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Rache: Die Eingeschworenen 4

Rache: Die Eingeschworenen 4

Titel: Rache: Die Eingeschworenen 4
Autoren: Robert Low
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schwere Silberringe eingeflochten waren. Ich hätte gewettet, dass er sich mehr als alles andere einen Bart wünschte.
    Er trug Rot und Blau, mit einem schweren Silberband an jedem Arm und einem dritten, dem drachenköpfigen Jarlsring des Anführers, um den Hals. Er hatte ein Schwert, das speziell für ihn geschmiedet worden war und seiner Größe entsprach, es steckte in einer Scheide mit Schlangenmuster, oben und unten mit Bronze beschlagen. Er hatte einen weiten Weg zurückgelegt in den drei Jahren, seit ich ihn von dem Halsring befreit hatte, mit dem er am Scheißhaus eines Plünderers namens Klerkon angekettet gewesen war.
    Ich sprach diesen Gedanken aus, und er lächelte still, dann meinte er, er sei nicht so weit gekommen wie ich, denn er sei von Anfang an schon ein Prinz gewesen, während ich von einem unbekannten, arglosen Jungen zum Jarl der legendären Eingeschworenen aufgestiegen sei. Damit bewies er, welch artige Sprache und glatte Manieren er am Hofe des jungen Wladimir gelernt hatte.
    » Ein feines Schiff«, bemerkte ich, als seine Männer in voller Rüstung hereinstolziert kamen und die besten Plätze am Feuer beanspruchten.
    Stolzgeschwellt erklärte er: » Es heißt Kurze Schlange. Dreißig Ruderer auf jeder Seite, daneben noch Platz für viele weitere Männer.«
    » Kurze Schlange?«, fragte ich.
    Er sah mich todernst an. » Ich werde ein noch größeres Schiff haben«, erwiderte er. » Das wird Riesenschlange heißen und das beste Langschiff sein, das man je gesehen hat.«
    » Dann ist Hestreng vermutlich für einen Strandhogg vorgesehen?«, fragte ich trocken, denn der Ruhm dieses Jungen hatte sich bereits über sämtliche Hallen der gesamten Ostseeküste ausgebreitet, wo er das ganze Jahr über Strandhoggs angeführt hatte, die immer nach dem gleichen Prinzip abliefen: zuschlagen und so schnell wie möglich abziehen.
    Krähenbein schüttelte den Kopf, dass die Ringe in seinen Zöpfen klirrten, und plötzlich bemerkte ich, dass es gar keine Ringe waren, sondern Münzen, durch die man Löcher gebohrt hatte. Als Krähenbein sah, dass ich es bemerkt hatte, grinste er. Er suchte in seinem Beutel und förderte eine weitere Münze zutage, eine unbeschädigte, die er mir mit kunstvollem Schwung zuwarf, bis ich sie in meiner Faust verschwinden ließ.
    » Diese Münze habe ich zusammen mit ihren Brüdern und Vettern den Händlern abgenommen, die nach Kiew wollten«, sagte Krähenbein, immer noch grinsend. » Das werden wir so lange weitermachen, bis Jaropolk die Luft ausgeht.«
    Ich sah die Münze an– ein Blick genügte, denn geprägtes Silber war so selten, dass ich alle Münzen kannte, die an der Ostseeküste auftauchten. Diese war römisch und frisch geprägt, man nannte sie milaresion, und sie enthielt nicht so viel Silber wie ihre älteren Verwandten, die aus Konstantinopel kamen, der Großen Stadt, auch Miklagard genannt. Die Münzen, die Krähenbein in seine Zöpfe geflochten hatte, waren goldene nomisma, von denen zweiundsiebzig ein römisches Pfund ausmachten, und wie ich sah, den Kopf von Nikephorus trugen. Die Münze musste also sehr neu sein.
    Darauf wies ich ihn hin, indem ich die Münze zurückwirbeln ließ, und er grinste, von meinem Geschick beeindruckt. Wenn es um Münzen ging, hatte aber auch er ein besonderes Geschick, denn mit der Rückendeckung Wladimirs, des Prinzen der Rus in Nowgorod, der ihn mit Schiffen und Männern versorgte, war er die gesamte Ostseeküste entlang auf Raubzug gewesen, um die Position Wladimirs gegenüber seinen Brüdern Jaropolk und Oleg zu stärken. Sie führten nicht offen Krieg gegeneinander, diese drei Brüder aus Kiew, der Stadt, die wir Känugard nannten, aber es war nur eine Frage der Zeit, wann sich das ändern würde, und inzwischen wurden die Handelswege ihrer Länder verwüstet.
    Dieser Umstand, zusammen mit der Silberknappheit im Osten, machten Krähenbeins Münze zu einer Rarität. Es machte auch eine Handelsreise dorthin sinnlos, es sei denn, man reiste den ganzen Weg über die Flüsse und sämtliche Stromschnellen bis zur Großen Stadt. Davon sprach ich, während Thorgunna und die Sklavinnen Essen und Bier auftrugen. Krähenbein, der gleichgültige kleine Welpe, grinste nur.
    Eine Gestalt erschien neben ihm, und ich wandte mich um zu dem Mann, der Helm und Kettenhemd trug. Er starrte mich an unter seinem Helm mit Visier und dem Pferdeschweif, wie ihn die Rus trugen, grimmig und unbewegt wie ein Fels.
    » Aljoscha Buslajeff«, stellte

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