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Schattenschwestern - Feehan, C: Schattenschwestern - Conspiracy Game

Schattenschwestern - Feehan, C: Schattenschwestern - Conspiracy Game

Titel: Schattenschwestern - Feehan, C: Schattenschwestern - Conspiracy Game
Autoren: Christine Feehan
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1
    IM DSCHUNGEL SENKTE sich die Nacht schnell herab. Jack Norton saß von Rebellen umgeben inmitten des feindlichen Lagers, hielt den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen und lauschte den Geräuschen, die aus dem Regenwald drangen, während er sich ein Bild von seiner Lage machte. Durch seine gesteigerten Sinneswahrnehmungen konnte er nicht nur Feinde in seiner Nähe riechen, sondern auch weiter entfernt, in der dichten, üppigen Vegetation verborgen. Er war ziemlich sicher, dass es sich um ein Außenlager handelte, eines von vielen tief im Dschungel der Demokratischen Republik Kongo, irgendwo westlich von Kinshasa.
    Er öffnete die Augen einen Spalt weit und sah sich um, weil er jeden Schritt seiner Flucht planen wollte, doch selbst diese winzige Bewegung ließ Schmerz durch seinen Schädel schießen. Die Qualen nach den letzten Misshandlungen waren geradezu vernichtend, doch er wagte es nicht, das Bewusstsein zu verlieren. Nächstes Mal würden sie ihn töten, und dieses nächste Mal nahte viel schneller, als er erwartet hatte. Wenn er nicht bald einen Ausweg fand, würde ihn nichts auf Erden mehr retten, nicht einmal die Verstärkung seiner körperlichen und übersinnlichen Fähigkeiten.
    Die Rebellen hatten guten Grund, wütend auf ihn zu sein. Jacks Zwillingsbruder Ken und seine paramilitärische
Einheit, die Schattengänger, hatten den Rebellen einen Amerikaner abgejagt, ihren ersten wirklich wertvollen politischen Gefangenen. Der Senator der Vereinigten Staaten war gefangengenommen worden, während er mit einem Wissenschaftler und dessen Assistenten auf Reisen gewesen war. Die Schattengänger waren mit tödlicher Präzision eingeschritten, hatten den Senator, den Wissenschaftler, seine beiden Assistenten und den Piloten gerettet und das Lager verwüstet. Ken war in Gefangenschaft geraten, und die Rebellen hatten großen Spaß daran gehabt, ihn zu foltern. Jack war gar nichts anderes übriggeblieben, als seinem Bruder zu folgen, um ihn rauszuholen.
    Den Rebellen hatte es überhaupt nicht gefallen, dass sie ihren Gefangenen durch Ken verloren hatten, und ebenso wenig gefiel es ihnen, als ihnen dann Ken entkam. Daher ließen sie ihren Unmut jetzt an Jack aus. Jack hatte den Schattengängern Feuerschutz gegeben, als sie Ken rausgeholt hatten, und war von einer Kugel getroffen worden. Die Wunde war nicht kritisch – er hatte sich vergewissert, dass sein Bein nicht gebrochen war –, aber die Kugel hatte ihm beim Aufprall das Bein unter dem Körper weggerissen. Er hatte sein Team schleunigst weggeschickt und sich damit abgefunden, dass ihm dieselben Folterqualen bevorstanden, die sein Bruder durchgemacht hatte – eine weitere Gemeinsamkeit, wie sie in jüngeren Jahren schon so viele geteilt hatten.
    Als sie ihn das erste Mal geschlagen hatten, war es gar nicht so schlimm gewesen, aber das war vor Major Biyoyas Erscheinen gewesen. Sie hatten ihn getreten und ihn mit den Fäusten geschlagen und waren ein paar Mal auf sein verwundetes Bein getrampelt, aber sie hatten sich weitgehend jeder Form von Folter enthalten, da sie erst einmal
abwarten und herausfinden wollten, was General Ekabela mit ihm vorhatte. Der General hatte Biyoya geschickt.
    Die Mehrheit der Rebellen war beim Militär ausgebildet worden, und viele hatten in früheren Zeiten hohe Posten in der Regierung und beim Militär eingenommen, bis zu einem der zahlreichen Staatsstreiche, und jetzt bauten sie Marihuana an und richteten Verwüstungen an, überfielen Ortschaften und töteten alle, die es wagten, ihnen Widerstand zu leisten, oder denen die Plantagen oder das Land gehörten, das die Rebellen wollten. Niemand wagte es, ihr Gebiet ohne ausdrückliche Genehmigung zu durchqueren. Sie waren geschickt im Umgang mit Waffen und in der Guerillakriegsführung, und das Foltern und Morden machte ihnen Spaß. Mittlerweile hatten sie Geschmack daran gefunden, und die Macht, die es ihnen verlieh, trieb sie dazu, so weiterzumachen. Sogar die UNO mied diese Gegend – wenn die Vereinten Nationen versuchten, Medikamente und Lebensmittel in die Dörfer zu bringen, wurden die Truppen von den Rebellen ausgeraubt.
    Jack öffnete die Augen weit genug, um einen Blick auf seine nackte Brust zu werfen, in die Major Keon Biyoya seinen Namen geritzt hatte. Blutstropfen standen dort, und Fliegen und andere Insekten, die bissen und stachen, versammelten sich zu diesem Festmahl. Aber das war bei weitem nicht die schlimmste Folter. Und auch nicht die demütigendste. Er hatte sie

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