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Rolf Torring 115 - Kayser der Chinese korr

Rolf Torring 115 - Kayser der Chinese korr

Titel: Rolf Torring 115 - Kayser der Chinese korr
Autoren: Hans Warren
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      1. Kapitel  
      Nächtlicher Spuk  
     
      Ein leises Klopfen an der Kabinentür weckte Rolf und mich aus tiefem Schlafe. Zunächst glaubten wir beide, uns getäuscht zu haben, gleich darauf aber wiederholte sich das Klopfen. Ich sprang schnell auf, um zu öffnen.  
      Hoffmann, der Kapitän unserer Jacht, stand vor der Tür. Er sah kreidebleich aus und zitterte wohl auch etwas. Mühsam nur konnte er die Ruhe bewahren und stotterte ein wenig, als er hervorbrachte:  
      „Auf der Jacht oben spukt es, meine Herren!"  
      Das klang sehr geheimnisvoll.  
      „Es spukt?! Aber, Kapitän Hoffmann, wir sind doch keine Kinder. Mitten in der Nacht tischen Sie uns Ammenmärchen auf. Deshalb wecken Sie uns auch noch. Kommen Sie herein, wenn Sie schon mal da sind. Berichten Sie in Ruhe, was es gegeben hat!"  
      Ich führte Hoffmann in die Kabine. Inzwischen hatte sich auch Rolf vom Lager erhoben und lachte ihm aufmunternd zu, der sehr vorsichtig und fast ängstlich unsere Kabine betrat.  
      „Kommen Sie nur herein! Wir beißen auch im Schlafanzug und im Morgenmantel nicht!"  
      Hoffmann schien tatsächlich etwas erlebt zu haben, das ihn sehr verstört hatte. Da er wie alle Seeleute abergläubisch war, vermuteten wir sofort, daß er etwas gesehen hätte, das er sich nicht erklären konnte.  
      „Also, was gibt es, Kapitän Hoffmann?! Sie sind ja ganz aus dem Häuschen!" meinte Rolf, der sofort putzmunter war, obwohl ihn das Klopfen aus dem besten Schlafe gerissen hatte.  
      „Haben Sie ein Gespenst gesehen?" setzte ich hinzu und lächelte.  
      „Sie werden mich auslachen, ich weiß, aber ich habe es trotzdem genau gesehen."  
      „Daß Sie etwas gesehen haben, glauben wir Ihnen aufs Wort. Es fragt sich nur, ob das Es ein Gespenst gewesen ist!"  
      „Oben im Mast der Jacht sitzt der Klabautermann!"  
      Rolf und ich lachten schallend auf. Rolf konnte sich gar nicht so rasch wieder beruhigen, so daß unser Kapitän abwechselnd leichenblaß und brandrot wurde.  
      „Ich würde Sie doch nicht mitten in der Nacht wecken, meine Herren, wenn ich ihn nicht mit eigenen Augen gesehen hätte! Kommen Sie mit hinauf! Sie können sich selbst davon überzeugen!"  
      Rolf schaute mich von der Seite an. Es schien tatsächlich etwas passiert zu sein, daß uns Hoffmann aus dem schönsten Schlafe herausriß.  
      Wir waren auf der Fahrt nach Haiphong, wo wir am nächsten Morgen eintreffen wollten.  
      „Wir wollen uns den Klabautermann ansehen," entschied Rolf. „Wer weiß, was Sie für den Klabautermann angesehen haben!"  
      „Ich befürchte, daß wir auf dieser Fahrt noch etwas Besonderes, bestimmt nichts Angenehmes erleben werden."  
      „Wir sind nicht abergläubisch, Kapitän Hoffmann. Den Klabautermann werden wir einladen, zu uns herabzusteigen, damit wir ihn uns aus der Nähe betrachten können."  
      „Das dürfen Sie nicht, dann sind wir verloren!"  
      „Ach was, Unkraut vergeht nicht!"  
      Rolf zog sich rasch Hemd, Hose und Jacke an. Ich folgte seinem Beispiel. Wir schlüpften in leichte Segeltuchschuhe. Auf Strümpfe verzichteten wir. Die Nacht würde warm sein. Schon schritt Rolf zur kleinen Treppe, die nach oben führte. Ich ließ dem Kapitän den Vortritt, knipste das Licht in der Kabine aus und stieg hinter dem Kapitän die Treppe empor.  
      Oben angekommen, schauten wir sofort nach der Spitze des vorderen Mastes hinauf, auf die Hoffmann zeigte. Die Nacht war sternenklar, der Mond schien, trotzdem war es nicht allzu hell. Die Beleuchtung reichte aber aus, daß wir deutlich erkennen konnten, daß — niemand auf dem Maste saß.  
      William, unser Matrose, stand am Steuerrad und wußte nicht recht, ob er grinsen oder ängstlich dreinschauen sollte.Wir traten zu ihm auf die kleine Brücke, und Rolf fragte ihn, ob er den Klabautermann auch gesehen hätte.  
      William nickte.  
      „Da oben auf der Mastspitze saß er und blickte zu uns hinunter."  
      „Der Klabautermann?"  
    "Sicher!«
      „Vielleicht ist ein Schatten über den Mast gehuscht, oder ein Nachtvogel, der sich verflogen hat, hat sich einen Augenblick auf dem Mast niedergelassen. Einen Klabautermann gibt es doch gar nicht. Er gehört in das Reich der Fabelwesen, die nur im Märchen Existenzberechtigung haben!"  
      „Da bin ich anderer Ansicht, Sie gestatten schon, meine Herren," bekannte der Matrose freimütig.  
      „Macht euch nicht lächerlich," sagte Rolf, der

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