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Rolf Torring 006 - Kapitaen Larrins Entlarvung

Rolf Torring 006 - Kapitaen Larrins Entlarvung

Titel: Rolf Torring 006 - Kapitaen Larrins Entlarvung
Autoren: Hans Warren
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1. Kapitel Im Taifun

    „Das ist kein schwerer Sturm, der da kommt, das ist ein Taifun. In einer halben Stunde ist er hier. Dann gnade uns Gott!"
    Diese Worte hatte Kapitän Larrin, der Besitzer des kleinen Schoners, auf dem wir uns befanden, gerufen. Wir hatten das Schiff am Strande einer kleinen Bucht herrenlos aufgefunden und unter dem Zwang uns verfolgender Bata einfach in Besitz genommen. Später, als wir schon unterwegs waren, fanden wir in einem Geheimversteck den Kapitän an Händen und Füßen gebunden auf. Er erzählte uns, daß seine Leute gemeutert hätten und ihn dem Hungertode überliefern wollten. Mehr sagte er nicht. Zu einer richtigen Aussprache war es nachdem auch nicht mehr gekommen, da uns das Unwetter überraschte. Vieles war noch zu klären, so zum Beispiel das Vorhandensein einer Geheimkajüte, die wie ein Damenboudoir ausgestattet war.
    Jetzt aber hieß es für uns zunächst, den Kampf mit dem Taifun aufzunehmen. Ein Taifun!
    Dieses Wort hat für jeden Seemann einen schrecklichen Klang. Selbst der Kapitän des größten Ozeanriesen weicht dieser gewaltigen Naturkatastrophe gern aus. Und wir befanden uns nur auf einem kleinen Schoner, der nicht einmal genügend bemannt war. Die ganze Besatzung bestand augenblicklich aus dem Kapitän Larring, meinem Freund Rolf, unserem treuen Pongo und mir. Zwar war das Schiff sehr stabil gebaut und hatte wohl auch schon manchen Sturm ausgehalten, aber einem Taifun gegenüber blieb es doch nur eine „Nußschale". Unsere einzige Rettung bestand wohl in dem starken Dieselmotor, denn an ein Setzen der Segel war nicht zu denken. Sie wären wie morsche Lappen im Sturm zerrissen. Ich eilte hinunter in den Maschinenraum. Zwar wäre ich lieber an Deck geblieben, um am Ruder gegen die Naturgewalten mitzukämpfen, aber ebenso wichtig war der Posten im Maschinenraum, so entsetzlich auch die Aussicht war, ihn nicht wieder verlassen zu können, falls der Schoner plötzlich absacken sollte.
    Der Motor arbeitete schon mit halber Kraft. Ich stellte aber sogleich den Gashebel vor, und der gute Diesel trieb sofort den Schoner mit doppelter Geschwindigkeit nach Südosten.
    Mich hielt es jedoch nicht lange unter Deck, ich mußte sehen, wie es oben stand. Im Augenblick war ja meine Anwesenheit im Maschinenraum nicht so sehr notwendig, erst wenn uns der Taifun gepackt hatte und die Schraube infolge des hohen Seeganges oft in der Luft herumwirbeln würde, hieß es für mich scharf aufzupassen und den Motor richtig zu bedienen.
    Ich steckte den Kopf durch die Luke und blickte zurück. Da erschrak ich. In den wenigen Minuten hatte sich der Himmel völlig verändert. Das schweflige Gelb war einem tiefen, drohenden Blauschwarz gewichen, und nur an einer Stelle blinkte in dieser dunklen Wand ein helles, fast kreisrundes Loch, von dessen Rändern oft zackige Strahlen das unheimliche Schwarz durchzuckten. Das Meer schimmerte wie graues Blei, und nur jene Strahlen warfen ihren Widerschein über die kaum bewegte Fläche. Die schwarze Himmelswand breitete sich mit unheimlicher Geschwindigkeit aus. Es wurde dunkel um uns. Dann zuckten plötzlich die ersten Blitze auf, denen brüllend der Donner folgte. Es krachte und rollte ringsum. Dann tat sich der Himmel auf. Ein wolkenbruchartiger Regen setzte ein. Mit ihm kam der Sturm. Ein hohles Brausen und Sausen erfüllte die Luft. Und dann türmte es sich hinter uns auf. Die erste große Woge, der erste Wellenberg raste heran und hob unser kleines Schiff wie einen Spielball hoch, um es im nächsten Augenblick wieder in die Tiefe schießen zu lassen. Ich flog die Treppe hinunter, denn jetzt mußte ich mich beeilen. Hinter mir schloß sich der Lukendeckel. Das Schiff wurde förmlich vorwärts gerissen, so daß der Motor kaum so schnell arbeiten konnte. Mühsam tastete ich mich in den Maschinenraum zurück. Überall mußte ich mir Halt suchen, um nicht wie ein Stück Holz herumgeschleudert zu werden.
    Aus dem Sprachrohr drangen von oben wirre Töne, der Widerhall des Tobens der entfesselten Elemente. Dazwischen vernahm ich die brüllende Stimme meines Freundes.
    „Achtung, aufpassen - immer Vollgas!" Das war leicht gesagt, aber für mich hieß es erst einmal, in die Nähe des Motors zu kommen und dort einen Halt zu finden, um nicht in die arbeitende Maschine geworfen zu werden.
    Endlich gelang mir dies, und ich erfaßte den Gashebel. Mochte nun kommen, was wollte, ich war entschlossen, bis zum letzten Augenblick auf meinem Posten auszuharren.
    Das

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