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Schwarze Stunde

Schwarze Stunde

Titel: Schwarze Stunde
Autoren: Christine Feher
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mein Lieblingsplatz, Luna. Ich wollte sie dir unbedingt zeigen.« Er nimmt ihre Hand und setzt sich in Bewegung, geht mit ihr ein Stück weiter nach innen, hier ist es noch dunkler. »Die Insel ist unbewohnt«, erklärt er. »Es gibt ein paar davon in Berlin, diese ist eine der größten, während die meisten anderen nur kleine Flecken sind und nicht einmal einen Namen haben. Anlegen und Betreten ist überall verboten, die kleinen Eilande stehen unter Naturschutz.«
    »Du traust dich was«, stößt Luna hervor. »Im Sommer ist es hier sicher wunderschön.«
    »Jetzt ist es noch schöner«, meint Falk und will sie weiterziehen, doch Lunas Füße gehorchen ihr nicht mehr, ihre Schritte werden immer kleiner, bis sie am Boden zu kleben meint. Ihre Blase drückt jetzt heftig, unmöglich kann sie warten, bis sie wieder in ihrer Wohnung ist. Als am Ufer ein Schwan mit seinen mächtigen Flügeln schlägt, schreit sie leise auf.
    »Hast du Angst?«, erkundigt sich Falk, und selbst in der Dunkelheit erkennt sie das amüsierte Kräuseln seiner Mundwinkel.
    »Es ist unheimlich«, gibt sie zu. »Bring mich nach Hause, Falk. Bitte.«
    »Noch nicht«, erwidert er und zieht sie weiter. »Jetzt noch nicht, Luna.«
    »Doch. Bitte, Falk.« Sie wimmert jetzt beinahe, dann hält sie es nicht mehr aus, gesteht ihm flüsternd ihr dringendes Bedürfnis, schämt sich, Falk ist schließlich nicht ihre Mutter, die früher immer in sicherer Entfernung dafür gesorgt hat, dass Luna beim Pinkeln im Wald nicht beobachtet wurde. Aber Falk nickt verständnisvoll und verspricht ihr ebenfalls, in der Nähe aufzupassen. Seine Schritte entfernen sich, bald ist er auch aus ihrem Gesichtsfeld verschwunden, Luna beeilt sich, es erscheint ihr endlos, bis sie ihm endlich folgen kann. Falk sitzt schon im Boot und hat die Ruder aufgenommen. Ein Schrecken durchfährt Luna, als sie bemerkt, dass er sich bereits vom Ufer entfernt, das Tau hat er säuberlich aufgewickelt, mit wenigen Zügen vergrößert er den Abstand zu ihr. Trotz ihres Entsetzens versucht sie zu lachen.
    »Komm zurück!«, ruft sie und achtet darauf, dass sich ihre Stimme nicht überschlägt. Natürlich ist es nur ein Spaß, natürlich will er sie nur ein wenig necken. Trotzdem ruft sie noch einmal, wer weiß, was hinter ihr ist, Tiere vielleicht, Schatten, der Schwan von vorhin. Zu sehen ist er nicht mehr.
    »Ich komme nicht!«, antwortet Falk. »Du bleibst jetzt dort wie eine verschleppte Königstochter! Hier kann dich kein anderer Junge finden und mir ausspannen, hier gehörst du nur mir allein! Ich komme jeden Tag her und versorge dich!« Dann lacht er, rudert noch ein paar Meter weiter weg.

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