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Rolf Torring 087 - Der Krokodil-Gott

Rolf Torring 087 - Der Krokodil-Gott

Titel: Rolf Torring 087 - Der Krokodil-Gott
Autoren: Hans Warren
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      1. Kapitel Eine rätselhafte Erscheinung  
     
      Ich packte Rolfs Arm und preßte ihn heftig. Ich hatte nicht erwartet daß das seltsame Gerücht auf Wahrheit beruhen würde, aber jetzt sah ich das Unglaubliche mit eigenen Augen! Eine Halluzination war ausgeschlossen: ich war wach und spürte wie Rolfs Muskeln unter meinem Griff zuckten. Ich hörte den leisen, triumphierenden Ruf, den Sergeant Hollay von der Polizeistation in Nawanagar ausstieß.  
      Fünfzig Meter vor uns begann eine Wirrnis von Inseln verschiedener Größe. Sie lagen an der Südküste des Gulf of Cutch, waren dichtbewaldet und — wie uns der Sergeant versichert hatte — unbewohnt.  
      Aus dem schmalen Kanal zwischen zwei Inseln kam langsam ein Krokodil und schwamm an uns vorüber, einer anderen Inselgruppe zu, die rechts von unserem Lauscherposten hinter einem Felsblock lag.  
      Auf dem Krokodil aber — ritt ein alter Inder mit weißem Bart! Er trug ein helles Seidengewand und einen grünen Turban, das Zeichen, daß er der höchsten Priesterkaste der Brahmanen angehörte.  
      Als ich Rolfs Arm losgelassen hatte, kniff ich mich selbst tüchtig, spürte den Schmerz und wußte sicher, daß ich nicht träumte.  
      Der alte Inder saß dicht hinter den Vorderbeinen des Krokodils, das gerade den Rachen aufsperrte. Der Anblick war furchterregend.  
      Wie ein Spuk am hellen Tage glitt das eigenartige Reittier mit seinem Reiter an uns vorbei. Der Inder hatte ein schönes, strenges Gesicht, in dem große, dunkle Augen glühten. Er blickte nicht zu uns herüber, sondern sah starr nach vorn. Trotzdem hatte ich die Empfindung, daß er uns gesehen hatte.  
      Unwillkürlich duckte ich mich kurze Zeit hinter den Felsblock, der uns gegen das Meer hin Deckung bot. Als ich den Kopf vorsichtig hob, sah ich den Krokodilreiter in den Kanälen der rechts von unserem Standplatz liegenden Inselgruppe verschwinden.  
      Ruhig schwamm das Krokodil in einen der schmalen Kanäle hinein, die sich zwischen den Inseln hindurchzogen. Bald verdeckten die dichten Büsche der Inseln den Reiter und sein Reittier. Ich atmete auf.  
      „Meine Herren," sagte der Sergeant triumphierend, „jetzt haben Sie sich selbst davon überzeugt, daß das Phantom tatsächlich existiert. Was halten Sie davon?"  
      „Merkwürdig," meinte Rolf, indem er sich erhob, „ich verstehe nicht, weshalb Sie noch nichts zur Aufklärung der Sache getan haben, Herr Hollay. Sie sagten gestern abend, daß der Spuk schon lange existieren soll."  
      „Ganz recht, Herr Torring, aber ich habe ihn vor acht Tagen zum ersten Male gesehen und zur gleichen Zeit das heißt am Abend vorher etwas über ihn gehört. Da belauschte ich das Gespräch meiner indischen Diener, die sich über den Krokodilgott unterhielten. Ich nahm das Gespräch nicht ernst, obwohl meine Diener sagten, daß der Spuk seit Monaten an der Küste auftauchte. Am nächsten Morgen ging ich hierher, verbarg mich hinter dem Felsblock, und genau eine Stunde nach Sonnenaufgang erschien der seltsame Krokodilreiter."  
      „Weshalb haben Sie ihn nicht angerufen?" meinte Rolf. „Sie als Beamter hatten das Recht dazu."  
      „Herr Torring, Sie waren selbst überrascht, wie ich bemerkte," verteidigte sich der Sergeant. „Ich lag erstarrt hinter dem Felsblock, bis der spukhafte Gott verschwunden war, dann glaubte ich, daß meine Einbildungskraft mir einen Streich gespielt hätte. Ich dachte, daß mein langer Aufenthalt in den Tropen sich jetzt räche. Durch die Erzählungen der Diener war meine Phantasie so angeregt, daß ich das Gehörte selbst zu erblicken glaubte, dachte ich. Kleinlaut ging ich nach Hause und überlegte, ob ich mein Pensionierungsgesuch einreichen solle. Am Tage darauf ging ich noch einmal hierher und erlebte wieder den Spuk. Ich überlegte, ob ich eingreifen könne, sagte mir aber, daß ich dazu kein Recht habe, denn es störe keinen Menschen, wenn hier ein alter Inder auf einem Krokodil spazieren ritt. Deshalb rief ich meinen alten Vorgesetzten und Gönner, den Colonel Lesley in Ahmadabad, an und teilte ihm die Sache mit. Der Colonel sagte mir, ich solle nichts unternehmen, da Sie gerade bei ihm seien und es Ihnen sicher Freude machen würde, sich um die Angelegenheit zu kümmern."  
      „Ich muß gestehen, daß ich mit großen Zweifeln hergekommen bin," meinte Rolf. „Wenn mir der Colonel nicht versichert hätte, daß Sie ein ernster, tapferer und zuverlässiger Mann seien, hätte

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