Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
SB 119 – Der Terraner

SB 119 – Der Terraner

Titel: SB 119 – Der Terraner
Autoren: PERRY RHODAN
Ads
Graffiti
     
    Sein Name ist Taou Sun Heng. Vor vier Tagen hat er zum letzten Mal eine winzige Portion Reis gegessen. Über seinen Wangenknochen spannt die Haut wie Pergament. Er ist 37 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern.
    Vor zwei Wochen haben Angehörige einer Armee, über deren Zugehörigkeit Taou Sun Heng nur rätseln kann, sein Dorf überfallen und seine Familie gefoltert und getötet. Seitdem befindet er sich auf der Flucht. Sein Weg führt durch den Dschungel auf eine Grenze zu, hinter der er sich ein wenig Nahrung und Sicherheit erhofft.
    Immer wieder stößt er auf niedergebrannte Dörfer und muss sich vor Soldaten verbergen. Taou Sun Heng hat längst aufgehört, Schmerzen zu empfinden oder verzweifelt zu sein, er reagiert nur noch abgestumpft.
    Taou Sun Heng ist ein Terraner.
     
     
    1.
    Der Auftrag
     
     
    Ambur-Karbush war eine Stätte des Friedens, des Glücks und der geistigen Einheit, und Carfesch betrachtete es als Auszeichnung, dass er dorthin reisen durfte. Sein Gepäck bestand nur aus einem abgewetzten Ledermantel, Sandalen, einer Proviantbüchse mit Konzentraten und einem Memoring für jene, die in Ambur-Karbush bauten. Wegen seiner bescheidenen Ausrüstung hätten Beobachter Carfesch durchaus für den Gesandten einer unbedeutenden Macht halten können, aber genau das Gegenteil traf zu.
    Carfesch war der Beauftragte des Kosmokraten Tiryk. Ein Scheitern seiner Mission wäre einer kosmischen Katastrophe gleichgekommen.
    Carfesch war humanoid und an die zwei Meter groß, wirkte aber schlank, fast zierlich. Sein strohfarbenes Gesicht bedeckten achteckige schuppenähnliche Hautplättchen. Anstelle einer Nase hatte der Sorgore eine Atemöffnung, deren organisches Filtergewebe bei jedem Atemzug leise knisterte. Die starren blauen Augen standen so weit hervor, dass Carfesch leicht zur Seite sehen konnte, ohne den Kopf drehen zu müssen. Seine Finger waren Krallen, die steif und unbeweglich wirkten. Unter den sieben hornartigen Verdickungen an jeder Hand nisteten jedoch winzige Symbionten, die vom absterbenden Horn lebten und die Hände derart sensibilisierten, dass Carfesch jedes Ding, das er berührte, bis in die filigransten Feinheiten erfühlen konnte.
    Carfeschs Stimme klang melodisch sanft. Schon ihre einschmeichelnde Freundlichkeit stempelte ihn zu einem überragenden Diplomaten, obwohl er sich diesen Titel weit mehr durch seinen Intellekt und seinen Charakter verdient hatte. Erstaunlicherweise entsprang diese Stimme, der eine fast hypnotische Wirkung nachgesagt wurde, einem eher düster wirkenden lippenlosen Mund, der wie eine kleine Höhle inmitten von Carfeschs breitem Kinn saß.
    Nach langen Vorbereitungen war es dem Kosmokraten Tiryk gelungen, seinen Gesandten auf Ambur abzusetzen.
    Carfesch war die zweite Fracht, die von jenseits der Materiequellen hier ankam. Die erste hatte aus zwei neutralisierten Zellaktivatoren bestanden, die nun mithilfe des Memorings vorjustiert werden sollten.
    Niemand hätte auf Anhieb feststellen können, ob Ambur natürlichen oder künstlichen Ursprungs war. Carfesch vermutete, dass es sich um einen Planeten handelte, der aus seinem angestammten System herausgerissen und auf eine ewige Reise geschickt worden war. Die junge Superintelligenz, die Karbush baute, war zweifellos in der Lage, einen solchen Prozess zu steuern. Vor langer Zeit, so viel hatte Carfesch von Tiryk erfahren, war Ambur in zwei Halbkugeln geteilt worden.
    Von den Sonnenblumenhügeln aus bot sich dem Gesandten ein guter Ausblick über Ambur-Karbush.
    Die Stadt lag auf einer weiten Hochebene. Über den Rand des Felsplateaus hinweg ergoss sich ein gewaltiger Strom ins Meer. Die Gebäude schmiegten sich harmonisch aneinander, ihre Stahlhüllen funkelten im Licht der Kunstsonnen. Zentrum der Stadt war ein ausgedehnter Platz, an dessen Rand ein mehr als tausend Meter hoher, zerbrechlich anmutender Turm aufragte.
    Es war sicher absurd, so von einer Stadt zu denken, doch als Carfesch auf Ambur-Karbush hinabblickte, erinnerte es ihn an ein schlafendes Lebewesen. Plätze und Straßen waren verlassen, trotzdem spürte der Diplomat die Allgegenwart intelligenten Lebens.
    Carfesch stieg die Hügel hinunter bis zur grasbewachsenen Hochebene. Ambur-Karbush war längst nicht fertiggestellt, das sah er deutlich.
    Eine einsame Gestalt kam ihm entgegen, während er sich den ersten Gebäuden näherte. Carfesch blieb stehen. Dass der Unbekannte ihm glich, hielt der Gesandte für einen Akt der

Weitere Kostenlose Bücher

Die magische Maske
Die magische Maske von Christa Holtei
Wellenzauber
Wellenzauber von Brigitte Johann
Verbotene Lust
Verbotene Lust von Jule Winter
0555 - Verrat der Götter
0555 - Verrat der Götter von Werner Kurt Giesa