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Seine Zeit zu sterben (German Edition)

Seine Zeit zu sterben (German Edition)

Titel: Seine Zeit zu sterben (German Edition)
Autoren: Albert Ostermaier
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begann seine Hände um ihren Hals zu legen, zuzudrücken, drückte Sekunde für Sekunde ein wenig fester zu, »der Sturm kreist dich ein, er nimmt dich«. Er pumpte seine ganze gestaute Lust in sie, die Stunden, die er wegen des Sturms hatte warten müssen, die Zweifel, ob sie es schaffte, ob sie käme, ob sie durchkäme, ob er durchkäme.
    »Nimm mich, ich liebe dich, was, was«, sie stieß ihn weg, wollte ihn wegstoßen, was seinen Griff noch fester werden ließ, er dachte, es sei Spiel, sie wolle es, es turnte ihn an. »Hör auf, da ist etwas, hast du es nicht gehört?«
    Er drehte sich um, orientierungslos, zwischen den Welten.
    »Da ist etwas, ich habe es gehört, es ist jemand im Haus, im Zimmer, ich spür es, mein Mann.«
    »Beruhig dich«, versuchte er der Lage Herr zu werden, aber er war nicht beruhigt, sein Herzrasen verdoppelte sich, die Lust und die Angst, der Schrecken und die Wut, vielleicht war sie nur verrückt, ihr ewiger Verfolgungswahn.
    »Er bringt uns um, er hat gesagt, wenn er uns je erwischen würde, bringt er mich um, ich bring dich um und deine Liebhaber auch, ich finde euch, Schatz, wo immer du mich betrügen willst, ich finde dich, Schlampe. Er hat lächelnd Schlampe gesagt, ironisch, dann zärtlich, aber vielleicht wusste er es schon. Ich hab solche Angst, schau nach, schau nach.« »Sei still.« Er hielt ihr die Hand vor den Mund. »Sei still!« Er öffnete die Nachttischschublade und holte einen Revolver hervor.
    »Was ist das?«, schrie sie auf, aber er war sofort wieder mit seiner Linken an ihrem Mund. »Du siehst doch, was es ist.« »Warum hast du eine Waffe?«
    Sollte er jetzt diskutieren? Er fragte sich, wie er sie gleichzeitig ruhigstellen, die Waffe entsichern und seine Unterhose aus dem Kleidergewühl hervorziehen konnte. Wenn dieser Sack, der sich Freund schimpfte, ihn abknallen wollte, dann nicht nackt mit Ständer.
    »Da, da, hinter dem Vorhang, der Vorhang bewegt sich!« Sie warf sich auf ihn und umschlang mit ihren Händen seine Hand an der Waffe. »Du darfst ihn nicht erschießen, nein, nein, ich liebe ihn, ich liebe dich, Ludwig!«, schrie sie den Vorhang an, der sich jetzt wirklich bewegte. »Komm raus, Ludwig, komm raus, lass uns reden. Ich kann dir alles erklären.«
    Sie hielt noch immer seine Hand fest, was für ein absurder Kampf, dachte er sich, und ich dachte, sie liebt mich, verdammt, ich liebe …, nein, er brachte es nicht über die Lippen. Das konnte doch alles nicht wahr sein, ein schlechter Film. Aber er zitterte am ganzen Körper, alle Muskeln waren wie Lügengebäude zusammengefallen.
    »Du spinnst«, schrie er sie plötzlich an, »da ist nichts, da ist gar nichts!«
    Doch kaum hatte er seinen Satz beendet, wurde der Vorhang zur Seite geschoben, und ein Krokodilskopf stand vor ihnen.
    »Ich will heim. Zu Mama und Papa«, heulte die Stimme aus dem Krokodil.
    »Wer bist du, wie bist du hier reingekommen?«, brüllte er das Kind an, weil all die Kraft noch in ihm war, die Bereitschaft zu schießen.
    Der Junge nahm den Krokodilskopf ab. »Ich bin’s doch, Onkel Gunnar. Ich bin’s, Igor. Hallo Babette. Ich bin nicht eingebrochen. Ich wusste doch, wo der Schlüssel liegt, und Papa hat gesagt, du bist heute nicht in Aschau, du müsstest nach Wien, weil Papa wollte, dass wir zusammen essen gehen und Mama mit euch beiden überraschen, ich meine, mit dir und Ingrid. Und Gustav, wie geht’s Gustav?«
    »Was machst du hier? Wissen deine Eltern, wo du bist?«
    »Weiß irgendjemand, dass du hier bist?«, unterbrach ihn Babette.
    »Nein«, Igor senkte den Kopf, »keiner weiß, dass ich da bin, ich war schon vor dem Sturm da. Ich habe den Krokodilskopf auf der Piste gefunden, und dann habe ich gedacht, die sollen richtig traurig sein, wenn ich weg bin, die sollen endlich zu streiten aufhören, und ich will auch in keinen Skikurs, nur zu dem Franz. Und ich kann allein Bus fahren, ich bin schon groß genug. Ich bin runtergefahren, und dann bin ich mit dem Skibus bis nach Aschau und zu Fuß hierher und habe gedacht, hier findet mich keiner, das wird ihnen eine Lehre sein, so zu mir zu sein. Und dann hab ich mich unter der Treppe verkrochen. Wenn doch jemand kommt, ein Einbrecher oder Freunde von euch oder so, weil ihr ja nicht da seid, dieses Wochenende. Und dann bin ich eingeschlafen. Ich habe mich so gefürchtet, dass ich eingeschlafen bin. Ich habe mein Kuscheltier dabei.« Er zog sein Kuscheltier aus der Tasche. »Warum fickt ihr miteinander? Lasst ihr euch jetzt

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