sechsunddreißig Grad warmen Wasser. Verzückte Verwunderung umspielte ihre bläulichen Lippen, und er war davon überzeugt, dass sie etwas Außerordentliches gesehen haben musste. Allerdings befand sich in der großen Schwimmhalle niemand außer ihnen beiden. Nicht einmal ein verirrter Spatz.
    Es war Mittwoch, der 2. September, und die Uhr an der gekachelten Stirnwand der Halle zeigte fünf vor zwölf. Bereits um drei Minuten nach zwölf traf einer der Kurärzte ein, untersuchte die Frau im schwarzen Badeanzug, schloss ihr die Augen und stellte ungerührt den Totenschein aus.
    »Benachrichtigen Sie die Angehörigen, die Leiche kann abgeholt und bestattet werden«, meinte er.
    Der Bademeister schüttelte ungläubig den Kopf. »Das kann doch nicht sein.« Er ging zu seinem Spind und kam mit einem Attest zurück. »Schauen Sie, diese Frau war erst kürzlich beim Kardiologen, die ging wirklich auf Nummer sicher. Und hier haben wir ein Attest, das sie zum Hochleistungssport befähigt. Das hat sie mir stolz vorbeigebracht. ›Maximale Belastung von zweihundert Watt, die aerobe Schwelle mit Anstieg des Laktats im Blut erfolgte erst bei einhundertsechzig Watt‹.«
    Der Kurarzt hob die Augenbrauen. »Was wollen Sie denn damit andeuten, Sie Besserwisser?«
    »Die Frau ist vergiftet worden«, erklärte der Bademeister. »Ich rufe jetzt die Polizei.«
    »Machen Sie doch, was Sie wollen«, murmelte der drahtige Kerl mit dem grauen Stoppelhaar und der randlosen Brille, wusch sich in aller Ruhe die Hände und ging zurück in die Kantine zu seinem Mittagessen.
    Dem Bademeister war der Appetit vergangen. Fassungslos saß er neben der Toten und schüttelte den Kopf. Wie hatte sie ihm das nur antun können? Ausgerechnet jetzt, wo sie beide so wunderbare Fortschritte gemacht hatten …

Kapitel 1
     
    Um viertel nach zwei läutete in der Polizeidienststelle Landau das Telefon. Hauptkommissarin Franziska Hausmann warf ihrem jüngeren Kollegen Bruno Kleinschmidt einen fragenden Blick zu, doch der war mit der Kaffeemaschine beschäftigt und zelebrierte gerade die Zubereitung seines mittäglichen Cappuccinos, indem er zwei Tassen vorwärmte, die Bohnen frisch mahlte und die Milch mit heißem Dampf aufschäumte.
    »Polizeistation Landau, Mordkommission, Hauptkommissarin Hausmann am Apparat«, meldete sich Franziska formvollendet.
    »Frau Hausmann, stellen S’ sich des mal vor, da hat mich grad ein Kolleg aus Bad Griesbach angerufen und mir g’sagt, ich soll die Brunnerin überführen, Sie wissen scho, die Malwine. Die ist da einfach so g’storben und soll jetzt beerdigt werden. Ham die g’sagt. Aber garantiert steht da noch ihr Auto rum, und in ihrem Auto sitzt g’wiss ihr Hund, dieser Joschi. Und ich weiß ned – können Sie nicht mal mit denen reden? Des geht doch alles viel zu schnell!«
    Franziska hatte die Stimme sofort erkannt. Sie gehörte dem Polizeiobermeister Adolf Schmiedinger aus Kleinöd.
    »Ich? Und warum?« Verärgert hob sie die Augenbrauen. »Wieso haben die eigentlich bei Ihnen angerufen? Eigentlich müssten doch die Angehörigen informiert werden.«
    Schmiedinger seufzte. »Des is a lange G’schicht. Also, der Brunnerhof ist vor a paar Wochen eingemeindet worden. Der g’hört jetzt zu uns. Und weil die Malwine keine Angehörigen mehr hat, ist jetzt die Gemeinde für ihre Bestattung zuständig. Aber wenn ich des dem Bürgermeister sag – nachad ist die alte Brunnerin im Handumdrehen beerdigt, und keiner weiß, wie und warum sie so plötzlich verstorben ist. Deswegen ruf ich Sie an. Da stimmt g’wiss was ned.«
    »Das war grundsätzlich die richtige Entscheidung, Herr Kollege. Was sagt denn der Arzt?«
    »Der Kollege aus Bad Griesbach hat mir den Totenschein vorg’lesen. Da steht Herzversagen.«
    »Nun, dann wird es wohl so sein.« Franziska seufzte und beobachtete Bruno, der das Milchhäubchen auf seinem Cappuccino mit Kakao bestäubte.
    »Ja, aber des kann ned stimmen!« Adolf Schmiedingers Stimme kippte. »Die war pumperlg’sund, der ging’s endlich amal so richtig gut. Gestern hab ich sie noch g’sehn, wie sie mit ihrem Joschi hier bei mir vorbeispaziert ist. Und so freundlich hat sie gegrüßt und g’meint, ich sollt mir doch auch a Hunderl zulegen. Einen aus dem Tierheim in

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