Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Rache: Die Eingeschworenen 4

Rache: Die Eingeschworenen 4

Titel: Rache: Die Eingeschworenen 4
Autoren: Robert Low
Ads
Krähenbein ihn vor, » mein Mann am Bug.«
    Eher wohl Wladimirs Mann, dachte ich, als dieser Aljoscha wie ein Wachhund in Krähenbeins Nähe blieb. Zweifellos hatte der fünfzehnjährige Prinz von Nowgorod ihn beauftragt, seinen kleinen Waffenbruder sowohl zu beobachten als auch zu beschützen. Sie waren wie junge Raubtiere, die Prinzen Wladimir und Olaf Krähenbein, und im Vergleich zu ihnen kam ich mir vor wie ein Greis.
    Die Halle war gedrängt voll an dem Abend, als wir den jungen Krähenbein und seine Mannschaft mit Pferde- und Schweinebraten und Bier bewirteten und die Asen anriefen, denn in Hestreng waren wir nach wie vor keine Christen, und meine Halle war noch immer ungeteilt, wie es bei einem Jarl üblich war, obwohl ich mir alle Mühe gab, das zu ändern. Dennoch, wie ich Krähenbein erzählte, der weiße Christus war überall, sodass der Pferdehandel ausstarb– die Christen hielten keine Pferdekämpfe ab, und Pferdefleisch aßen sie auch nicht.
    » Geh auf Raubzug«, erwiderte er, und es klang, als hielt er mich für nicht ganz gescheit, dass ich noch nicht selbst daran gedacht hatte. Dann grinste er. » Ach, das hatte ich ganz vergessen– du brauchst ja jetzt dem Tier an deinem Bug nicht mehr zu folgen, mit all deinem Silber, das du im Mondschein vergraben hast.«
    Ich antwortete nicht; der junge Krähenbein hatte einen gesunden Appetit auf Silber entwickelt, seit er dahintergekommen war, dass man damit Schiffe und Männer bezahlen konnte. Und er brauchte Schiffe und Männer, um König von Norwegen zu werden, und ich wollte nicht, dass er nach meinen vergrabenen Schätzen schnüffelte– er hatte seinen Anteil an Attilas Silber erhalten. Dieser Schatz war hart erworben, und ich war mir immer noch nicht sicher, ob nicht ein Fluch darauf lag.
    Ich hob mein Trinkhorn und brachte einen Spruch auf den toten Sigurd aus, Krähenbeins silbernasigen Onkel, der für den Jungen wie ein Vater gewesen war und außerdem Wladimirs Druschina befehligt hatte. Krähenbein, der auf der hohen Gästebank neben mir saß, tat es mir gleich. Seine Beine waren noch zu kurz, um sie wie ein Mann auf die Steine zu setzen, die Betrunkene und Kinder davor schützten, in die Feuerstelle zu fallen.
    Seinen Männern gefiel der Trinkspruch auf Sigurd ebenfalls, und sie stimmten aus voller Kehle ein. Es waren Thors und Freyas Männer, die Pferdefleisch aßen; große, starke Männer mit schwieligen Händen und Muskeln wie Walrossbullen, die sie vom Rudern und vom Schwertkampf bekommen hatten. Sie hatten riesige Bärte und laute Stimmen, die um die Wette prahlten, während ihnen das Bier über die Brust lief. Ich merkte, wie Finn mit geblähten Nasenflügeln wohlig den Salzgeruch und die Ausstrahlung nach Krieg und Meer in sich aufsog, die diese Männer mitbrachten.
    Einige trugen seidene Tuniken und weitere Hosen als die anderen, und sie trugen krumme Schwerter, aber das war nur die neue Sitte der großen Städte des Gardariki. Bis auf Aljoscha gehörten sie nicht zu den Halbslawen, die sich Rus nennen. Es waren alles echte Schweden, junge Ruderwölfe, die Krähenbein auf all seinen Raubzügen gefolgt waren und dem Jungen selbst bis in Hels Halle folgen würden, wenn er dorthin ginge– und Aljoscha stand ihm zur Seite, wenn vernünftige Entscheidungen getroffen werden mussten.
    Krähenbein bemerkte, wie ich sie betrachtete, und war erfreut über das, was er in meinem Gesicht las.
    » Ja, es sind tapfere Männer«, lachte er, und ich zuckte so zurückhaltend wie möglich mit den Schultern und wartete darauf, dass er mir endlich erzählte, warum er mit seinen tapferen Männern hier war. Alle Höflichkeiten, die freundlichen Gesichter, unsere Bewirtung– alles lief auf diese Frage hinaus.
    » Es ist sehr aufmerksam von dir, an meinen Onkel zu denken«, sagte er, nachdem er einige Zeit mit seinen Stiefeln beschäftigt gewesen war. Die Halle war voll Lärm, und die vom Mief aus Schweiß und Rauch geschwängerte Luft war dicker als das Brett, auf dem wir saßen. Kleine Knochen flogen durch die Luft, gefolgt von brüllendem Gelächter, wenn sie ihr Ziel trafen.
    Er machte eine Pause, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, und strich über seine Zöpfe.
    » Ich will dir den Grund sagen, warum ich gekommen bin«, sagte er mit lauter Stimme, um zu mir durchzudringen. Er hatte noch immer diese hohe Kinderstimme, aber ich verzog keine Miene, ich hatte schon vor langer Zeit bemerkt, dass Krähenbein nicht das Kind war, das er zu sein schien.
    Als

Weitere Kostenlose Bücher

Das Geheimnis
Das Geheimnis von Laura Joh Rowland
Le Roi de l'hiver
Le Roi de l'hiver von Bernard Cornwell
Murray, Paul
Murray, Paul von An Evening of Long Goodbyes
Teuflische Stiche
Teuflische Stiche von Manfred Brüning