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Raumschiff 5 - Carialle

Raumschiff 5 - Carialle

Titel: Raumschiff 5 - Carialle
Autoren: Anne McCaffrey
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KAPITEL 1
    Die eisenverstärkte Tür am Ende des schmalen Ganges öffnete sich knarrend. Ein uralter Mann spähte hervor und blickte Keff mit runzligen Augen an. Keff wußte, was der Alte da vor sich sah: einen reifen Mann, nicht allzu großwüchsig, dessen welliges braunes Haar erst jetzt von weißen Strähnen durchschossen wurde, eine gutmütige und doch stierähnliche Stirn, darunter tiefliegende blaue Augen; eine Nase, deren zerklüftete Form anzudeuten schien, daß sie möglicherweise –
    vielleicht aber auch nicht? – irgendwann einmal in der Vergangenheit gebrochen worden war; dazu ein von
    Lachfältchen eingerahmter Mund, der den Eindruck eines zwar zählebigen, aber von seinem Wesen her doch gütigen, sanften Mannes unterstrich. Zwar trug er einen schlichten Kittel, dafür an der Seite aber einen Degen; er trug ihn mit jener Lässigkeit, wie sie nur besaß, wer den Degen auch zu benutzen verstand.
    Der Alte trug die ungestalten Kleider eines Menschen, dem es im Leben nur noch um Wärme und Bequemlichkeit ging. Sie musterten einander einen Augenblick. Keff neigte leicht den Kopf zum Gruß.
    »Ist dein Gebieter zu Hause?«
    »Ich habe keinen Gebieter. Troll dich dorthin, wo du hergekommen bist«, bellte der Alte mit funkelnden Augen.
    Keff begriff sofort, daß er es nicht mit einem Dienstboten zu tun hatte – er hatte soeben den Hochhexer Zarelb persönlich beleidigt! Er spannte die Schultern und machte sich auf das Schlimmste gefaßt, bemühte sich aber nach wie vor, freundlich und unbedrohlich zu wirken.
    »Nein, Herr«, sagte Keff. »Ich muß mit dir sprechen.« Nur wenige Zoll von seinen Füßen entfernt krochen Ratten über die Türschwelle und huschten die Wände entlang durch die Gosse.
    Es war ein widerlicher, abstoßender Ort, doch Keff mußte an seinen Auftrag denken.
    »Troll dich«, wiederholte der alte Mann. »Ich habe nichts für dich.« Er versuchte, die schwere, verstärkte Tür zu schließen.
    Keff schob seinen gepanzerten Unterarm in die sich
    schließende Spalte und hielt sie auf. Der alte Mann wich einen Schritt zurück; in seinen Augen stand die Angst geschrieben.
    »Ich weiß, daß du die Schriftrolle von Almon besitzt«, sagte Keff, um einen sanften Tonfall bemüht. »Die brauche ich, ehrwürdiger Herr, um das Volk von Harimm zu retten. Bitte, gib sie mir, Herr. Ich werde dir kein Arg tun.«
    »Also gut, junger Mann«, erwiderte der Hexer. »Wenn du mir schon drohst, werde ich dir die Schriftrolle geben.«
    Keff entspannte sich ein wenig. Innerlich mußte er grinsen.
    Da bemerkte er ein Glitzern im Auge des alten Mannes, das sich auf einen Punkt hinter Keffs Schulter gerichtet hatte. Keff fuhr auf dem Absatz herum, peitschend schoß sein schmaler Degen aus der Scheide hervor. Die beleuchtete Spitze spiegelte das Schimmern in den Augen und auf den Schwertklingen der drei Grobiane wider, die hinter ihm auf die Straße getreten waren. Er steckte in der Falle.
    Einer der Grobiane zeigte ihm mit breitem Grinsen seine schwarzen Zahnstummel. »Hast du noch etwas vor,
    Söhnchen?« fragte er.
    »Nur, meine Pflicht zu tun«, erwiderte Keff.
    »Holt ihn euch, Jungs!«
    Mit hoch erhobener Waffe griff der Grobian an. Keff parierte sofort den Hieb des Mannes und setzte nach, schlug ihm mit einem raffinierten Schlenker seiner schmalen Klinge die Waffe aus der Hand, daß die Brust seines Gegners nun ungedeckt und angreifbar war. Er machte einen Satz, stieß mit der Klinge nach dem Herzen seines Feindes. Der Mann wich mit mehr Hast als Anmut zurück, spie aus, fing sich wieder und ging erneut zum Angriff über, wobei ihm die beiden anderen diesmal folgten. Keff wurde zum Wirbelwind, parierte, stieß nach, schlug zu, wehrte die drei Männer ab. Ein Hieb seiner Gegner verfehlte sein Ziel nur um Haaresbreite, und die Klinge fuhr dicht an Keffs Wange vorbei die Wand entlang. Keff machte einen erneuten Satz und parierte im letzten
    Augenblick, bevor der andere ihn durchbohren konnte.
    »Trefflich!« rief er und ging mit tänzelnder Bewegung wieder zum Angriff über. »Nimm dies!«
    Er stieß zu, und die heiße Spitze seines Degens bohrte sich dem Anführer der Grobiane mitten in die Brust. Der Leichnam sank zu Boden, dann verschwand er.
    »Da!« rief Keff und ließ den Degen hin und her sausen, schrieb mit weißem Licht ein Z in die Luft. »Ihr seid nicht unbesiegbar. Ergebt euch oder sterbt!«
    Keffs neugefundene Kraft schien die beiden verbliebenen Grobiane zu verwirren, und so kämpften sie nur

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