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Schicksalsstürme: Historischer Roman (German Edition)

Schicksalsstürme: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Schicksalsstürme: Historischer Roman (German Edition)
Autoren: Melanie Metzenthin
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Heiligenhafen, April 1428
    E in letztes Mal flackerte das Signalfeuer auf der Fehmarner Seite der Bucht, dann verlosch sein Licht, und die Morgenröte vertrieb die Dunkelheit. Nichts erinnerte mehr an die aufgepeitschten Wellen der vergangenen Nacht.
    Arne liebte die Tage nach dem Sturm, wenn das Meer wieder klar war und der Geruch von Seetang die Luft erfüllte. Ein guter Tag, um die Netze auszuwerfen.
    Sein Boot lag am Strand, unmittelbar hinter den Dünen. Dort hatte es bislang jedem Unwetter getrotzt. Auch an diesem Morgen wartete es auf ihn, unversehrt und bereit, ihn hinauszutragen.
    Eine dunkle Planke dümpelte zwischen dem Schlick. Arne stutzte. Dann sah er den leblosen Körper, der mit den Beinen noch halb im Wasser lag. Er rannte los, Muschelschalen und Sand knirschten unter seinen Stiefeln. Überall waren Trümmer an den Strand gespült worden. Neben einem zerbrochenen Fass nahe der Sandbank trieben weitere Körper, alle mit dem Gesicht nach unten. Ein bitterer Geschmack legte sich auf Arnes Zunge. Ein Jahr war es her, dass er zum letzten Mal Tote am Strand gefunden hatte. Doch damals war er darauf vorbereitet gewesen.
    Er beugte sich zu dem Mann hinunter, berührte ihn. Ein leises Stöhnen.
    »Hörst du mich?«
    Der Verletzte murmelte etwas. Arne glaubte, »hvor« und »jeg« verstanden zu haben. War der Mann ein Däne? Vor einem Jahr waren es Deutsche gewesen, die er am Strand gefunden hatte. Opfer der dänischen Flotte. Er hatte einige Freunde verloren. Junge Männer, die dachten, auf den hanseatischen Kriegsschiffen schneller zu Ruhm und Reichtum zu gelangen als mit ihrem ehrlichen Handwerk. Arne atmete tief durch. Es war vorbei. Dies hier war ein unglückliches Opfer des gestrigen Sturms. Ein Mann, der seine Hilfe brauchte, ganz gleich, woher er kam.
    Er versuchte, den Körper aus dem Wasser zu ziehen. Ein erstickter Schrei ließ ihn zurückzucken. Erst jetzt sah Arne das Blut, das aus einer Wunde in der Brust des Mannes gesickert war und seine Kleidung durchtränkt hatte. Das war kein Seemann. Solche feinen Hemden trugen nur reiche Leute, Patrizier aus den großen Hansestädten oder Adlige.
    »Wer seid Ihr?«
    Der Mann stöhnte, war kaum noch bei Bewusstsein. Arne betrachtete ihn genauer. Er war höchstens Mitte zwanzig, blondes Haar, glatt rasiert. Die Hände gepflegt und frei von den Spuren schwerer Arbeit. Vielleicht ein Kaufmann? Aber wobei hatte er sich diese Verletzung zugezogen? Sie sah aus wie ein Schwerthieb.
    Einerlei. Er würde den Mann zu Brida bringen. Die würde schon wissen, wie dem Verwundeten zu helfen war. Und dann würde er zurückkommen und schauen, was das Meer sonst noch herzugeben bereit war. Vielleicht war es ja eine Kogge mit reicher Ladung gewesen. Auf jeden Fall schien die Suche danach lohnenswerter, als heute zum Fischen hinauszufahren.

1. Kapitel
    N un hilf mir schon, ihn auszuziehen!« Brida zerrte an einem der Stiefel des Bewusstlosen.
    »Da hat uns das Meer aber mal was Hübsches beschert.« Marieke kicherte, während sie nach dem anderen Stiefel des Mannes griff und ihm das nasse Leder mit einem Ruck vom Fuß zog.
    »Teures Schuhwerk, ist wohl ein feiner Herr.« Bewundernd strich die Magd über den weichen Schaft.
    »Stopf sie nachher aus, und stell sie zum Trocknen vor den Kamin.« Brida reichte Marieke den zweiten Stiefel. »Halt, nicht jetzt, hilf mir erst, ihn ganz auszuziehen!« Sie machte sich daran, seine Hose zu öffnen.
    »Fräulein Brida, soll ich nicht lieber Kalle holen? Ich meine, wegen der Schicklichkeit …«
    »Bis du Kalle findest, ist der hier erfroren. Nun komm, ich werde von dem Anblick schon nicht erblinden.«
    »Wäre ja auch schade.« Marieke lächelte verschmitzt. »Der ist mehr als einen Blick wert.«
    Brida seufzte. So war Marieke. Redete von Schicklichkeit, aber ihre Gedanken waren sündig genug, dem Pfarrer bei der nächsten Beichte die Schamesröte ins Gesicht zu treiben.
    Es erwies sich als schwierig, die eng anliegenden Hosen herunterzustreifen, die nass an den Beinen des Fremden klebten. Auch das blutverschmierte Hemd hatte im Wasser gelitten und war an mehr als einer Stelle zerrissen.
    »Wasch das, und dann schau, ob du es flicken kannst.« Brida reichte der Magd die nassen Kleidungsstücke.
    »Das Hemd etwa auch?« Marieke verzog das Gesicht. »Das ist doch völlig zerlumpt.«
    »Versuch’s einfach. Es sieht aus, als wenn’s teuer war.«
    »Ja eben, der wird doch nicht in geflickten Plünnen rumlaufen wollen. Arne meinte auch, das

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