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Rolf Torring 125 - Der Unheimliche

Rolf Torring 125 - Der Unheimliche

Titel: Rolf Torring 125 - Der Unheimliche
Autoren: Hans Warren
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      1 . Kapitel  
      Auf dem Wege zum „Drachensee"  
     
      Seit drei Tagen wanderten wir durch den Tschan Pai Schan, den „weißen Gebirgszug", der sich an der koreanischen Grenze zwischen Mukden und Kirin hinzieht.  
      Kapitän Hoffmann hatte uns mit der Jacht bis Kin-tschou, dem Hafen von Mukden, gebracht. Von dort aus hatten wir die Eisenbahn benutzt. Später waren wir, nachdem wir uns die Stadt Mukden recht genau angesehen hatten, auf Rolfs Wunsch zu Fuß weitergereist.  
      Mein Freund wollte zum „Drachensee", der oben auf dem von Kalkstein weiß schimmernden Rücken des Tschan Pai Schan liegt.  
      Margolo, der „Fürst der Berge", (siehe Band 122 und 123 sowie Band 124), hatte uns kurze Andeutungen von einem Wesen, das er den „Unheimlichen" nannte, gemacht, ehe wir uns rasch trennen mußten. Das Wesen sollte in der Nähe von Kirin hausen.  
      Wir hatten beschlossen, uns dem „Unheimlichen" auf die Spur zu setzen, um zu ergründen, um was für ein Wesen es sich dabei handelte. Wenn wir im Gespräch mit Einheimischen im Laufe der nächsten Tage das Wesen nebenbei erwähnten, war uns stets der »Drachensee" genannt worden, an dem es zu Haus sein sollte.  
      Bis Kirin mußten wir rund 370 Kilometer zurücklegen, eine unheimlich weite Strecke, die in Europa oder den USA kein Mensch zu Fuß gehen würde. Rolf hatte „Gewaltmarsch" auf das Tagesprogramm geschrieben und hoffte, die Riesenstrecke in nur sieben Tagen zu bewältigen.  
      Der Tschan Pai Schan ist nur etwa 2 500 Meter hoch. Wir konnten also annehmen, daß wir mit nicht zu großer Nachtkälte zu rechnen hatten. Trotzdem hatten wir genügend Decken mitgenommen, um uns ein warmes Nachtlager bereiten zu können.  
      Professor Kennt, unser Reisebegleiter seit einiger Zeit, mit dem wir schon manches Abenteuer erlebt hatten, wollte uns bis Kirin begleiten.  
      Wir marschierten „unsern Stiefel weg", wie man zu sagen pflegt. Ich döste etwas vor mich hin, da ich die letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen hatte.  
      Plötzlich sahen wir, daß uns Pongo, der mit einem Zwischenraum von knapp fünfzig Metern die Spitze übernommen hatte, lebhaft zuwinkte. Er mußte etwas Merkwürdiges gesehen haben, sonst hätte er still auf uns gewartet. Wir beeilten uns, ihn einzuholen.  
      „Massers, drüben stehen Mann auf Bergkuppe. Massers Glas nehmen und hinschauen," sagte unser schwarzer Freund.  
      Wir blieben stehen und nahmen die Ferngläser an die Augen, denn mit bloßem Auge konnten wir auf der von Pongo bezeichneten Bergkuppe nur einen schwarzen Punkt erkennen, den wir nicht ohne weiteres für ein lebendes Wesen gehalten hätten.  
      Pongo hatte richtig beobachtet. Durch die Gläser erkannten wir einen Menschen, der ebenfalls ein Fernglas vor die Augen hielt und zu uns herüberblickte. Als er sah, daß wir ihn beobachteten, nahm er sein Glas herunter, ging einige Meter und verschwand. Obwohl wir eine ganze Weile warteten, tauchte der Mann nicht wieder auf. Wir wanderten weiter.  
      Nach zwei Stunden meinte Rolf:  
      „Wir können, wenn nicht alles täuscht, jetzt bald damit rechnen, daß wir mit dem Manne zusammentreffen, den wir vorhin auf der Bergkuppe sahen. Ich glaube, daß er uns entgegenkommt. Schaut mal zu Pongo hin: er geht auch schon viel vorsichtiger."  
      „Maha wird uns bestimmt rechtzeitig melden, wenn ein Mensch in unsere Nähe kommt," sagte Professor Kennt, ein sehniger Mann in den dreißiger Jahren, der aus Liebhaberei auf Forschungsreisen auszog, nachdem er ein Vermögen geerbt hatte. Seine besonderen Spezialgebiete waren Botanik und Zoologie. Daneben aber liebte er wie wir das Abenteuer an sich. Finanziell konnte er sich das leisten. Seinem Wesen nach paßte es zu ihm, durch die Welt zu wandern, ohne eigentliches Ziel, aber immer mit wachen Ohren und hellen Augen. Kennt war mutig und immer unverzagt, er hatte die ein wenig saloppe Art der Amerikaner an sich, die so gern zu verstehen geben, daß „ihnen die Erde gehört", übrigens war er der Sohn eines Gewehrfabrikanten und seit frühester Kindheit mit dem Gebrauch aller Schusswaffen vertraut. Schießen war sein besonderer Sport. Er schoß besser als mancher Artist, der sich Kunstschütze nennt, und hätte sein Geld jederzeit in einem Zirkus oder auf einer Varietebühne verdienen können.  
      Wir wanderten auf dem Kamm des Gebirges entlang.  
      Allmählich sank der Abend herab. Es wurde Nacht. Da aber der Mond

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