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Rolf Torring 039 - Auf der Flucht

Rolf Torring 039 - Auf der Flucht

Titel: Rolf Torring 039 - Auf der Flucht
Autoren: Hans Warren
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erwarten, daß sie jetzt ebenfalls schnell zurückkommen würden, denn sie konnten sich denken, daß wir gewarnt waren, wenn wir uns in der Nähe befunden hatten. Und es war sehr fraglich, ob sie bis zum Morgen auf der Lichtung bleiben würden.
    Rastlos legten wir Kilometer auf Kilometer zurück. Wir waren der Patrouille wirklich herzlich dankbar, daß sie uns einen so schönen Weg gebrochen hatte. Etwas hatten wir wohl auch die Entfernung unterschätzt, denn es war fast Mitternacht, als wir auf Pongos leisen Zuruf stehen bleiben mußten.
    „Massers, Libatta vor uns, Pongo riechen," flüsterte er.
    „Libatta" ist bekanntlich die Bezeichnung der Kongoneger für ihre Dörfer. Daß aber unser Pongo ein solches einfach riechen könnte, hatte ich auch nicht geglaubt.
    Doch als wir uns jetzt hinter ihm sehr vorsichtig vorschlichen, kamen wir plötzlich auf eine weite Lichtung, auf der sich, vom Mondlicht hell überflutet, tatsächlich ein großes Dorf befand.
    Aber noch etwas anderes entdeckten wir, das uns mit größter Freude erfüllte. Die Lichtung stieß mit ihrem gegenüberliegenden Rand nicht wieder an Wald, wie ich eigentlich erwartet hatte, sondern — an den Tanganjika-See.
    Immer noch stand Pongo still, blickte aber mehrmals zum Himmel empor und raunte dann leise:
    „Mond gleich verschwinden, dann an See gehen."
    Er hatte recht. Eine mächtige Wolkenwand hatte sich emporgehoben, und der Mond mußte bald hinter ihr verschwunden sein. Dann konnten wir das Dorf bequem umgehen und versuchen, am Ufer ein Kanu zu „beschlagnahmen".
    Endlich war es soweit. Kaum war das Licht von der freien Fläche vor uns verschwunden, als Pongo uns auch vorwärtszog. Wir hatten uns jetzt wieder gegenseitig angefaßt, denn der plötzliche Wechsel vom hellen Licht zum tiefen Dunkel war unseren Augen noch zu ungewohnt.
    Pongo aber fand mit untrüglicher Sicherheit seinen Weg, und bald hörten wir das leise Plätschern der Wellen dicht vor uns. Bald hatte der schwarze Riese auch ein Kanu gefunden und kletterte leise hinein. Ruder lagen in genügender Anzahl auf dem Boden des primitiven Fahrzeuges, und als wir ebenfalls eingestiegen waren, trieb Pongo das Kanu leise auf den See hinaus.
    Natürlich gebrauchten wir die Ruder erst, als wir genügend weit vom Dorf entfernt waren, um nicht gehört zu werden.
    „Schade," sagte ich jetzt, wir hätten ruhig die anderen Kanus auch mitnehmen oder versenken sollen. Damit hätten wir eine Verfolgung durch die Dorfbewohner unmöglich gemacht."
    „Das wäre völlig falsch gewesen," sagte Rolf sofort, „denn der Zufall hätte es bringen können, daß das Verschwinden sämtlicher Boote bald bemerkt worden wäre. Ich glaube, dann hätten wir bestimmt ein Flugzeug der Belgier hinter uns hergehabt. Das Verschwinden des einzelnen Kanus wird aber erst morgen bemerkt werden, und dann sind wir ja schon beinahe drüben."
    Wir hatten, unserer Schätzung nach, ungefähr vierzig Kilometer bis zum anderen Ufer zurückzulegen. Und wir mußten uns jetzt schon kräftig anstrengen, um möglichst bei Anbruch des Tages am anderen Ufer zu sein.
    Etwas ungewohnt war uns ja das Rudern, und nach der ersten Stunde glaubte ich manchmal, nicht mehr weiter zu können. Aber die Energie ließ mich die Schwäche des Körpers bald überwinden, und endlich taten meine Arme rein mechanisch ihren Dienst weiter.
    Endlich brach der Morgen herein. Wir waren jetzt wenigstens vierzig Kilometer von dem feindlichen Dorf entfernt, aber noch sahen wir das andere Ufer nicht. Rolf meinte, daß der Tanganjika an seiner breitesten Stelle ungefähr siebzig Kilometer breit sei.
    Aber wir konnten uns ungefähr berechnen, daß wir einen bedeutend kürzeren Weg hatten. Und endlich, nachdem wir wieder ungefähr eine Stunde gerudert hatten, deutete Pongo nach vorn und rief:
    „Massers, Land!"
    Undeutlich bemerkten wir in weiter Ferne einen dunklen Strich, und sofort schienen wir neue Kräfte zu gewinnen. Denn das Kanu erhöhte seine Geschwindigkeit beträchtlich. Und nach einer weiteren Stunde konnten wir schon deutlich das Ufer erkennen.
    Beinahe hätte aber unsere Flucht doch noch ein schlimmes Ende genommen. Wir achteten garnicht so recht auf unsere Umgebung, sondern blickten immer nach dem Ufer, das für uns die Rettung nach den größten Gefahren bedeutete. Pongo, der an der Spitze des Fahrzeuges stand, zuckte plötzlich zusammen, dann gab er dem Kanu mit gewaltigem Ruck eine andere Richtung und rief:
    „Achtung, Massers, Matomombo."
    Wir

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