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Rolf Torring 108 - John Millners Geheimnis

Rolf Torring 108 - John Millners Geheimnis

Titel: Rolf Torring 108 - John Millners Geheimnis
Autoren: Hans Warren
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      1. Kapitel  
      Auf dem Barito-Fluss  
     
      „Dein Einfall, Rolf, auf dem Barito weiter ins Innere Borneos vorzudringen, war wirklich gut. Ich freue mich aufrichtig darüber," meinte ich zu meinem Freunde, der vor mir in einem schmalen Kanu saß und das Paddel gleichmäßig ins Wasser tauchte.  
      „Es ist mal was anderes, Hans," antwortete Rolf. »Auch ich bin sehr zufrieden, daß wir einmal die Ruhe der Landschaft und damit ihre unendliche Schönheit so recht genießen können. Hoffentlich gefällt es auch unserm Kapitän."  
      »Wie können Sie nur so fragen" ließ sich Kapitän Hoffmann vernehmen, der vor uns fast an der Spitze des Kanus saß und auch ein Paddel handhabte. "Ich wäre sehr unglücklich gewesen, wenn Sie mich in Bandjermasin auf der Jacht zurückgelassen hätten."  
      Der vierte Mann im Boot war selbstverständlich Pongo, unser schwarzer Freund, der am Heck des Kanus saß und die Hauptarbeit beim Rudern leistete.  
      Vor zwei Tagen waren wir in Bandjermasin gelandet. Dort hatte Rolf vorgeschlagen, in einem Kanu auf dem Barito ins Innere Borneos vorzudringen. Wir hatten kein bestimmtes Reiseziel und konnten deshalb tun und lassen, was wir wollten. Ich hatte Rolfs Vorschlag mit Begeisterung aufgenommen, und Kapitän Hoffmann bat uns so lange, die Fahrt mitmachen zu dürfen, bis Rolf lächelnd einwilligte.  
      So waren wir zunächst mit der Jacht etwa hundert Kilometer stromaufwärts gefahren und hatten uns dann in einer Eingeborenen-Niederlassung ein mittelgroßes Kanu gekauft, in dem wir vier bequem Platz hatten. Unser Steuermann John wollte durchaus auch mit, aber Rolf lehnte das entschieden ab, da er zum Schutze der Jacht zurückbleiben mußte. So fuhr John allein mit Li Tan, unserem kleinen Chinesenjungen, nach Bandjermasin zurück, wo er uns erwarten sollte. Auch Maha hatten wir zurückgelassen.  
      Wir waren nun schon zwei Tage unterwegs. Die Fahrt war herrlich, und ich wünschte im stillen, daß sie recht lange dauern würde. Was hatten wir nicht alles in den zwei Tagen gesehen! An vielen Niederlassungen waren wir vorüber gefahren, hatten einzelne Faktoreien, die Weißen gehörten, aufgesucht. Die meisten gewannen Gummi.  
      Fast zweihundert Kilometer waren wir auf die Weise schon den Barito hinaufgefahren. Mir gefiel die Flussfahrt in dem primitiven Kanu so gut, daß ich am liebsten noch tagelang so weitergefahren wäre. Überall wurden wir herzlich aufgenommen.Aber nirgendwo blieben wir lange, sondern fuhren stets nach kurzem Aufenthalte weiter.  
      „Ist das immer wechselnde Landschaftsbild nicht herrlich?" fragte ich nach vorn und fügte vorsichtig hinzu: „Wie weit fahren wir noch stromauf, Rolf?"  
      „Vielleicht ein oder zwei Tage," antwortete Rolf. „Die Erholung haben wir alle dringend nötig nach den letzten aufregenden Erlebnissen."  
      Ich freute mich über Rolfs Antwort und träumte still vor mich hin, dabei das kleine, leichte Paddel langsam durchs Wasser gleiten lassend.  
      Keiner von uns hatte zu einer längeren Unterhaltung Lust, da uns der Anblick des immer wechselnden Bildes, das sich vor uns und zu beiden Seiten auftat, völlig gefangen nahm. Ab und zu machte einer den andern auf etwas aufmerksam, dann aber verstummte das Gespräch rasch wieder.  
      Prächtiger, alter Urwald säumte die Ufer des Flusses. Er war so dicht, daß es unmöglich schien, in ihn einzudringen. Viele Tiere zeigten sich am Ufer, die wir gut beobachten konnten; keiner von uns dachte daran, den Frieden der Natur durch einen Schuß zu stören. Besonders gegen Abend kamen die Tiere zum Wasser gezogen, um zu saufen und zu baden.  
      Da wir uns reichlich mit Proviant versorgt hatten, konnten wir das Nachtlager immer da aufschlagen, wo es uns gefiel, und waren nicht darauf angewiesen, eine Eingeborenensiedlung oder den Bungalow einer Farm oder Faktorei zu suchen.  
      Die Nacht war bald wieder zu erwarten; deshalb schaute sich Pongo schon fleißig nach einem geeigneten Platz um. Als wir eine Krümmung des Flusses hinter uns gelassen hatten, sahen wir eine einsame Niederlassung vor uns liegen, eine Faktorei. Wir beschlossen, hier die Nacht zu verbringen.  
      Vom Anlegeplatz aus waren wir beobachtet worden. Neugierig standen ein paar eingeborene Arbeiter am Ufer, als wir einige Minuten später das leichte Kanu an Land zogen. Ein Weißer stand neben den braunen Gestalten, ein Hüne, der uns mit kritischen Blicken musterte. Im Urwald bedeutet

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