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PR 2671 – Das Weltenschiff

PR 2671 – Das Weltenschiff

Titel: PR 2671 – Das Weltenschiff
Autoren: Christian Montillon
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»Was auf rein biologische Weise lebt, werde ich nie verstehen.
    Es ist so erhaben und zugleich so beschränkt.«
    – Laire zugeschrieben –
     
     
    1.
     
    Eine Flammenspur raste über den Himmel, zerplatzte und regnete als tanzender Feuerfall herab.
    Der Zwergandroide Eroin Blitzer legte den Kopf in den Nacken und starrte aus großen schwarzen Kinderaugen in die Höhe. »Ein Asteroid ist in der Atmosphäre zerbrochen.«
    »Der Einschlag wäre sonst verheerend gewesen«, sagte Alaska Saedelaere matt. Er blickte über das leicht hügelige Grasland des Planeten, den er der Einfachheit halber wie das Sonnensystem Nahroin nannte. Eine plötzliche Windböe fuhr ihm ins Gesicht. Darin trieb Staub, der ihn zum Niesen reizte.
    Das eintönige Gras rundum sah aus, als habe man es mit einem Messer bearbeitet – unwirklich spitz und scharf. Es knisterte im sanften Wind. Das Geräusch bohrte sich in das Gehör des Terraners, und wenn er auftrat, wurde es jedes einzelne Mal lauter. Es zehrte an seinen Nerven.
    Am liebsten hätte er alles hingeworfen. Aufgegeben. Die Suche nach Samburi Yura schien ohnehin in einer Sackgasse angekommen zu sein.
    Die letzten Stunden hatten ihn in jeder Hinsicht mitgenommen. Er hatte ein ganzes, unfassbares Leben in Ausschnitten miterlebt – die Existenz des Konstrukteurs Sholoubwa, der tatsächlich nur ein spezieller Roboter war, eine hoch entwickelte Positronik und doch weit mehr als das. Alaska Saedelaere waren kleine Abweichungen gegenüber jenem Bericht aufgefallen, den Nikomus Neuntau zuvor über seine Begegnungen mit Sholoubwa abgegeben hatte. Vielleicht hatte sich das Erinnerungsvermögen des greisen Zwergandroiden in der langen Zeit der Einsamkeit verwirrt. Vielleicht hatte Neuntau sich die Dinge auch einfach so zurechtgelegt, wie sie ihm am besten gefielen. Dass ein Roboter wie der Konstrukteur sein eigenes Gedächtnis manipuliert hatte, wollte der Maskenträger nicht glauben.
    Der Feuerfall erlosch bis auf wenige Funken, die in weiter Ferne harmlos niedergingen. Die Rauchspuren am Firmament sahen aus wie schwärende Wunden. Nur langsam lösten sie sich auf, an anderen Stellen entstanden neue.
    Der Himmel über Nahroin kam nicht zur Ruhe. Es war, als spiele sich dort ein Kampf auf Leben und Tod ab. Auf makabre Weise entsprach dieses Bild sogar der Wahrheit. Es ging um die Existenz oder den Untergang des Planeten und des gesamten Sonnensystems.
    An den Anblick des brennenden oder rauchenden Firmaments waren die beiden einsamen Wanderer inzwischen gewöhnt – wenn sie ihm auch nur seltene, beiläufige Blicke gönnten, so beeindruckend das Naturschauspiel sein mochte. Andere Dinge beschäftigten sie, seit sie Einblick erlangt hatten in das Leben und den in vielen Einzelheiten makabren Werdegang Sholoubwas.
    Alaska Saedelaere zog Eroin Blitzer weiterhin auf einer Trage durch das ausgedehnte, augenscheinlich endlose und leicht hügelige Grasland Nahroins. Es wirkte bedrückend auf den Maskenträger, er kam sich verloren vor, als wäre er nicht mehr als ein Grashalm dieses Meeres.
    In gewisser Weise war er genau das.
    Die Wunde des Zwergandroiden verheilte nur langsam. Sie nässte nach wie vor, durchweichte den Stoff seiner Oberkleidung und schien sich sogar eitrig zu entzünden. Der primitiv gearbeitete Speer eines Planetenbewohners hatte Blitzer gestreift, ehe die Waffe Nikomus Neuntau durchbohrt und getötet hatte.
    Der Terraner und sein Begleiter waren seit vielen Stunden unterwegs, zurück zu Sholoubwas Pyramidenthron inmitten des geschützten Positronikwalds. Von dort hatte der Konstrukteur sie mit einem Transmitterfeld entfernt und in dem offenen Grasland ausgesetzt, wo es zu dem zufälligen Zusammenstoß mit den Einheimischen gekommen war, der für Neuntau tödlich geendet hatte.
    Wobei sich Alaska fragte, ob es sich tatsächlich um einen Zufall gehandelt hatte. Je länger er darüber nachdachte, umso mehr wuchs die Überzeugung, dass sie ganz bewusst in exakt jenem Moment an exakt jenen Ort versetzt worden waren. Ein Anschlag auf Neuntaus Leben wirkte wie eine elegante Art, ihn zu beseitigen.
    In Hinblick auf diese Präzision zollte Alaska Sholoubwa – dem Mörder – widerwillig Respekt. Der Konstrukteur hatte damit eine perfekte Beobachtungsgabe und Berechnung bewiesen; zwar eiskalt, aber woher sollte eine bloße Positronik, egal wie weit entwickelt sie sein mochte, Skrupel oder ein Gewissen kennen?
    Mittlerweile musste Saedelaere trotz des Zellaktivators seine ganze Kraft

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