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Schattendämonen 3 - Nybbas Blut - Benkau, J: Schattendämonen 3 - Nybbas Blut

Schattendämonen 3 - Nybbas Blut - Benkau, J: Schattendämonen 3 - Nybbas Blut

Titel: Schattendämonen 3 - Nybbas Blut - Benkau, J: Schattendämonen 3 - Nybbas Blut
Autoren: Jennifer Benkau
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1
     
    S
    onnenstrahlen griffen wie lange Finger durch vom Smog getrübte Fenster, tasteten sich zwischen den vollgestopften Regalen quer durch den staubigen Raum. Sie strichen über das Gesicht des Mannes, spielten in seinen Bartstoppeln und ließen sie in der Farbe von frischem Blut und altem Gold leuchten.
    Köstlich.
    „Auf welchen Namen darf ich die Rechnung aus stellen, Madam?“
    Sie musste einen Moment überlegen, ehe sie die Frage des Antiquitätenhändlers beantworten konnte. Namen waren eine Angelegenheit von Monaten, Jah ren oder allenfalls Dekaden. Sie vergaß sie hin und wieder.
    „Shima“, sagte sie dann und strahlte den Mann an. „Natasha Shima.“ Dieser Name war leicht zu merken, obwohl sie ihn erst seit K urzem trug. Ihre Herrin – die sich aller edlen Traditionen zum Trotz ungern so ansprechen ließ – hatte ihn ihr gegeben. Sie sollte ihn besser verinnerlichen, schon um die Herrin zu ehren. Wie glücklich sie war, sie endlich gefunden zu haben. Sie hatten einander so lange gesucht.
    Der Antiquitätenhändler interpretierte ihr Lächeln falsch. „Eine wirklich hervorragende Ware, die Sie da erworben haben. Sie haben Glück, so antike Stücke sind auf dem freien Markt nur schwer erhältlich. Die Museen erheben oft Anspruch auf solche Qualität.“
    Sollte er nur reden. Sie wusste sehr genau, wie alt das bemalte Tongefäß war und wie man seinen Wert realistisch einzuschätzen hatte. Der Händler hätte ein äußerst lukratives Geschäft gemacht, wenn seine Kundin wirklich nichts weiter als eine menschliche Kunstliebhaberin gewesen wäre. Gefäße wie dieses gab es wie Sterne am Himmel, es war weder antik noch wirklich modern, sondern irgendetwas dazwi schen. Bloß alt. Wertlos für jeden Menschen. Wie gut, dass sie kein Mensch war. Denn das, was diesen Topf für sie so wertvoll machte, war weder sein Alter noch sein Kunstwert, sondern allein der Verwendungs zweck, dem er gedient hatte. In diesem Gefäß war vor nicht allzu langer Zeit ein Dämon eingesperrt gewe sen. Sie hatte erst kürzlich gelernt, die minimale n Ver änderung en zu erspüren, die im Material zurückblie ben, aber bei diesem Stück gab es keinen Zweifel. Sie würde es kein zweites Mal berühren, die Energie prickelte so stark, dass sie bis tief in ihr Inneres schmerzhaft gezogen hatte. Vielleicht sprach dies von der Macht des Dämons, der darin gemartert worden war. Die Herrin würde es herausfinden. Sie sammelte solche Artefakte; Beweise der Grausamkeiten, denen ihr Volk seit Jahrhunderten ausgeliefert war.
    „Packen Sie es gut ein“, wies sie den Händler an.
    „Natürlich. Wir wollen ja nicht, dass dem guten Stück etwas passiert.“ Er gab sich ausgesucht char mant, das musste sie ihm lassen.
    Sie wollte das Gefäß vor allem nicht mehr berühren müssen. Aufmerksam beobachte sie, wie die geschick - ten Männerhände es zunächst in Seidenpapier, dann in Polsterfolie und schließlich in braunes Packpapier wickelten. Die Adern auf seinen kaum behaarten Handrücken, Flüsse aus Leben auf einer von Jahren und reichlich Sonnenlicht bräunlich geprägten Karte, faszinierten sie. In ihrem Schoß kribbelte n zarte Erwartung und ein Hauch von Bedauern. In früheren Zeiten hätte sie einen schönen Mann wie diesen sicher nicht sofort getötet, sondern eine Weile behalten. Die Herrin hatte allerdings nichts übrig für menschliche Mitbewohner. Ein zu vernachlässigender Nachteil – immerhin hatte sie Natashas Katzen gern und erfreute sich an deren Gesellschaft fast so sehr wie sie selbst. Der Antiquitätenhändler hob das verpackte Stück in eine Tragetasche aus stabiler Pappe, die mit dem Emblem seines Geschäfts von Hand bemalt war. Derartiges blieb für gewöhnlich bestimmt den besse ren Kunden vorbehalten. Erahnte sie da ein schlech tes Gewissen, weil er glaubte, sie über den Tisch gezo gen zu haben? Sie gab sich Mühe, nicht zu lachen, aber in ihren Augen funkelte sicher ein wenig ihrer Erheiterung. Sie nahm die Tasche an, stellte sie auf den Boden, wo ihr nichts passieren würde, und ging zur Tür, wo sie das „Geöffnet/Geschlossen“ Schild umdrehte, um mit ihm ungestört zu sein. Zur Sicher heit drehte sie auch den Schlüssel im Schloss herum. Als sie sich umwandte, sah sie Erstaunen im Gesicht des Mannes, doch schien er gewisse Erwartungen mit ihrem Verhalten zu verknüpfen, die ihn offenbar nicht beunruhigten. Er würde sich noch wundern.
    „Was spielst du hier?“, fragte er, eine Braue über den blitzenden

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