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Schicksalsstürme: Historischer Roman (German Edition)

Schicksalsstürme: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Schicksalsstürme: Historischer Roman (German Edition)
Autoren: Melanie Metzenthin
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und die sollt Ihr haben. Wenn Ihr etwas braucht, so ruft nur.« Sie schickte sich an, zur Tür zu gehen.
    »Wartet, Jungfer Brida! Ich müsste vielmehr Euch um Verzeihung bitten.«
    Sie wandte sich um. Es war seltsam, ihren Namen aus seinem Mund zu hören. Vor allem, da er sie so formvollendet ansprach. Für alle anderen war sie einfach nur Brida. Außer für Marieke, die es sich nicht nehmen ließ, sie wie ein adliges Fräulein anzureden.
    »Ihr mich? Warum?«
    »Weil ich Euch keine bessere Auskunft geben kann.«
    Sein Blick erinnerte sie an ein verwundetes Tier, das Schmerzen leidet, die Ursache dafür aber nicht kennt. Es musste schlimm sein für ihn, sich in einer fremden Umgebung wiederzufinden und nicht zu wissen, wer er war. Vermutlich quälten ihre Fragen ihn viel mehr, da er sie sich selbst auch stellte.
    »Macht Euch darum keine Sorgen. Ruht Euch aus, vielleicht sieht es morgen schon anders aus. Ich schicke Marieke, damit sie Euch etwas heiße Milch mit Honig bringt und, wenn Ihr mögt, auch etwas zu essen. Habt Ihr Hunger?«
    Er schüttelte den Kopf.
    »Ich gehe zum Strand, vielleicht finde ich dort etwas, das uns Hinweise auf Eure Herkunft gibt«, sagte sie. Dann verließ sie die Kammer und rief nach Marieke.
    Die Sonne stand noch nicht hoch am Himmel, als Brida den Strand erreichte. Außer Arne waren inzwischen auch andere Männer in der Hoffnung auf Strandgut aufgetaucht, aber auch um die Leichen zu bergen. Viel hatte das Meer nicht hergegeben. Ein paar Fässer mit Pökelfleisch, keine große Ladung.
    Es waren insgesamt acht Tote. Ihre Gesichter waren bläulich verfärbt, aber sie sah keine Wunden, die auf einen Kampf hindeuteten. Eigentlich sahen sie recht friedlich aus, beinahe wie Schlafende. Die See hatte sie rechtzeitig zurückgegeben. Als kleines Mädchen hatte sie einmal einen Toten gesehen, der tagelang im Wasser getrieben war. Die Haut hatte sich vom Körper gelöst, er war aufgedunsen gewesen und hatte eher an ein Monster aus der Tiefsee als an einen Menschen erinnert. Aber am schlimmsten war der Gestank gewesen. Sie schüttelte die alte Erinnerung ab.
    »Hier kannste nicht mehr viel machen, Brida.« Der alte Knut legte ihr die Rechte auf die Schulter. »Die sind alle mausetot.«
    »Ich weiß. Deshalb bin ich auch nicht gekommen. Wissen wir etwas über das Schiff?«
    »War vermutlich nur’n Kraier, nix Großes.« Der alte Mann wies auf die Fässer mit dem Pökelfleisch. »Lohnt fast gar nicht den Aufwand.«
    »Der Mann, den Arne mir gebracht hat, scheint ein Kaufmann zu sein. Könnte es sein, dass die Kaperfahrer den besten Teil der Ladung gestohlen haben?«
    Knut zuckte die Achseln. »Er wird’s dir erzählen, wenn er zu sich kommt.«
    »Ich habe schon mit ihm gesprochen. Er kann sich an nichts erinnern. Nicht einmal an seinen Namen.«
    Knut pfiff durch seine Zahnlücke. »Kann sich an nichts erinnern? Und glaubste ihm?«
    »Warum sollte er mich belügen?«
    »Och, dafür gibt’s schon manch Grund. Vielleicht hat er keine sauberen Geschäfte gemacht.«
    »Ach, Knut, erzähl keinen Tüdelkram! Ich glaub ihm. Er war vollkommen verwirrt, hat noch gar nicht begriffen, was ihm widerfahren ist.«
    Ganz in der Nähe der aufgestapelten Fässer sah Brida etwas in der Ostsee treiben. War es ein Lederbeutel? Sie ließ Knut stehen und ging zum Wasser.
    Es war tatsächlich ein kleiner Beutel, der von den Wellen immer wieder vor- und zurückgetrieben wurde. Hastig schlüpfte sie aus den Schuhen, hob den Saum ihres Kleides und watete ins Wasser. Obwohl schon April war, kam ihr das Wasser eisig vor. Kein Wunder, dass ihr Pflegling völlig ausgekühlt und erschöpft gewesen war.
    »Was hast du da?« Knut war ihr gefolgt.
    »Nur irgendein Ledersäckchen.«
    »Na, was Wertvolles wird kaum drinnen sein, sonst wär’s längst untergegangen.« Der alte Mann wandte sich gelangweilt ab.
    Brida öffnete ihren Fund. Es waren wohl einmal Briefe oder irgendwelche Pergamente gewesen, aber die wenigen Stunden im Salzwasser hatten gereicht, die Schrift unleserlich zu machen. Lediglich ein zerbrochenes Siegel war erhalten geblieben. Ein Kreuz, auf dem ein Wappenschild mit drei Kronen prangte. Sie kannte das Zeichen nicht, aber ihr Vater würde schon wissen, zu welcher Familie es gehörte, oder zumindest, wo die Herkunft in Erfahrung zu bringen war.
    Brida versuchte, den feuchten Sand von den Füßen zu streifen, bevor sie die Schuhe anzog, aber es blieben zahlreiche feine Körnchen zurück, die unangenehm scheuerten. Zu
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