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SCHLANGENWALD

Titel: SCHLANGENWALD
Autoren: Ilona Mayer-Zach
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Tasse im Stehen aus.
    Ein Freund? Hatte er endlich eine bessere Hälfte gefunden? Paula wünschte es ihm. „Ist es ernst?“ Sie konnte sich die Frage nicht verkneifen.
    „Er heißt nicht Ernst, sondern Günther“, blockte Kurt ab. Weitere Fragen wären sinnlos gewesen. Im Gegensatz zu ihr erzählte Kurt kaum etwas aus seinem Privatleben. Paula nahm an, dass er keines hatte, weil die Arbeit in der Kanzlei ihm keine Zeit dafür ließ, aber scheinbar hatte sie sich geirrt. Paulas Handy klingelte und riss sie aus ihren Gedanken. Kurt winkte ihr zu und verließ die Wohnung.
    „Viel Spaß!“, rief sie ihm nach, erhielt aber keine Antwort.
    „Wer soll viel Spaß haben?“ Markus war am Apparat.
    „Kurt trifft sich mit einem Freund“, flüsterte Paula verschwörerisch. Wobei auch ein wenig Taktik dahintersteckte. Markus hatte von Anfang an bezweifelt, dass Kurt schwul war.Er war der fixen Meinung, dass dieser nur vorgegeben hatte, sich nicht für Frauen zu interessieren, um in Paulas Wohnung einziehen zu können.
    „Ein Liebhaber?“, hakte Markus nach. So recht überzeugt klang er nicht.
    „Das nehme ich doch an. Aber sicher wolltest du mich nicht anrufen, um mit mir über Kurts Liebesleben zu sprechen.“
    „Ich wollte fragen, wie es dir geht und ob du heute Abend schon etwas vorhast.“
    „Irgendwelche Vorschläge?“ Markus war Journalist und hatte sie schon zu den ungewöhnlichsten Terminen mitgenommen.
    „Heute Abend gibt es eine Geburtstagsparty bei Alois. Du weißt schon, der Freund, der das Haus in Klosterneuburg hat, mit dem Swimmingpool. Ich würde dich gegen halb acht Uhr abholen. Und nimm deine Badesachen mit.“
    Das passte Paula sehr gut. Dann blieb auch noch Zeit, um endlich eine Druckerpatrone zu besorgen. Von Costa Rica sagte sie Markus noch nichts. Das wollte sie unter vier Augen ansprechen.
    Eine Stunde später saß sie wieder vor dem Laptop und googelte nach weiteren Informationen über Costa Rica. Obwohl sie die Suche auf deutschsprachige Seiten beschränkte, erschienen Millionen von Einträgen: Reiseberichte, Reiseangebote, Surfparadiese, Fauna und Flora. Beeindruckt surfte Paula durch einige Beiträge. Das Land musste ein Paradies sein, wenn man den Besuchern Glauben schenken durfte. Paula sah auf die Uhr. Es war bereits fünf nach sieben. Gerade als sie Schluss machen wollte, blieb ihr Blick am Nachruf einer Umweltorganisation hängen:
    Liebe Freunde!
    Die schlechten Nachrichten nehmen kein Ende: Wie einige von euch bereits aus den Medien erfahren haben, ist am vergangenen Dienstag eine Cessna in der Nähe von San José in den Urwald gestürzt und gilt seither als vermisst. Alle darin befindlichen Passagiere waren aktive Mitglieder unserer Organisation. Aufgrund der derzeit herrschenden Wetterverhältnisse konnte die Maschine noch nicht geborgen werden. Wir wissen also nicht, ob unsere Freunde bereits tot oder vielleicht noch am Leben sind. Lasst uns für sie beten!
    Diese Nachricht trifft uns umso härter, als wir erst kürzlich das Ableben eines unserer aktivsten Mitglieder, José Sánchez Porras, zu beklagen hatten. Er wurde Anfang August tot in der Gegend des Naturschutzgebietes südlich von Tamarindo im Urwald aufgefunden. Laut medizinischem Gutachten fiel er einem Schlangenbiss zum Opfer. Für die Polizei handelte es sich um einen Unfall und die Ermittlungen wurden eingestellt. Wir fragen uns dennoch, wie José Sánchez Porras in diese abgelegene Gegend gekommen ist und warum er sich dort aufgehalten hat. Wir danken jedem, der uns diesbezüglich Hinweise liefern kann. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Familie des Verstorbenen.
    Tamarindo , war das nicht die Gegend, wo sich auch die Ferienanlage befand, überlegte Paula. Ihr blieb keine Zeit mehr, in den Unterlagen nachzusehen oder sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen. Ihr Handy läutete und Markus teilte ihr mit, dass er sie in ungefähr fünf Minuten vor der Haustür abholen würde. Sie druckte die Seiten aus und beschloss, ihre Nachforschungen auf dieser Plattform später fortzusetzen.

     
    3.
    „Costa Rica? Willst du mich auf den Arm nehmen?“, war Markus’ erster Kommentar. Nachdem Paula ihm versichert hatte, dass dies kein schlechter Scherz war, folgte eine Schweigeminute. Dann regte sich Markus furchtbar auf. Sie hätte ihn fragen sollen, bevor sie derlei wichtige Entscheidungen traf. Schließlich sei er auch noch da, meinte er und gestikulierte mit beiden Händen.
    „Könntest du bitte das Lenkrad festhalten?“,

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