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Populaermusik Aus Vittula

Titel: Populaermusik Aus Vittula
Autoren: Mikael Niemi
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Buch
    Matti und sein schweigsamer Freund Niila wachsen auf in einem kleinen Dorf im äußersten Norden Schwedens, fernab der wirklichen Welt. Es sind die wilden sechziger Jahre, doch das Leben im Tornedal wird weniger durch Rebellion als durch die unwirtliche Landschaft, den kauzigen Eigensinn seiner Bewohner und die religiöse Bewegung des Laestadianismus geprägt, die durch extreme Strenge und Lustfeindlichkeit besticht. Kein Wunder, dass die beiden Kinder schon früh nichts anderes im Kopf haben, als sich wegzuträumen von diesem Ort, der zwar viele Geschichten zu erzählen hat, aber auch unvermutete Gefahren in sich birgt. Als der Rock’n’Roll Einzug hält im kleinen Tal, ist ihre Zeit gekommen ...
    Ein großartiges, eindringliches Buch mit einer unverwechselbaren Handschrift: Niemis Sprache ist so wild und zärtlich, wie die Menschen aus dem hohen Norden, die er beschreibt - seine Geschichte so rasant, ausgelassen und dramaturgisch geschickt, dass einem Hören und Sehen vergeht ...
    Autor

    Mikael Niemi, Jahrgang 1959, ist der erfolgreiche Autor zweier Gedichtsammlungen und einer Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. »Populärmusik aus Vittula« ist sein lange erwarteter erster Roman, der in Schweden zu einem Triumph sondergleichen für ihn wurde: vielfach preisgekrönt, mit über 500000 verkauften Exemplaren monatelang auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Wie Schwedens Kritiker einhellig befanden, hat es in den letzten Jahren kein Buch gegeben, durch das sie tiefer berührt wurden - und bei dem sie gleichzeitig so viel zu lachen hatten.
    PROLOG
    Der Erzähler wacht auf, beginnt den Berg zu besteigen und macht sich auf dem Thorong La-Pass lächerlich, woraufhin die Erzählung ihren Lauf nehmen kann.
    Die Nacht in dem engen Bretterverschlag war saukalt. Als mein Reisewecker anfing zu piepsen, setzte ich mich mit einem Ruck auf, knüpfte das kleine Gesichtsfenster im Schlafsack auf und schob einen Arm in die kohlrabenschwarze Finsternis hinaus. Meine Finger tasteten in dem kalten Luftzug, der durch die Bretterritzen drang, zwischen Splittern und Sandkörnern immer weiter über die ungehobelten Bodenbretter, bis sie das kalte Plastik des Weckers und den Knopf zum Ausstellen fanden.
    Eine Weile blieb ich still liegen, halb betäubt, mich an einem Baumstamm festklammernd, einen Arm ins Meer getaucht. Stille. Kälte. Kurze Atemzüge in der dünnen Luft. Im Körper spürte ich einen physischen Schmerz, als hätte ich die ganze Nacht mit angespannten Muskeln dagelegen.
    Genau in diesem Moment sah ich ein, dass ich tot war.
    Das Erlebnis ist schwer zu beschreiben. Es war, als würde der Körper entleert. Ich wurde zu Stein, zu einem unendlich großen, nasskalten Meteoriten. Und eingebettet tief in diesem Hohlraum lag etwas Fremdes, etwas Längliches, Weiches, Organisches. Eine Männerleiche. Sie gehörte nicht zu mir. Ich war aus Stein, ich umschloss nur diese erkaltete Gestalt wie ein riesiger, fest geschlossener Granitsarkophag.
    Es dauerte zwei, höchstens drei Sekunden.
    Dann knipste ich meine Taschenlampe an. Das Ziffernblatt des Weckers zeigte Null und Null. Einen unheimlichen Moment lang befürchtete ich, dass die Zeit still stehe, dass sie nicht länger gemessen werden könnte. Dann aber wurde mir klar, dass es mir gelungen war, die Uhr auf Null zu stellen, als ich nach dem Aus-Knopf suchte. Meine Armbanduhr zeigte zwanzig Minuten nach vier in der Früh. Um das Atemloch des Schlafsacks hatte sich eine dünne Schicht Raureif gebildet. Es herrschten Minusgrade, obwohl ich mich drinnen befand. Ich wappnete mich gegen die Kälte und schlängelte mich vollkommen angezogen aus dem Schlafsack, und schob dann meine Füße in die eiskalten Wanderstiefel. Mit leichtem Unbehagen verstaute ich mein leeres Schreibheft im Rucksack. Auch heute nichts. Kein Entwurf, nicht die kleinste Notiz.
    Den Metallhaken der Tür geöffnet und hinaus in die Nacht. Der Sternenhimmel breitete seine Unendlichkeit aus. Eine Mondsichel schaukelte wie ein Ruderboot am Horizont, die Riesen des Himalaya ließen sich in alle Richtungen als spitze Silhouetten erahnen. Das Sternenlicht war so stark, dass es förmlich den Boden begoss, scharfe weiße Strahlen durch ein riesenhaftes Sieb rinnen ließ. Ich warf mir den Rucksack über, und schon diese kleine Anstrengung brachte mich zum Keuchen.
    Der Sauerstoffmangel ließ kleine Sternchen vor meinen Augen tanzen. Der Höhenhusten presste sich durch meine Kehle, trockenes Bellen, 4400 Meter über dem

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