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Rolf Torring 073 - Der Würger

Rolf Torring 073 - Der Würger

Titel: Rolf Torring 073 - Der Würger
Autoren: Hans Warren
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      1. Kapitel Ein verzweifelter Vater  
     
      „... meine letzte Hoffnung. Sie allein, meine Herren, können vielleicht in das Geheimnis eindringen und meine Kinder retten. Sie kennen Indien so genau, daß es Ihnen gelingen ..."  
      Henry Norton brach erschrocken mitten im Satz ab und sprang auf. Wir blieben ruhig sitzen, denn wir wußten sofort, daß nur Pongo, der sich vor zehn Minuten geräuschlos von der Veranda des Bungalows entfernt hatte, der Urheber der allerdings etwas unheimlich klingenden Geräusche sein konnte.  
      Unterhalb der breiten Balustrade, die mit blühenden Blumen bestanden war, ertönte das Brechen der Zweige, das Stampfen und Schlagen und zuletzt ein ersticktes Gurgeln, das rasch erstarb.  
      Nach wenigen Augenblicken stieg Pongo die Stufen der Veranda empor. Unter dem rechten Arm trug er den Körper eines Inders, der nur mit einem dunklen Lendenschurz bekleidet war.  
      Pongo legte den Reglosen auf den Boden und sagte ruhig:  
      „Pongo hören, daß Inder sich anschleichen. Ihn packen im Gebüsch. Inder sich mit Dolch verteidigen. Hier!"  
      Er legte einen Dolch, dessen Griff aus einem Halbedelstein bestand, vor uns auf den Tisch.  
      Henry Norton starrte den bewußtlosen Inder entsetzt an, dann sagte er tonlos:  
      „Das ist Rhasu, der Aufseher meiner Transportarbeiter. Er ist bereits seit drei Jahren bei mir und hat sich stets fleißig und treu gezeigt. Ich kann mir nicht denken, weshalb er uns belauschen wollte. Ob sich Pongo vielleicht geirrt hat?"  
      „Wenn Rhasu in harmloser Absicht gekommen wäre, hätte er sich nicht mit dem Dolch zu verteidigen brauchen. Außerdem sagt Pongo, daß er sich angeschlichen hat. Weiter kann ich nicht begreifen, wie ein Aufseher zu einem so kostbaren Dolche kommt," sagte Rolf ruhig. „Ferner ist er dadurch überführt, daß er das dunkle Lendentuch trägt. Das werden Sie noch nie an ihm gesehen haben."  
      „Das gebe ich zu," sagte Norton. „Er wollte auf keinen Fall gesehen werden. Aber was mag er für einen Grund gehabt haben, uns zu belauschen?"  
      „Irgendwie hängt er bestimmt mit dem Verschwinden Ihrer Kinder zusammen," sagte Rolf. „Wenn er nicht selbst der Täter ist, so spielt er für ihn vielleicht den Aufpasser. Unser Besuch erschien ihm verdächtig, zumal Sie uns erst in der Dunkelheit abholten und ins Haus brachten."  
      Norton machte eine Bewegung, als wollte er sich auf den Bewußtlosen stürzen. Als Rolf ihn mit festem Griff zurückhielt, knirschte er:  
      „Herr Torring, lassen Sie mich! Er soll gestehen, ob er Maud und Jackie verschleppt hat!'  
      „Im Augenblick kann er nichts gestehen," sagte Rolf mit überlegener Ruhe. „Pongo hat ihn für einige Zeit ausgeschaltet. Wir wollen ihn lieber fesseln, damit er beim Erwachen keine Dummheiten machen kann."  
      „Ich hole Schnur," rief Norton und eilte ins Haus. Wir blieben sitzen und betrachteten den großen Mann, der sich selbst verraten hatte. Da erklang aus dem Hause ein schwacher Hilferuf, dann ein dumpfes Poltern. Pongo flog an uns vorbei ins Haus, und als wir auf die Schwelle von Nortons Arbeitszimmer traten, sahen wir ihn bereits über den Hausherrn gebeugt, der vor seinem Schreibtisch am Boden lag.  
      Norton war niedergeschlagen worden, wie eine starke Anschwellung an seiner Stirn bewies. Die Fächer seines Schreibtisches standen offen und waren offensichtlich hastig durchwühlt worden.  
      Er erwachte bald aus seiner Betäubung, blickte verwirrt um sich und sagte stöhnend:  
      „Als ich das Zimmer betrat, um aus meinem Schreibtisch eine feste Schnur zu holen, sah ich eine große, dunkle Gestalt, die in einer Schublade wühlte. Ich sprang rasch hinzu, da schnellte der Eindringling herum. Im nächsten Augenblick erhielt ich einen Hieb gegen den Kopf, daß ich sofort zusammenknickte."  
      „Haben Sie den Mann erkannt?" forschte Rolf.  
      „Nein, Herr Torring! Es war ein Inder mit großen, glühenden Augen. Wie Rhasu trug er ein dunkles Lendentuch."  
      „Rhasu," rief Rolf erschrocken, „er ist allein zurückgeblieben. Schnell, wir müssen nach ihm sehen!"  
      Pongo sprang uns voraus. Norton folgte uns, noch immer etwas taumelnd.  
      Rolfs Befürchtungen erwiesen sich leider als nur zu berechtigt. Als wir die Veranda erreichten, sahen wir noch, wie Pongo mit mächtigem Satz in den Garten hinab sprang — Rhasu war verschwunden ! Ob er bereits aufgewacht und selbst geflohen war oder

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