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Sekundentod: Kriminalroman (German Edition)

Sekundentod: Kriminalroman (German Edition)

Titel: Sekundentod: Kriminalroman (German Edition)
Autoren: Petra Mattfeldt
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Prolog
    Er sah auf die Uhr am Armaturenbrett. Drei Minuten nach fünf. Sie musste jeden Augenblick herauskommen. Nur ein einziges Mal hatte sie ihn länger als eine Viertelstunde warten lassen. Sonst hatte sie stets pünktlich Feierabend gemacht. Im Auto wurde es langsam stickig. Schon seit Wochen war es fast unerträglich heiß. Wenn man den meteorologischen Aufzeichnungen glauben durfte, war es der heißeste Juli seit mehr als dreißig Jahren. Die Sonne schien unerbittlich vom Himmel, auch in den Abendstunden kühlte es kaum ab. Jeder noch so kleine Windstoß kam einem Geschenk gleich. Er öffnete einen weiteren Knopf seines Hemdes, drehte den Schlüssel, bis er die elektrischen Fensterscheiben betätigen konnte. Er war überpünktlich gewesen, denn er hatte sie auf keinen Fall verpassen wollen. Nun stand er seit fast zwanzig Minuten mit dem Auto vor der Steuerkanzlei, in der sie arbeitete, und wartete, während die Luft inzwischen zum Zerschneiden war. Er spürte einen sanften Luftzug, und er atmete tief durch. Ein Mopedfahrer brauste ganz dicht mit einem knatternden Motorengeräusch an seinem Fahrzeug vorbei und stieß einen Schwall von Abgasen aus. Schnell ließ er die Fensterscheibe wieder nach oben gleiten. Das war es, was ihn an der Stadt so störte. Es war laut, und es stank. Verärgert sah er wieder auf die Uhr. Fast zehn nach fünf. Wo blieb sie nur? Unruhe nahm von ihm Besitz. Gepaart mit der drückenden Wärme im Auto ließ ihm das den Schweiß ausbrechen. Er hatte eine unruhige Nacht verbracht und kaum Schlaf bekommen. Ob es an der Wärme lag oder daran, dass heute der besondere Tag war, hätte er nicht sagen können. Doch er fieberte dem Augenblick entgegen, wenn es endlich so weit war und er sie überraschen würde. Sein Blick fiel nochmals auf seine goldene Armbanduhr, dann auf den Hauseingang. Genau in diesem Moment trat sie heraus. Kurz beschleunigte sich sein Puls. Sie lächelte, atmete tief ein, legte die rechte Hand schützend auf ihren runden Leib. Eine Haarsträhne wehte ihr ins Gesicht, die sie mit ruhiger Geste beiseitestrich. Wie schön sie war. Welches Glück er doch hatte, sie gefunden zu haben. Sie war zuverlässig und zu jedem freundlich, wenngleich sie manchmal etwas zurückhaltend wirkte. Doch das war nichts, das er ihr vorhielt.
    Sie wandte sich nach links, ging mit ruhigen, sicheren Schritten zu dem Parkhaus hinüber, in dem sie jeden Tag ihren VW Polo parkte. Er sah ihr nach, bis sie die Tür zu dem flachen Gebäude öffnete und aus seinem Sichtfeld verschwand. Einen kurzen Moment wartete er noch, dann ließ er den Motor an, blinkte und fädelte sich in den Verkehr ein. An der Ampel bog er links ab und wendete auf die andere Seite der Straße. Hier hielt er erneut am rechten Fahrbahnrand an und wartete. Nur einen Wimpernschlag später sah er ihr Auto aus dem Parkhaus herausfahren. Er lächelte, prüfte im Spiegel, ob er freie Fahrt hatte und folgte ihr. Sie fuhr den gleichen Weg wie jeden Tag. Eine gewohnte, vertraute Strecke. Die Routine gab ihm ein gutes Gefühl. Zwischen dem Polo und seinem eigenen Fahrzeug fuhren fünf Autos. Er hielt sich nah am Mittelstreifen, um sicherzugehen, dass sie nicht entgegen ihrer Gewohnheiten irgendwo abbog und er sie womöglich aus den Augen verlor. Auf keinen Fall wollte er sein Vorhaben noch einen Tag verschieben. Zwei Autos vor ihm bogen an der nächsten Kreuzung rechts ab, so dass sich nun noch drei Autos zwischen ihnen befanden. Sie fuhr weiter und blinkte am Ende der Straße links. Eines der vor ihm fahrenden Autos wollte dort ebenfalls abbiegen, die anderen beiden fuhren geradeaus weiter. Nur noch ein Wagen war zwischen ihnen, deshalb ließ er sich etwas zurückfallen. Er sah, wie sie rechts blinkte und die Geschwindigkeit verringerte. Kurze Zeit später bremste sie und fuhr in eine Parklücke. Wut stieg in ihm auf. Was sollte das? Warum hielt sie an? Das war nicht eingeplant. Sie sollte weiterfahren, weiterfahren bis zum Supermarkt. Dort würde sie einkaufen und dann auf direktem Weg nach Hause fahren. So tat sie es immer. Was war nur in sie gefahren? Er wurde nervös, reckte den Hals, um erkennen zu können, was sie tat. Langsam rollte er an ihrem Auto vorbei, gerade als sie ausstieg. Er lachte gelöst auf, als er sah, dass sie auf die Reinigung zuging. Mit einem milden Lächeln entschuldigte er sich gedanklich bei ihr. Richtig. Sie musste ja noch ihre Kleidung abholen, die sie vorgestern dort abgegeben hatte. Der schöne weinrote Rock,

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