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PR NEO 0042 – Welt aus Seide

PR NEO 0042 – Welt aus Seide

Titel: PR NEO 0042 – Welt aus Seide
Autoren: Oliver Plaschka
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Oktor.
    Kaprisi kletterte in den präparierten Frachtcontainer, der sie beide in den Orbit bringen würde. Er bot keinen großen Komfort – nur ein Bett, ein Stuhl, ein Fiktivspielprojektor und eine simple sanitäre Einrichtung, alles auf einer Fläche kaum größer als die Innenkabine seines Gleiters. Die Wände waren mehrfach isoliert und mit Tarnseide verkleidet – ein letztes Geschenk Kor-Ach-Etts, für das Oktor ihm hatte versprechen müssen, den Container nach Gebrauch zu vernichten. Dazu Sauerstoff und Proviant für drei Tage – mehr als genug für die Reise. Wenn alles planmäßig verlief, würde er übermorgen zu dieser Zeit bereits sein Quartier auf der HETH-KAPERK beziehen. Das Goldpaket, das der Kapitän ihm angeboten hatte, klang wirklich sehr vielversprechend.
    Die Mehandorwalze würde ihn zunächst nach Hela Ariela bringen. Dort würde Oktor ein anderes Schiff besteigen, zu irgendeiner ruhigen Welt an der Peripherie des Imperiums – vielleicht nach Targelon. Er hatte die Heimatwelt seiner nicht-arkonidischen Mutter seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen. Dort könnte er in Ruhe Gras über alles wachsen lassen.
    Kaprisi nahm Platz auf dem Stuhl und wartete, bis er eingestiegen war. Dann schloss sie den Container, versiegelte die Hülle und leitete den automatischen Verlademechanismus ein, der den Container über die Rampe auf die Plattform über ihnen heben und sie am Seil des Weltraumlifts einklinken würde.
    »Es freut mich, dass du dich entschlossen hast, mich mitzunehmen«, sagte Kaprisi.
    »Was täte ich ohne dich?«, fragte Oktor und griff ihre Hand. »Targelon«, sagte er. »Dreiunddreißig, dreiunddreißig, vierundzwanzig.«
    Kaprisi sackte leblos in sich zusammen.
    »Tut mir leid«, murmelte Oktor, richtete ihren Kopf auf und suchte nach der Klappe in ihrem Nacken, unter der sich der Schalter verbarg, mit dem sich der Roboter in seinen Auslieferungszustand zurückversetzen ließ. Ihm war klar, dass die Maschine nie wieder die alte sein würde – alle Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit waren gelöscht, alle Verhaltensmuster und Routinen mussten erst wieder neu kalibriert werden.
    Doch Kaprisi hatte ihn verraten, und sie würde es zu einer anderen Gelegenheit wieder tun. Er nahm an, dass ihr keine andere Wahl geblieben war. Wahrscheinlich hatte Sergh da Teffron ihr einen direkten Befehl erteilt und war so an die Aufnahmen der Orbitalstation gelangt – zumindest an Teile davon. Hatte sie eine Abwägung zwischen den Befehlen ihres Herrn und denen der Hand des Regenten treffen müssen und beschlossen, dass sie ihm irgendetwas geben musste? Selbst wenn Sergh da Teffron auf anderem Weg an die Bilder der Videoüberwachung gelangt war, konnte Oktor es nicht riskieren, dass Kaprisi immer noch in seinem Auftrag handelte oder die Hand des Regenten sich vielleicht ein Hintertürchen in ihrer Programmierung offengelassen hatte.
    Quetain Oktor wollte einen Neuanfang. Seine Tage im Dienste von Männern wie Sergh da Teffron waren ein für alle Mal vorbei. Und solange solche Männer im Imperium das Sagen hatten ...
    Er freute sich darauf, einfach bloß ein Niemand zu sein – nur ein Fremder unter Fremden.
    Er wollte dort aber auch nicht allein sein.
    Mit festem Druck startete er den Roboter neu.
    Es dauerte ein paar Sekunden, dann kehrte wieder Leben in die mechanischen Augen, und eine ausdruckslose Stimme forderte ihn auf, eins der vorinstallierten Persönlichkeitsprofile zu wählen.
    Quetain Oktor zögerte nur kurz. »Sieben B«, sagte er. »Weiblich.«
    »Guten Tag«, sagte die vertraute Stimme. »Bitte geben Sie mir nun einen Namen.«
    »Kaprisi«, sagte Oktor mit einem Lächeln. »Und sag doch bitte Du zu mir.«
    »Der Name gefällt mir«, sagte Kaprisi. »Wie heißt du?«
    »Quetain«, sagte er. »Einfach nur Quetain.«
    Mit einem heftigen Ruck setzte sich der Container in Bewegung.
    Er hatte seine lange Fahrt zu den Sternen begonnen.
     
    ENDE
     
     
    Perry Rhodan und seine Gefährten müssen davon absehen, weiter nach den mysteriösen Goldenen auf Khebur zu suchen. Ein Verband arkonidischer Schlachtschiffe ist im Trebola-System eingetroffen – nicht zum ersten Mal befinden sich die Gefährten nun auf der Flucht ins Ungewisse.
    Im nächsten PERRY RHODAN NEO blenden wir um zu Sid González und Maurice S. Hollander, ebenso zu ihren weiteren Abenteuern auf dem Mars. Außerdem gibt es einen ersten größeren Einblick in die Geschichte des Solsystems und seiner Verstrickung in kosmische

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