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Planet der Illusionen (Orion 09)

Planet der Illusionen (Orion 09)

Titel: Planet der Illusionen (Orion 09)
Autoren: Hans Kneifel
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    Die Hand, die aus dem enggeschnittenen Ärmel der Borduniform hervorsah, war unverkennbar die eines Raumfahrers. Sie war schmal, aber kräftig und von jenem tiefen Braun, das auf langen Aufenthalt zwischen den Sternen schließen ließ. An dem kräftigen Handgelenk sah man jetzt ein breites Metallband, das eine wertvolle Pilotenuhr hielt. Es handelte sich um ein Modell, das mit einem Quarzkristall betrieben wurde und in einem Zeitraum von hundert Stunden nur um zwei Sekunden von der Konstante abwich. Cliff Allistair McLane betrachtete die Uhr, während er konzentriert lauschte und versuchte, aus den Sätzen mehr herauszulesen, als sie enthielten.
    »Sie wissen mit dem Begriff Shardeeba etwas anzufangen?« fragte eine dunkle, satte Stimme. Sie gehörte einem sechsundfünfzigjährigen Mann, der fast mit dem Schatten außerhalb der riesigen Tischplatte verschmolz.
    »Selbstverständlich, Raummarschall«, erwiderte Cliff McLane.
    »Shardeeba – ein erdähnlicher Planet des Systems Ayalon . Dieses Planetensystem liegt in Süd/Vier 905. Wie Sie ebenfalls wissen, gehört dieser Planet zu unserem Projekt der Welten, deren Besiedlung vorangetrieben werden soll. Diese Welt ist fast autark; wöchentlich verkehren bis zu dreißig Schiffe zwischen Terra und Shardeeba.«
    Mit einem ironischen Lächeln erwiderte Cliff:
    »Das alles weiß ich aus dem ›Handbuch‹. Was ist los mit Shardeeba?«
    Wamsler wartete etwas, und an seiner Stelle antwortete der andere Mann. Er war um eine Spur zu gutaussehend, und er mochte McLane etwa so gern wie einen Malariaanfall.
    »Shardeeba meldet sich nicht mehr. Der Planet schweigt seit drei Tagen. Wir wissen nicht, was dort vorgeht. Und seit dieser Zeit ist auch kein Schiff dort gestartet. Wir haben keine Verbindung mehr.«
    Cliff bedachte Michael Spring-Brauner mit einem langen Blick, zuckte die Schultern und sagte knapp:
    »Ein neuer Fall für McLane, wie?«
    Lydia van Dyke, die schräg neben Cliff saß und die bemerkenswerten Beine übereinandergeschlagen hatte, lachte gutgelaunt.
    »McLane«, sagte sie, »Sie werden sich vermutlich nicht mehr ändern, bis Sie dereinst von Ihrer Pension leben.«
    Cliff drehte sich um und wußte, daß sich ›Apollo‹ Spring-Brauner über die Antwort ärgern würde.
    »Wozu auch?« fragte er, »ich bin so ganz gut, und es besteht wenig Grund für eine Änderung. Jedermann schätzt mich in dieser Art.«
    Michael Spring-Brauner, der »schönste Mann der Basis 104«, schluckte und schwieg.
    »Wir sind hier nicht zum Scherzen da, McLane«, polterte Marschall Wamsler. »Haben Sie begriffen, was wir vorhaben?«
    Cliff zog die Schultern hoch und schüttelte leicht den Kopf.
    »Ich ahne, was Sie von mir wollen, Marschall Wamsler«, erwiderte er langsam und betrachtete seine Uhr. »Aber Sie haben sich noch nicht klar genug ausgedrückt. Zum Beispiel vermisse ich spezifizierte Anordnungen.«
    Wamsler räusperte sich; ein wuchtiger Mann, schwarz gekleidet und wie ein düsterer, stets grimmiger Buddha wirkend. Er schlug mit der flachen Hand auf die spiegelnde Platte des Tisches und lehnte sich in seinen Sessel zurück. Leder knirschte protestierend auf.
    »Sie reden manchmal derart unqualifiziert daher, McLane, daß ich mich fragen muß, ob die Beförderung zum Obersten und die wertvollen Geschenke, die Ihnen von der Erdregierung gemacht werden, berechtigt sind.«
    McLane hob die Hand, und im Licht der Tiefstrahler glänzte das Metall von Uhr und Armband.
    »Ach«, sagte er sarkastisch, »Sie meinen jene unverbindliche Geste, mit der mir für die Rettung der Erde großzügig eine reichlich ungenaue Uhr überreicht wurde, an der das Beste die Gravur ist?«
    Er lachte laut.
    Ordonnanzleutnant Michael Spring-Brauner beugte sich vor und meinte schlechtgelaunt:
    »Sie haben manchmal eine Art ...!«
    Cliff sah in das Gesicht Lydia van Dykes und bemerkte das amüsierte Lächeln. Er erwiderte schnell:
    »Ich habe diese Art nur manchmal. Aber – kommen wir zur Sache. Was befehlen der Herr Marschall?«
    Wamslers Hand senkte sich zu einer Schaltleiste, die unterhalb der Tischplatte angebracht war und nahm eine Einstellung vor. Dann deutete Winston Woodrov Wamsler schräg an McLane vorbei in den Hintergrund des Raumes, rechts neben der Lichtflutbarriere.
    »Sehen Sie ...«, begann Wamsler.
    Inmitten der Projektion leuchtete ein Pünktchen auf. Es charakterisierte eine der unzähligen Sonnen, die sich in der neunhundert Parsek durchmessenden Raumkugel befand. Dieser

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