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Saga von Dray Prescot 32 - Pandahem-Zyklus 06 - Seg, der Bogenschütze

Saga von Dray Prescot 32 - Pandahem-Zyklus 06 - Seg, der Bogenschütze

Titel: Saga von Dray Prescot 32 - Pandahem-Zyklus 06 - Seg, der Bogenschütze
Autoren: Alan Burt Akers
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1
     
     
    Die Frau in der blauen Tunika verharrte am Rand des Dschungels, legte im Licht der beiden Sonnen die Hand über die Augen und starrte zum See hinaus. Die beiden Männer, die sich ihr näherten, mochten in ein Gespräch vertieft sein; obwohl sie sie erst kurze Zeit kannte, wußte sie, daß die beiden sie sofort sähen, wenn sie noch einen einzigen Schritt tat.
    Ein verschwommener blauer Schimmer legte sich überraschend um die Männer und veranlaßte sie, sich die Augen zu reiben. Sie rührte sich nicht von der Stelle. Die Zwillingssonnen verbreiteten ihr zweifarbenes grelles Licht, und in der frühmorgendlichen Strahlung weiteten sich die Schatten zu smaragdgrünen und rubinroten Flecken. Das seltsame Blau schien herbeizuwirbeln wie die flirrende Bewegung eines von einem Tänzer geschwungenen Capes.
    Als sie genauer hinschaute, stand auf dem kleinen Weg am See nur noch ein Mann.
    Ein besorgter Aufschrei kam ihr über die Lippen.
    »Seg der Horkandur!«
    Als der Mann seinen Namen hörte, fuhr er herum. Er war im Begriff gewesen, ein rotes Stück Tuch und ein Langschwert vom Boden aufzuheben, und wandte sich nun eher bedauernd als widerstrebend von den beiden Gegenständen ab und der Frau zu.
    »Ja, meine Dame?«
    »Ist alles – alles in Ordnung? Wo ist der Bogandur?«
    »Er ist – fortgerufen worden.«
    Sie lachte unsicher. »Fortgerufen? Mitten aus diesem schrecklichen Dschungel heraus?«
    »Mach dir seinetwegen keine Sorgen, meine Dame. Er wird zurückkehren, wenn es ihm an der Zeit erscheint.«
    »Ja, das glaube ich gern. In dem unsäglichen Berg dort hinten habe ich ihn nämlich schon für tot gehalten.«
    »Mir ging es genauso. Aber ich kann dir versichern, daß er eben nicht als Gespenst neben mir gestanden hat. Rühr dich nicht, meine Dame! Wenn ich rufe, läufst du los!«
    Der scharlachrote Lendenschurz und das Langschwert fielen zu Boden. Ruckartig erschien der Langbogen in Segs linker Hand, mit blitzschneller Bewegung wurden der Pfeil aufgelegt und die Sehne gespannt. Der erste Pfeil raste davon.
    Knapp eine Handbreit vom Ohr der Frau entfernt sirrte er vorbei. Beim Schießen brüllte Seg los: »Lauf, Dame Milsi, lauf!«
    Milsi gehorchte.
    Ein unbeschreiblicher Laut gellte aus dem Dschungel dicht hinter ihr. Ein Brüllen, dann das Rascheln des dichten Unterholzes trieben sie an, bis sie vor Anstrengung keuchte. Ein zweiter Pfeil suchte sich seinen Weg, gefolgt von einem dritten, während der zweite noch in der Luft war.
    Verfolgt von unbekannten Gefahren, stürzte Milsi aus dem Dschungel. Sie setzte volles Vertrauen in Seg den Horkandur. Zwar kannte sie ihn erst kurze Zeit, doch hatte er sich bereits als vollendeter Jikai erwiesen, als ehrenvoller Krieger, der ihrer Person ergeben war.
    Mit unverändert schwindelerregender Geschwindigkeit schob sich Seg den Bogen wieder über die linke Schulter und zog das Schwert.
    In der Absicht, die Aufmerksamkeit des Ungeheuers auf sich zu ziehen, brüllte er los und stürmte vorwärts.
    Das Schwert bewegte sich aufblitzend in seiner Hand.
    Ohne Milsi einen Blick oder ein Wort zu gönnen, rannte er an ihr vorbei. Mit jedem Instinkt war er auf das Gebilde konzentriert, das am Dschungelrand herumtobte. Die drei Pfeile hatten ihre Wirkung erzielt. Etwas anderes hätte Seg, ein Bogenschütze aus Loh, auch für völlig unmöglich gehalten – in dieser wie in jeder anderen Welt. Er hieb energisch mit dem Schwert herum und hackte dem Ungeheuer ein Stück Hals heraus. Ein Auge war noch funktionsfähig und versprühte Haß. Mit Erfolg nahm Seg es sich zum Ziel.
    Dann sprang er zurück.
    In Todeszuckungen wand sich das schuppige Ungeheuer am Boden. Groß wie ein Mensch, erhob es sich auf sechs Beine und erreichte Hüfthöhe. Der Kopf, der über spitze Kiefer und Zähne verfügte, zuckte von einer Seite auf die andere. Zweimal richtete es sich auf die vier Hinterbeine und ließ die Vorderklauen durch die leere Luft zucken.
    Aus der Tiefe des Waldes meldete sich eine laute Stimme: »Hai!«
    Das Schuppenwesen versuchte sich zu drehen, dann aber war der Blutverlust zuviel. Es stürzte. Es fiel in das karge Unterholz am Wegesrand, zuckte noch ein wenig und starb.
    Seg warf einen letzten abschätzenden Blick darauf, machte kehrt und eilte an Milsis Seite.
    »Dir ist nichts passiert, Seg?«
    »Nein, beim Verschleierten Froyvil! Ich bin froh, daß du unversehrt bist.«
    »Was ich nur dir zu verdanken habe. Ich gebe dir das Jikai.«
    »Aye!« bellte die Stimme, und der

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