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Psychoid - Der Feind in Oliver

Psychoid - Der Feind in Oliver

Titel: Psychoid - Der Feind in Oliver
Autoren: Loni Littgenstein
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Kapitel 2
     
     
    Ein graubärtiger Mann kam in meine Zelle und setzte sich vor mich. Dr. Klein zitterte ein wenig, das sah ich an seinem Kugelschreiber. Er würde sich wohl alles aufschreiben müssen, da nützte ihm sein intelligentes Doktorhirn auch nichts mehr.
    » Oliver, wie besprochen wird alles, was wir tun und sagen, von einer Kamera aufgezeichnet. Damit können wir Ihre Entwicklung besser bewerten und analysieren. Bevor wir mit dem EEG beginnen, werde ich Ihnen ein paar Fragen stellen. Ich möchte Sie bitten, diese gewissenhaft und ehrlich zu beantworten. Es spielt keine Rolle, ob Sie mir damit gefallen oder imponieren möchten, ich muss nur wissen, was Sie in diesem Moment denken.«
    » Nehmen Sie auch Beleidigungen in Kauf?«
    » Wenn Sie es für nötig halten. Aber das würden wir doch gerne ändern wollen, nicht?«
    Ich hatte ein wirklich dä mliches Grinsen drauf, aber ich merkte sehr schnell, dass gerade dieses Grinsen den Doc so nervös machte.
    » Bilden Sie sich nur nicht ein, Sie könnten einen anderen Menschen aus mir machen. Ich habe mich bereits verändert.«
    » Das dürfen Sie mir gerne zeigen, Oliver.«
    Und wie ich ihm das z eigen werde.
    » Lassen Sie uns mit dem Spiel beginnen!«
    Dr. Klein stierte plötzlich zum Fenster, blinzelte in der Sonne und tat so, als hätte er etwas gehört. Hatte er etwa ein klein wenig Angst vor mir?
    » Sie sollten die Sache etwas ernster nehmen, sonst werde ich einen anderen Probanden nehmen.«
    » Sie nehmen die Leute wie Vieh!«
    Die Situation wurde fü r Dr. Klein immer unangenehmer. Selbst Schuld.
    » Sollten wir die Sitzung lieber verschieben? Möchten Sie noch mal darüber nachdenken?«
    Der Doc stand auf und wollte gehen, diese Niete. Kein Arzt auf dieser gottverdammten Welt gab so schnell auf wie Dr. Klein. Ich musste ihn bremsen.
    » Es ist ihre Entscheidung mich im Stich zu lassen. Ihr schlechtes Gewissen wird Sie auf Dauer verfolgen, wenn Sie mir Ihre Hilfe ausschlagen. Haben Sie denn keinen kleinen Funken Hoffnung für mich, Dr. Klein? Wollen Sie denn nicht meine Gier nach Qual stoppen oder würde es Ihnen passen, wenn ich anfinge, Sie zu verstümmeln?«
    Ich fü r meinen Teil hätte nichts dagegen, ihm die Nase abzuhacken. Fürs Erste zumindest.
    » Nein, Nein. Dann können wir also anfangen?«
    So eine Lusche, dieser Doc. Mit dieser Frage. Er war doch der Arzt und ich sein Kaninchen, und nicht anders herum.
    Könnte langweilig für mich werden.
    » Kinderspiel.«
    Dr. Klein nahm wieder Platz und blickte mich durch seine leicht durchschaubare Maske an.
    » Stellen Sie sich Folgendes vor. Sie haben zwei Schwestern im Alter von sechs und neun. Beide wurden von einem Wahnsinnigen verschleppt und müssen ein Experiment mitmachen, welches zum Tode führt. Er gibt Ihnen jedoch die Option, sich nur eine Ihrer Schwestern auszusuchen. Wenn Sie sich weigern, wird er sie beide töten. Ist es für Sie moralisch zulässig, zu entscheiden, wer geht und wer geopfert wird, um zu verhindern, dass beide sterben?«
    Sollte ich etwa so was wie Mitleid bekommen, weil die zwei Gö ren noch so jung oder weil es einfach Mädchen waren? Warum sollte ich zwei Schwestern haben, und auch noch sechs und neun Jahre alt. Kinder praktisch. Das musste die reinste Mitleidsmasche sein. Dieses Gefühl war mir total fremd. Zumal ich gar keine Schwestern habe.
    » Wenn ich Sie richtig verstehe, Dr. Klein, geht es Ihnen hierbei um meine Moral, sofern ich eine habe. Sie pfeifen doch auf das Leben der zwei Mädchen, so wie Sie auch auf meines nichts geben. So bin ich nicht, Dr. Klein. Ich würde mich hergeben. Soll der Feind doch mich nehmen und meine Schwestern gehen lassen. Ich bin das Opfer!«
    Der Doc war sichtlich erstaunt. Hatte mir so eine Antwort wohl nicht zugetraut.
    »Warum würden Sie sich opfern? Lieben Sie Ihre Schwestern so sehr, dass Sie sich selbst vergessen?«
    » Hätten Sie einen Kaugummi?«
    » Was?«
    » Einen Kaugummi. Ich möchte gerne einen Kaugummi haben.«
    Dr. Klein fuchtelte in seinen Hosentaschen herum und schü ttelte seinen Kopf. Dabei wehten seine dünnen Haare umher.
    » Ich mache das Fenster zu. Sieht nach Regen aus«, sagte Dr. Klein trocken.
    » Und mein Kaugummi?«
    Der Doc stierte in die Kamera im Eck meiner Zelle und orderte brav eine Packung Kaugummis. Spielte ganz gut mit.
    »Wie definieren Sie Liebe?«, fragte ich den Doc.
    Es wurde plö tzlich still und ich konnte meinen Herzschlag hören. Und den von Dr. Klein. Seines musste fast doppelt so

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