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Roman

Roman

Titel: Roman
Autoren: Shari Low
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wie ihm der Pony ins Gesicht fiel. Ich glaubte, ich wäre genau die Richtige für den Mann. Ich hätte ihn mit meinem Lieblingsessen gefüttert (was ist an Fischstäbchen-Sandwiches auszusetzen?), ihm einen ordentlichen Haarschnitt verpasst und ihn anschließend besinnungslos geknutscht. Natürlich nur dann, wenn Tom Cruise und Val Kilmer nicht verfügbar gewesen wären.
    Ich stand auf und strich meinen violetten Ballonrock glatt. Zusammen mit dem passenden knallengen Oberteil hatte er mein halbes Taschengeldgespartes verschlungen, aber das war es mir wert. Selbst Ginger war neidisch, dabei hatte sie sich von dem Geld, das sie mit ihrem Samstagsjob im Fischladen verdiente, gerade erst ein neues Paar grüne Wildlederstiefel gekauft, knallpinkfarbene Stulpen und einen weißen Kunstlederrock, der nur knapp ihr Feuchtgebiet bedeckte. Wäre meine Tante Josie da gewesen, hätte sie Ginger eindringlich gewarnt: vor lebensbedrohlichen Erkältungskrankheiten und davor, durch bloßes Bücken in männlicher Gesellschaft ihre Jungfräulichkeit zu verlieren.
    Tante Josie, Dads Schwester, ist drei Jahre älter als er, weiß, was sie will, und lässt sich von ihm nicht die Butter vom Brot nehmen. Er hasst sie so sehr, wie ich sie liebe.
    Wie oft hatte ich mir schon gewünscht, bei der Verteilung des Nachwuchses würde noch mal neu gemischt und ich an Tante Josie vergeben! Aber leider waren mein Cousin Michael und meine Cousine Avril bei Josie gelandet, und ich hatte Dave und Della Cairney als Eltern abgekriegt – das Traumpaar in Sachen »Co-Abhängigkeit in Beziehungen«. Den Ausdruck hatte ich mal in einer alten Dallas -Folge gehört; er hatte mich ziemlich beeindruckt. Mary Crosby hat ihn benutzt, ehe sie durchgedreht ist und auf J.R. geschossen hat, und er trifft haargenau auf meine Mum und meinen Dad zu. Dad ist arrogant, egoistisch und nur mit sich selbst beschäftigt. Er verlangt von Mum, dass sie sich permanent um ihn dreht, und sie vergöttert ihn so, dass sie das tut. Wenn ich auch so werde, nahm ich mir vor, stelle ich mich neben J.R. und hoffe, dass Mary Crosby noch eine Kugel übrig hat.
    »Mist, ich glaube, meine Jeans sind in der Badewanne eingelaufen!«
    Ginger und ich starrten uns an, keiner von uns wagte die naheliegende Frage zu stellen.
    Nach einiger Zeit bemerkte Lizzy unsere Irritation. »Guckt, so hab ich das coole Design hingekriegt.« Sie zeigte auf die weißen Flecken im Stoff. »Man nimmt ein Paar gewöhnliche Jeans, dreht sie fest ein, legt sie in die Badewanne, kippt Bleichmittel drüber und lässt es über Nacht einwirken. Und am nächsten Morgen hat man dieses Ergebnis. Gott, ihr habt von Mode wirklich gar keine Ahnung!«
    Ginger verdrehte die Augen. »Ja, aber dafür sehen unsere Beine auch nicht aus, als hätten wir eine Pilzinfektion.«
    Lizzy ignorierte sie. »Könnt ihr mir mal helfen, den Reißverschluss hochzuziehen?«
    Sie lag nun flach auf dem Rücken und hatte einen Kleiderbügel durch das kleine Loch im Reißverschluss ihrer angeblich so trendigen Jeans gesteckt. Vor lauter Anstrengung war ihr Gesicht knallrot, was den Effekt ihrer Revlon Pressover Powder Foundation zu zerstören drohte. Ginger und ich gingen in Position: Ginger kniete sich breitbeinig über Lizzy, presste deren Hüften mit den Unterschenkeln zusammen, packte beide Seiten des Reißverschlusses, um sie mit aller Kraft zusammenzuziehen, während ich den Kleiderbügel umklammerte und für eine maximale Hebelwirkung eine Stellung wie beim Tauziehen einnahm.
    »Zieh!«, brüllte Ginger.
    Sie presste den Jeansstoff zusammen und verschaffte mir den Bruchteil einer Sekunde, um den Kleiderbügel hochzuziehen. Geschafft! Der Reißverschluss war zu. Daraufhin nahmen wir die Position für den nächsten Schritt ein. Wir stellten uns auf je eine Seite der noch auf dem Boden liegenden Lizzy, nahmen jeweils einen Arm und zogen sie in den Stand, ohne dass sie ein Körperteil bewegen musste.
    »Wetten, dass der Reißverschluss nicht hält«, prophezeite Ginger.
    »Ich schätze eher, dass die Naht am Po wieder nachgibt«, antwortete ich.
    Lizzy stöhnte. Öffentliche Erniedrigung Nr. 34 in diesem Jahr. Kurz nach der Nummer mit dem Absperrpoller und kurz bevor sie sich die Haare in Brand setzte, weil sie vergessen hatte, ihre Zigarette aus dem Mund zu nehmen, bevor sie sich in der Disco mit Haarspray besprühte, war ihre nagelneue schwarze Cordhose an der hinteren Naht aufgerissen, während sie in ihrer gewohnt lebhaften Art zu Suspicious

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